Freising Nur ein paar Millimeter

Die Auswirkungen des Pumpversuchs entlang der geplanten Trasse der Westtangente in Vötting sind minimal. Absenkungen von Häusern sind kaum wahrnehmbar, Risse in den Mauern sind bislang nicht aufgetreten

Von Birgit Goormann-Prugger, Freising

Für den Bau der 87 Millionen Euro teuren Westtangente hat die Stadt Freising jetzt eine weitere Hürde genommen: Der groß angelegte Pumpversuch in Vötting, mit dem die Experten ermitteln wollten, wie sich die notwendige Grundwasserabsenkung auf den Untergrund und die umliegenden Häuser auswirken, ist beendet und zur Zufriedenheit aller verlaufen. Befürchtungen der Vöttinger Anwohner, es könne durch die Absenkung des Grundwassers zu Rissen in den Gebäudewänden kommen, ja Häuser sogar einstürzen, hätten sich nicht bestätigt, sagte Tiefbauamtsleiter Franz Piller. An einigen Häusern habe man lediglich Absenkungen im Millimeterbereich feststellen können. Ein höchst erfreuliches Ergebnis nannte das der Freisinger Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher.

Die Beweissicherung und die Vermessungsarbeiten an den Gebäuden vor Beginn des Probeabsenkungsversuchs hatten bis Anfang Juni gedauert. Bis zum 6. August wurde das Grundwasser absenkt. Das Zentrum des Probeversuchs lag an der Ecke Giggenhauser Straße/Am Mitterfeld. Abgesenkt worden ist der Grundwasserspiegel auf über neun Meter. Untersucht werden sollte dabei, ob und wie die Gebäude im Umkreis von 200 Metern reagieren. Insgesamt 481 Höhenbolzen wurden deshalb an den Häusern angebracht. An ihnen sollten sich selbst millimeterweise Veränderungen durch die Pumpversuche und später durch die Bauarbeiten ablesen lassen.

Die Veränderungen, das bedeutet Absenkungen, seien nur im Millimeterbereich feststellbar, versicherte Franz Piller. Nur in einem Fall seien es vier Millimeter gewesen, in anderen Fällen zwei bis drei Millimeter. Bei vielen Häusern sei gar nichts festzustellen. Seit dem 7. August steige der Grundwasserspiegels wieder an. Ende August sei dessen natürlicher Spiegel wieder erreicht worden. "Nun sagen wir deswegen aber nicht, das passt jetzt schon alles", versichert Piller an die Adresse der besorgten Vöttinger. Darum sei für Mitte Oktober eine weitere Kontrolluntersuchung geplant, um zu sehen, ob nachträglich Risse an den Hauswänden festzustellen seien. Im weiteren Umkreis des Zentrums der Probeabsenkung habe man keinerlei Setzungen erwartet und das sei tatsächlich so eingetroffen.

Der Pumpversuch an der Ecke Am Mitterfeld/Giggenhauser Straße in Vötting ist beendet. Der Grundwasserspiegel hat wieder Normalhöhe erreicht.

(Foto: Lukas Barth)

Die Ergebnisse dieses Probeabsenkungsversuchs seien so gut, dass Franz Piller sogar die Hoffnung hegt, dass auf die sogenannte Brunnenallee beim Bau der Westtangente verzichtet werden könne. Das wird vor allen die betroffenen Anwohner freuen, die dafür ihre Grundstücke zur Verfügung stellen müssten.

Die Grundwasserabsenkung ist notwendig für den Bau des 705 Meter langen Tunnels der geplanten Westtangente. Der beginnt etwa auf Höhe der Forstfakultät an der Lise-Meitner-Straße, unterquert diese und verläuft weiter unter der Straße Am Mitterfeld und der Giggenhauser Straße bis südlich der Bachstraße, wo er nach der Moosach endet. Während die Röhre im ersten, nördlichen Bauabschnitt bis zur Giggenhauser Straße bergmännisch gebaut wird, also rein unter Tage, folgt südlich der Giggenhauser Straße eine Tunnel-Deckel-Bauweise. Nach dem Tunnelende steigt die Straße auf einer 100 Meter langen Rampe an, um auf einer Brücke den Mühlangergraben zu queren.

Der erste Spatenstich für die Freisinger Westtangente ist nach wie vor für das Jahr 2015 geplant. Eine Vegetationsperiode vor Baubeginn, so will es die Vorschrift, ist die Stadt Freising dazu verpflichtet, die Ausgleichsflächen für die Straßenbaumaßnahme bereitzustellen. Seit Monaten, so Piller, sei man damit beschäftigt, die Maßnahmen für den Bau der Ausgleichsflächen auszuschreiben. Erledigt soll das bis Ende Oktober sein. Die Flächen selbst seien bereits im Besitz der Stadt Freising, fügte Piller hinzu.