Engagement, das sich lohnt:Jugendstadträte dringend gesucht

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Das neue Freisinger Gremium bräuchte mehr Mitglieder. Dass diese etwas bewegen können, haben erste Initiativen gezeigt

Von Kerstin Vogel, Freising

Nein, so richtig rund läuft die Sache mit dem Jugendstadtrat bislang nicht. Allzu viele "feste" Mitglieder hat das neue Gremium ohnehin noch nicht - und wenn von denen dann vor einer Sitzung gleich mehrere kurzfristig absagen müssen, kann es leicht zu der etwas bizarren Situation kommen, dass im Jugendstadtrat mehr Erwachsene sitzen als Jugendliche.

Dass dann schlecht ein Sprecher gewählt werden kann, ist klar - und auch die Abläufe sind in derart kleiner Runde schwer zu klären. Dabei haben die ersten Initiativen aus dem Jugendstadtrat bereits Ergebnisse gezeitigt. So will die Stadtverwaltung prüfen, wie die von den Jugendlichen angeregte Beschilderung eines sicheren Fuß- und Radwegs zum künftigen Kino an den Schlüterhallen aussehen könnte. Auch die Idee, die Pfeiler der alten Isarbrücke weiter mit Graffiti zu gestalten, wird geprüft - und: Zumindest an der ersten Bank auf dem meditativen Isarweg soll ein Mülleimer aufgestellt werden, auch das ein Wunsch der Nachwuchspolitiker. Es lässt sich also etwas bewegen in dem neuen Gremium - nur wie können mehr Jugendliche überzeugt werden, sich zu engagieren?

Vor gut einem Jahr hatte die Stadt Freising beschlossen, einen neuerlichen Anlauf zur Einrichtung eines Jugendparlaments zu unternehmen. Dem Konzept der Verwaltung folgend, sollte sich das Gremium aus je einem Vertreter aller Schularten sowie des Förderzentrums, der heilpädagogischen Tagesstätte, einem Vertreter aller im Stadtrat vertretenen Gruppierungen sowie der Stadtjugendpflege und des Amts für soziale Angelegenheiten zusammensetzen. Die jungen "Parlamentarier" sollten dabei maximal 18 Jahre alt sein und aus der Stadt stammen.

Vor allem die letzten beiden Kriterien aber waren von Anfang an umstritten. Der Freisinger Jugendparteienstammtisch kritisierte, dass das an der Realität vorbeigehe. Ein Großteil der Schüler von der FOS/BOS werde damit ausgeschlossen, ebenso viele Gymnasiasten oder eben Schüler von außerhalb. Der Kulturausschuss des Stadtrats blieb dennoch bei den ursprünglichen Ideen für die Zusammensetzung des Jugendstadtrats - und die Umsetzung gestaltet sich prompt schwierig.

So haben die meisten Parteien und Gruppierungen im Stadtrat gar keine Mitglieder unter 18 - und an den Schulen ist die Werbung für das neue Gremium auch nicht optimal gelaufen. Dieser Verdacht wurde jedenfalls in der jüngsten Sitzung des Jugendstadtrats geäußert. Wenn die Aufforderung, sich zu beteiligen, nur an die Schülersprecher gegangen sei, sei nicht sicher, dass diese das an alle weitergegeben haben, gab einer der Jugendstadträte zu bedenken. Seine Anregung: Wie in der Paul-Gerhardt-Schule sollte auch an den anderen Schulen ein Lehrer von Klasse zu Klasse gehen, über den Jugendstadtrat informieren und zum Mitmachen aufrufen. Zwölf ständige Mitglieder hätte man gerne, dann ließe sich gut arbeiten.

Wie eine nächste Aktion aussehen könnte, dazu machte Robert Zellner von der Stadtverwaltung ein Angebot. Weil sich die Freisinger Jugendlichen in einer Umfrage unter anderem robuste Sitzgelegenheiten und Kunstobjekte in der Innenstadt gewünscht hatten und die Stadt ja gerade an einer neuen Konzeption für die City arbeite, könnte man die Stadtplaner in den Jugendstadtrat einladen, so die Idee. Die könnten die Jugendlichen dann darüber informieren, was geplant sei - und die Jugendlichen könnten umgekehrt ihre Wünsche und Vorstellungen dazu einbringen.

Diese Idee soll im neuen Jahr umgesetzt werden. Das nächste Mal kommt der Jugendstadtrat am Donnerstag, 28. Januar, um 17.30 Uhr im Rathaus zusammen.

© SZ vom 08.12.2015 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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