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Eine erste Bilanz:Immer im Dienst

Gerhard Betz ist seit 100 Tagen als Bürgermeister von Nandlstadt im Amt. Die 60-Stunden-Woche stört ihn nicht.

(Foto: Marco Einfeldt)

In seinen ersten 100 Tagen im Amt als Bürgermeister von Nandlstadt profitiert Gerhard Betz von seiner Erfahrung als Stellvertreter

Von Henrike Adamsen

In seinen ersten hundert Tagen als Bürgermeister von Nandlstadt ist Gerhard Betz (UWN) selten überrascht worden. "Es ist genauso, wie ich es mir vorgestellt habe", bestätigt der 45-Jährige. Das liege vor allem an den vielen Erfahrungen, die er schon in den vergangenen fünf Jahren als Dritter Bürgermeister habe sammeln können. Er sei oft als Vertreter eingesprungen. "Daher wusste ich, was auf mich zu kommt", erzählt er. Auch sein beruflicher Werdegang als Rettungssanitäter und BRK-Dienststellenleiter in Moosburg und Nandlstadt habe ihn gut vorbereitet, denn er wisse, was es bedeute, Verantwortung übernehmen zu müssen , sagte er.

Bei der Kommunalwahl im März hat er damit offenbar punkten können. Mit 59,5 Prozent gewann er mit deutlichem Abstand zu seinen Konkurrent Franz Mayer (CSU) bereits im ersten Wahlgang. Seitdem arbeitet Betz eine lange Liste an Vorhaben ab. Die Marktgemeinde soll zum Beispiel neue Grundstücke erwerben, um das Gewerbegebiet zu erweitern. "Das wäre eine Katastrophe, wenn ortsansässige Firmen abwandern, weil der Platz nicht reicht, um sich zu vergrößern", erklärt Betz. Momentan befinde sich die Gemeinde allerdings noch in Verhandlungen.

Transparenz und Kommunikation sei ein anderes Thema, das ihm als Bürgermeister am Herzen liege. Mehr Pressemitteilungen zu veröffentlichen und die Homepage zu modernisieren, seien erste Schritte in diese Richtung. Zusätzlich informiert die Facebook-Seite "Nandlstadt erleben" zum Beispiel über Fortschritte beim Bau des neuen Spielplatzes und die Arbeit am Gehweg an der Hausmehringer Straße. Nicht alle Projekte habe er schon angehen können. E-Bike Ladestationen und die Erweiterung der Radwege seien zwar angedacht, aber noch nicht weiter verfolgt worden.

Schwierigkeiten kenne er nicht, so Gerhard Betz. Selbst in der Corona-Krise sehe er das Positive: Die Wirtschaftsstruktur Nandlstadts. Im Vergleich hätten andere Gemeinden zwar größere Gewerbegebiete, wovon diese in den vergangenen Jahren sehr profitiert hätten.

In Nandlstadt hingegen seien viele Handwerksbetriebe angesiedelt. Jetzt mit der Corona-Pandemie hätten diese so viel Arbeit wie noch nie. Betz erklärt sich das so: "Statt in den Urlaub zu fahren, bleiben viele Menschen zu Hause, das gesparte Geld investieren sie in den Garten oder ins Haus." Für die Marktgemeinde Nandlstadt bedeutet das vor allem eins: Aufatmen, denn von Einbußen in der Gewerbesteuer bleibe sie dadurch verschont.

Für das Großprojekt Waldbad bemüht sich Betz um Unterstützung von Bund und Freistaat, da das Alleinstellungsmerkmal von Nandlstadt im großen Stil restauriert werden muss. Wegen der hohen Kosten bewirbt sich Betz um staatliche Zuschüsse. Den Erfolg könne man momentan noch nicht absehen und die Rückmeldung könne wohl noch dauern. "Durch Corona arbeiten die Behörden einfach langsamer, weil viele im Homeoffice sind. Da muss man sich gedulden."

Engagiert und anpackend, so wirkt Betz, wenn er von seinem Selbstverständnis als Bürgermeister erzählt. "Klar, es ist ein 60-Stunden Job, mindestens", aber beklagen will er sich nicht. Er hat sich damit abgefunden, in Nandlstadt nicht mehr privat unterwegs sein zu können, weil er ständig angesprochen werde.

"Die Menschen kommen auf mich zu und sprechen ihre Probleme an. Die Straßenlampe funktioniert nicht oder der Bürgersteig ist kaputt". Immer in der Rolle des Bürgermeisters wahrgenommen zu werden, empfindet Betz allerdings nicht als anstrengend. Als Dritter Bürgermeister habe er die Erfahrung auch schon gemacht, wenn auch in kleinerem Ausmaß. "Wenn ich Ruhe brauche, dann fahre ich eben woanders hin", gibt er sich pragmatisch.

Was ihm an seinem neuen Amt am Besten gefalle? "Alles. Unter Menschen zu sein, Lösungen zu finden." Als Bürgermeister fühle er sich als erster Diener seines Volkes, betont Betz zum Schluss.

© SZ vom 14.08.2020
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