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E-Auto für Freising:Kleines Aufbruchsignal

Die Stadt Freising hat erstmals ein E-Auto gekauft. Es soll vor allem zum Transport der Amtspost benutzt werden. Die Präsentation des Autos zeigt, dass die Elektromobilität im Landkreis erst am Anfang steht.

Als wolle er es allen beweisen, dreht Bürgermeister Tobias Eschenbacher dann doch eine schnelle Runde um die Mariensäule. Er steigt ein, fährt los, einmal im Wendekreis - und man hört nichts außer einem leisen Surren. Man komme sich vor wie in einem "riesigen Go-Kart", sagt Eschenbacher später über das erste Elektroauto, das die Stadt Freising sich angeschafft hat. Es soll ein Jahr nach der landkreisweiten "Probezeit Elektromobilität" nicht einfach nur eine gewöhnliche Investition in den städtischen Fuhrpark sein, sondern ein Aufbruchssignal. Und nebenbei ein kleiner Beitrag zur großen Energiewende, die den Freistaat Bayern derzeit so sehr beschäftigt.

Das weiße Auto mit dem Kennzeichen FS-FS-872, das da am Dienstag brav auf dem Marienplatz herumsteht, sei nicht gerade ein Sprintweltmeister, schrieb ein Autojournalist über den Zweisitzer mit seinen 60 PS und dem üppigen Stauraum. "Gewinnt Herzen, keine Schönheitswettbewerbe", tönte der französische Hersteller deshalb bereits vor Jahren in einem Werbespot. Für das Anliegen der Stadt Freising sind Optik und Motorenleistung ohnehin nachrangig.

Denn dort soll es laut Bürgermeister Tobias Eschenbacher zunächst ausschließlich im Stadtverkehr eingesetzt werden. Mit dem Auto werde in Zukunft zwei Mal täglich die Amtspost ausgefahren, sagt Erich Stenzl vom Organisationsamt. Außerdem könne das Kulturamt den Transporter für Veranstaltungen nutzen. Daher müsse das Auto, das einen Stromverbrauch von 14 Kilowattstunden pro 100 Kilometer und eine Reichweite von etwa 150 Kilometer hat, nicht einmal täglich an eine Steckdose angeschlossen werden. Wenn es doch einmal schnell gehen müsse, lasse sich die Batterie in einer halben Stunde fast vollständig aufladen, sagt Stenzl.

Deshalb ist Andreas Henze vom Freisinger Verein Sonnenkraft, der mit dem Fahrrad zu der Präsentation gekommen ist, eine Botschaft besonders wichtig: "Es gibt keinen Grund mehr, mit dem Kauf eines Elektroautos zu warten." Denn die Technologie sei längst so ausgereift, dass Autofahrer im Alltag nicht eingeschränkt seien. Gleichwohl müsse sich die Politik weiter um Beschaffungsanreize kümmern, etwa um weitaus mehr Parkplätze mit Ladestation im öffentlichen Raum.

Während Michael Müller, Ernat Hadsic, Andreas Voigt und OB Tobias Eschenbacher (v. l.) über das E-Auto sprechen, muss das an die Stromzapfstelle.

(Foto: Marco Einfeldt)

Henze ist ein Aktivist und Vorreiter für Elektromobilität, das erste seiner drei E-Autos hat er bereits vor 24 Jahren gekauft. Der Verein Sonnenkraft hatte in den vergangenen zwei Jahren mit den Solarfreunden Moosburg und dem Landratsamt die "Probezeit Elektromobilität" organisiert, bei der Kommunen im Landkreis Elektroautos von vier kooperierenden Autohäusern kostenlos testen konnten.

Anton Geier, Bürgermeister der Gemeinde Haag an der Amper, war nach einer Probefahrt beim heimischen Stadtfest dermaßen überzeugt, dass er sich im Herbst einen gebrauchten Elektrokleinwagen als Zweitauto gekauft hat. Mit ihm fährt er nun zu allen Terminen im Umkreis. "Das Auto ist nicht nur umweltfreundlich und leise, es fährt sich spritzig, wendig. Das muss man den Leuten vermitteln: Es macht Spaß, so ein Auto zu fahren." Im Prinzip müsse jede Tankstelle im Landkreis eine Ladestation anbieten, sagt Geier am Telefon. "Es darf kein Abenteuer sein, so ein Auto zu besitzen."

Beim Landratsamt prüfe man derzeit, ob nicht das nächste Dienstfahrzeug ein Elektroauto sein könne, sagt Pressesprecherin Eva Dörpinghaus. Für das Amt für Jugend und Familie mache ein solches Auto beispielsweise aber keinen Sinn, weil dessen Mitarbeiter oftmals Strecken von mehreren hundert Kilometern am Tag fahren müssten. Auch die Stadt Freising will für ihren Fuhrpark weiter nach Bedarf entscheiden: "Wir werden einen gesunden Mix brauchen", sagt Hauptamtsleiter Rupert Widmann.

Davon ist man momentan noch etwas entfernt. Auf den Parkplätzen der Stadtverwaltung steht das Elektroauto FS-FS-872 momentan neben elf Fahrzeugen mit Benzin- oder Dieselmotor.

© SZ vom 13.02.2015

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