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Der Heilige Martin und ein Grundstücksgeschäft:Leserbriefe

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Den Kriegsdienst verweigert

Zum Artikel "Helfen und teilen" in der SZ Freising vom 11. November:

Im SZ-Artikel über Martin von Tours wird über den "braven Soldaten, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte", berichtet.

Diese sehr bekannte Handlung führte dazu, dass Martin - weil er sich für soziale Randgruppen einsetzte - als Patron der Armen und Geächteten verehrt wird. Weniger bekannt ist, dass er auch Patron der Kriegsdienstverweigerer ist.

Sulpicius Severus, der Biograf von Martin, kannte ihn persönlich - und schreibt in seiner Biografie über ihn, dass er bereits mit 15 Jahren von seinem Vater, der Offizier war, gezwungen worden war, Soldat zu werden.

Nachdem er den Mantel mit einem Bettler vor den Toren von Amiens geteilt haben soll und im Traum sah, dass dieser Bettler Christus war, soll er sich zur Taufe entschlossen haben und Christ geworden sein, so sein Biograf.

Im Jahr 356 hat er vor den Toren von Worms den Kriegsdienst verweigert, wie Sulpicius Severus im vierten Kapitel seiner Biografie schreibt: "Unterdessen waren Barbaren in Gallien eingebrochen. Kaiser Julian zog bei der Stadt der Vangionen ein Heer zusammen und begann damit, Geldgeschenke unter die Soldaten zu verteilen. Dabei wurde nach der Gewohnheit jeder Soldat einzeln vorgerufen. So kam die Reihe auch an Martinus. Jetzt hielt dieser den Zeitpunkt für günstig, seine Entlassung zu erbitten.

Er war nämlich der Ansicht, er habe keine freie Hand mehr, falls er das Geschenk in Empfang nehme, ohne weiter dienen zu wollen. Deshalb sprach er zum Kaiser: 'Bis heute habe ich dir gedient; gestatte nun, dass ich jetzt Gott diene. Dein Geschenk mag in Empfang nehmen, wer in die Schlacht ziehen will. Ich bin ein Soldat Christi, es ist mir nicht erlaubt zu kämpfen'.

Wutschnaubend ob dieser Rede gab der Tyrann zur Antwort, er wolle sich nur aus Angst vor der Schlacht, die für den andern Tag zu erwarten war, nicht um seines Glaubens willen dem Kriegsdienst entziehen. Doch Martinus blieb unerschrocken, ja der Versuch, ihn einzuschüchtern, machte ihn nur noch fester.

So sprach er: 'Will man meinen Entschluss der Feigheit und nicht der Glaubenstreue zuschreiben, dann bin ich bereit, mich morgen ohne Waffen vor die Schlachtreihe zu stellen und im Namen des Herrn Jesus mit dem Zeichen des Kreuzes, ohne Schild und Helm, furchtlos die feindlichen Reihen zu durchbrechen'. Man ließ ihn also in Gewahrsam halten, damit er sein Wort wahr mache und sich waffenlos den Barbaren entgegenstelle. Am nächsten Tage schickten die Feinde Gesandte zu Friedensverhandlungen und ergaben sich mit Hab und Gut." (1)

Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde Martin nicht - wie sein Biograf schreibt - im Jahr 336 geboren, sondern bereits im Jahr 316. Wenn er bereits mit 15 Jahren Soldat wurde, war er bei seiner Kriegsdienstverweigerung 40 Jahre alt und hatte 25 Jahre im römischen Heer gedient. Nach 25 Jahren Militärdienst konnte er als Veteran den Militärdienst beenden.

Kaiser Julian Apostata war über die Kriegsdienstverweigerung von Martin so verärgert, dass der dem Veteranen Martin das übliche Landgut zur Altersversorgung verweigerte.

Die SZ-Formulierung vom "braven Soldaten" Martin ist vor diesem historischen Hintergrund nicht zutreffend.

Clemens Ronnefeldt, Freising

Kaufpreis nicht zu beanstanden

Zum Bericht "Alfred Wagner rügt Grundstückskauf der Stadt" in der SZ Freising vom 5. November:

Den Kaufpreis für die von der Stadt Moosburg vom Bauträger erworbene - bisher landwirtschaftlich genutzte - Fläche würde ich nicht beanstanden. Wenn es ein "unzulässiges Koppelungsgeschäft" war, dann ist es mit der viel zu kleinen Kauffläche (4056 Quadratmeter) zu begründen. Denn die Stadt Moosburg benötigt beim Schulzentrum Nord dringend weitere Flächen für notwendige Räume und Sportstätten.

Dafür, und darüber hinaus, hätte sich die Stadt Moosburg im Rahmen ihrer Planungshoheit ein Mehrfaches der oben genannten Kauffläche sichern müssen. Hier stelle ich ein Versagen der ehemaligen Moosburger Bürgermeisterin fest, das nun von ihrem Nachfolger zusammen mit dem neuen Stadtrat aufzuarbeiten ist.

Moosburg, Erwin Köhler

© SZ vom 18.11.2020
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