Bauarbeiten Abgeschnitten

30 Jahre Rosenkönig könnten bald Geschichte sein. Rupert Pichler will den Laden schließen. Wegen der Baustelle bleibt die Kundschaft aus.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Sperrung der Allershausener Glonnbrücke macht den Geschäftsleuten schwer zu schaffen. Der "Rosenkönig" wird mangels Kunden womöglich für immer schließen, der Edeka-Markt kommt gerade so über die Runden

Von Petra Schnirch, Allershausen

Die Sperrung der Glonnbrücke macht den Geschäftsleuten nördlich der Baustelle schwer zu schaffen. Rupert Pichler, Inhaber des "Rosenkönig" an der Ampertalstraße, will seinen Laden in zwei Wochen schließen, möglicherweise für immer. Es sei eine Katastrophe, sagt er. Seit dem Start der Bauarbeiten zu Beginn der Pfingstferien sei sein Umsatz um mehr als 90 Prozent eingebrochen. Es gebe Tage, da kommen nur ein bis zwei Leute in sein Geschäft. "Für einen Blumenstrauß fährt man keine zehn Kilometer Umweg."

Und Pichler ist "stinksauer", dass keine der von der Gemeinde ins Spiel gebrachten Optionen zum Tragen gekommen ist wie eine Behelfsbrücke, eine Freigabe von zumindest einer Spur oder Schichtarbeit. Diese Vorschläge waren nach Angaben des Staatlichen Bauamts nicht umsetzbar. Doch Pichler glaubt: "Es gibt immer andere Lösungen." So aber sei er vom Verkehr abgeschnitten. In zwei Wochen wird er voraussichtlich schließen, wenn sich die Situation nicht verbessert. Bis dahin hat er noch einige Aufträge für Hochzeiten. Seine beiden Angestellten seien ab sofort in Kurzarbeit. Ob er nach der viermonatigen Bauzeit wieder aufmache, sei eher unwahrscheinlich. Er müsste wieder "bei null" anfangen und, trotz der aktuellen Verluste in Vorleistung gehen und für Tausende Euro Ware einkaufen. "30 Jahre Rosenkönig sind dann Geschichte", sagt Pichler. Eine Mitarbeiterin wollte das Geschäft eigentlich übernehmen, auch das sei nun unklar.

Etwas stabilisiert hat sich die Lage aktuell für den Edeka-Markt von Daniel Schermelleh. Nach dem ersten Zeitungsbericht riefen zahlreiche Allershausener dazu auf, dort einzukaufen, damit der Supermarkt nicht schließe. In den ersten Tagen nach Beginn der Bauarbeiten hatte Schermelleh ernsthaft darüber nachgedacht. "Ich war verzweifelt", sagt er. Umso mehr freut er sich über die Unterstützung der Allershausener. "Die Anteilnahme finde ich toll." Er mache derzeit zwar immer noch Verlust, schildert er, aber wenn es so bleibe, komme er über die Runden. Auch Kündigungen habe er bisher abwenden können, weil mehrere Mitarbeiter in einem seiner anderen Märkte eingesetzt würden. Vor acht Jahren hat Schermelleh den Supermarkt übernommen. "Er ist wie ein Baby für mich, das war mein erster Laden", erzählt er. Eine Einkaufsmöglichkeit an dieser Stelle gibt es seit 38 Jahren. Sollte er doch zusperren müssen, wolle der Besitzer auf dem Grundstück Wohnungen bauen.

Auch der Fuchswirt hat auf die Bauarbeiten reagiert. Er hat die Öffnungszeiten deutlich eingeschränkt, unter der Woche ist mittags nicht mehr geöffnet. "Im Großen und Ganzen können wir aber zufrieden sein", bilanziert Anita Solsbach.

Was Schermelleh und auch Pichler zu schaffen macht, ist der Wegfall der vorbeifahrenden Kundschaft, oftmals Pendler, aus dem Raum Kirchdorf. Die suchen sich nun, ebenso wie die Allershausener selbst, andere Weg, die zum Teil über Unterkienberg führen. Dort "häufen sich die Beschwerden", sagt Bürgermeister Rupert Popp, anders als noch in den Pfingstferien. Auch Lastwagen nutzen die Strecke, die deutlich kürzer ist als die offizielle Umleitung, obwohl für sie die Durchfahrt eigentlich verboten ist. Die Folgen sind bereits sichtbar: An einem alten Bauernhof, der direkt an der Straße steht, sei die Dachrinne weggefahren worden, sagt Popp, an der Hausmauer gebe es mehrere Kratzer. Er hat nun die Polizei gebeten, verstärkt zu kontrollieren.

Auf der Baustelle selbst läuft alles normal, wie das Staatliche Bauamt mitteilt. An Gerüchten, die in Allershausen die Runde machen, dass die Arbeiten eingestellt worden seien, "ist nichts dran", sagt Albert Frost. In diesen Tagen würden die Kappen der Brücke abgerissen.