Flohmarkt auf der Theresienwiese Jäger und Sammler

Der große Flohmarkt auf der Theresienwiese: Wir waren unterwegs mit einer Spezialistin für billige Fundstücke.

Von Philipp Crone

Frieda ist Flohmarkt-Profi - und heute auf der Jagd. Die Beute an diesem Samstagmorgen ist ein Sommerkleid. Um sieben Uhr geht die 28-Jährige los, mit kleinen Scheinen im Geldbeutel und einer leeren Tasche unter dem Arm. Von allen Seiten strömen um diese Zeit Münchner mit noch müden Gesichtern zur Theresienwiese, die meisten einen Pappbecher-Kaffee in der Hand. Frieda kennt alle Regeln, trotzdem braucht sie Glück, um fündig zu werden.

Rocken zur Musik aus dem Transistorradio: Beim Flohmarkt auf der Theresienwiese war alles möglich.

(Foto: Foto: Stephan Rumpf)

Die Theresienwiese um kurz nach halb acht am Eingang Beethovenstraße: Frieda blickt auf den größten Münchner Flohmarkt, ein Meer von Zelten, Tausende Menschen, schwer beladene Tische, darüber posiert die Bavaria; sie hält ihren Kranz hoch, als wollte sie den Flohmarktlern sagen: "Seht her, ich habe schon was gefunden."

Den ersten Stand am Eingang hat Oliver. In eine blaue Outdoor-Jacke gepackt, steht er hinter seinem Tisch und beobachtet die Leute. "Es gibt hier zwei Typen, die Jäger und die Sammler." Die könne er genau unterscheiden. "Um diese Zeit sind vor allem Jäger hier." Die überfliegen das Angebot kurz und gehen gleich weiter. Die Sammler kommen erst später. "Die schlafen aus und schlendern dann gemütlich über den Markt." Das sind die angenehmeren Käufer, die feilschen nicht so und kaufen mehr, sagt Oliver. Der 43-Jährige ist seit Freitagabend hier, manche kamen schon am Mittwoch. Auf seinem Tisch stehen Porzellanhäuschen neben Janoschzahnbürsten zu zwei Euro. Noch ist er zufrieden, später wird er es nicht mehr sein.

Frieda geht mit einem kurzen Blick an Olivers Stand vorbei. Sie sucht nach Kleiderständern. Anprobieren kann man hier kaum. Sie sagt: "Die Elle entspricht der Hüftbreite." Das muss als Maß reichen. Ein älteres Paar tritt neben Frieda, er fragt seine Frau: "Und jetzt?" Sie: "Gehen wir halt schlangenförmig." Frieda macht es genauso, sie steuert mit konzentriertem Blick durch den ersten engen Weg, guckt zu beiden Seiten nach Kleiderständern, die Menschen nimmt sie nicht wahr, weicht ihnen automatisch aus. Es riecht nach Flohmarkt und Frühling - nach feuchter Wiese, staubigen Klamotten und altem Holz.

Man hört über Kies und Erdmatsch schlurfende Schuhe, Wortfetzen und in regelmäßigen Abständen fällt krachend etwas von einem der Tische herunter. Nach einer Gerade bis zum Esperantoplatz, der ersten Wende und der Gegengerade hat Frieda dreimal angehalten und an den Ständen die Kleiderbügel durchgeblättert. Bisher ist nichts dabei. Auch nach Wende zwei und drei ist Friedas Tasche noch leer. Immer mehr Leute kommen, die Wege sind an manchen Stellen verstopft, hinter den Tischen stehen frierende Verkäuferinnen mit gezuckten Schultern und den Händen an ihren dampfenden Teetassen. Noch nicht einmal ein Drittel hat Frieda nach zwei Stunden durchforstet, und dabei ist es in diesem Jahr gar nicht so richtig voll.

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