"Fit im Park" Massenbewegung

Jeden Tag kann man von Mai bis September in vier Münchner Parks beim Fitness-Training der Stadt mitmachen - unangemeldet und kostenlos. 43 000 Menschen waren im vergangenen Jahr dabei

Von Silke Lode

Sport im Verein? Setzt eine Mitgliedschaft voraus. Im Fitnessstudio? Kostet jeden Monat Geld, einen langfristigen Knebelvertrag gibt's oft obendrein. Joggen? Wirklich nicht jedermanns Sache. Und Radfahren macht vielen Menschen auch nur mit einem klaren Ziel Spaß. Es gibt viele gute Gründe, einfach auf der Couch zu bleiben. Das Münchner Sportamt aber gibt sich große Mühe, solche Hindernisse aus der Welt zu schaffen, zum Beispiel mit seinem Sportangebot in vier Münchner Parks.

Umsonst, draußen und ohne Voranmeldung - in den Sommermonaten dürfte es wenige Angebote geben, die so unkompliziert zur Bewegung einladen. Vor allem in der Kernzeit von 18 bis 18.45 Uhr: Im Westpark, Luitpoldpark, Riemer Park und Ostpark kann man vom 1. Mai bis zum 30. September jeden Tag um diese Zeit unter Anleitung sporteln, auch an Sonn- und Feiertagen und in den Ferien. Nur das Wetter kann den Sportlern einen Strich durch die Rechnung machen - "aber grundsätzlich sind die Sportlehrkräfte und die Sportler eher hart im Nehmen, was das Wetter angeht", betont Christina Warta vom Referat für Bildung und Sport.

Entspannt an der frischen Luft: gemeinsames Fitnessprogramm im Englischen Garten.

(Foto: Florian Peljak)

Seit mehr als 20 Jahren gibt es "Fit im Park" bereits, die Idee fand ihren Weg über einen Sportlehrer von Skandinavien nach München. "Die ersten Parkstunden in München fanden im Westpark statt, anfangs mit nur ein paar Teilnehmern", berichtet Warta von den Anfängen. Inzwischen kommen an schönen Tagen mehr als 250 Sportler zu einer Gymnastikstunde in den Westpark, im vergangenen Jahr gab es 800 Programmstunden im Rahmen von "Fit im Park", die 43 000 Teilnehmer angelockt haben.

Das Angebot folgt dabei durchaus den recht schnelllebigen Trends der Fitnessbranche: Nach Aerobic kräht momentan offenbar kein Hahn. Die Kurse tragen Titel wie "EnergyM", "Fit und in Form", "Zumba" oder "Pilates". Inhaltlich lassen sie sich grob unter dem Oberbegriff "Gymnastik" zusammenfassen - mal mit etwas sportlicheren Ambitionen, mal mehr auf Gesundheit und Mobilisation ausgerichtet, mal mit Musik, mal ohne.

Apropos Musik: Ganz neu gibt es in diesem Sommer das "Wiesn-Wadl-Workout" - also "Fitnessgymnastik zu bayerischer Musik", so erklärt Kursleiterin Karin Lochner ihr Konzept. Inspirieren ließ sie sich von Zumba - das ist Fitnessgymnastik zu lateinamerikanischer Musik. Wobei Zumba längst ein eingetragener Markenname ist und von Havanna über Hanoi bis Haidhausen unterrichtet wird. "Ich bin halt aus Bayern und mache bei meinen Kursen gerne bayerische Musik", erzählt Lochner. Am Starnberger See probiert sie ihre neue Idee seit vergangenem Jahr aus, am Donnerstagabend hatte der Wiesn-Wadl-Workout im Westpark Premiere - wie immer um 18 Uhr. Zu Haindling, den Songs aus der Grattler-Oper oder von Zwirbeldirn wird künftig jede Woche geschwitzt, mitsingen ist erlaubt. "Egal ob Teenies, Senioren oder Fitness-Fans - bei den Leuten kam das bisher immer gut an", sagt Lochner.

Möglichkeiten zum Training im Freien gibt es viele: beispielsweise Qigong auf dem Marienplatz.

(Foto: Robert Haas)

Für einige Sport-im-Park-Kurse wird allerdings doch ein geringer Beitrag fällig, für das "Boot Camp" am Fitnessparcours in den Isarauen in der Nähe der Brudermühlbrücke zum Beispiel, beim "Nordic Walking" oder für das "Mama Boot Camp" im Rosengarten für Mütter und ihre Kleinkinder bis drei Jahre. "Das Angebot in den Parks soll weiterhin kostenlos bleiben", betont Pressesprecherin Warta. Aber parallel zu "Fit im Park" bietet die Stadt den "Freizeitsport" an. Ebenfalls ohne Anmeldung, vor allem im Winter breit gefächert und mit 2,60 Euro pro Kurs sehr günstig. Im Sommer gibt es zusätzlich zum Hallenangebot auch Kurse draußen - die dann ebenfalls mit dem "Freizeitsport-Ticket" bezahlt werden müssen.

Wer gerne mit anderen Leuten draußen Sport macht, hat in der Stadt aber noch viele andere Möglichkeiten, die von Yoga über Buggy-Fit (Fitness mit Baby), Girls-Surf-Workout bis zu Zirkeltraining im Park reichen. Allerdings muss für solche Angebote meist bezahlt werden. Eine Ausnahme ist das "Lederhosentraining", das ein Trainer schon seit Jahren mit großem Erfolg jeden Montag um 19 Uhr auf der Wiese am japanischen Teehaus im Englischen Garten anbietet. In Tracht muss übrigens niemand kommen - der Leiter ausgenommen. Viele andere Sportler organisieren sich inzwischen über Facebook, sei es zum gemeinsamen Bolzen auf irgendeiner Grünfläche oder zum Training mit der neuesten Handy-App - "Freelatics" zum Beispiel. Die schlechte Nachricht: Die Ausreden für Couch-Potatoes werden immer weniger.