Erzdiözese München und Freising Kirche will Missbrauch bekämpfen

Für Kardinal Reinhard Marx war das vergangene Jahr besonders schlimm. Grund dafür sind die Fälle von sexuellem Missbrauch in der Kirche. Jetzt plant das Erzbistum ein Zentrum und Internetportal für den Schutz von Kindern und Jugendlichen.

Von Franziska Brüning

Als Antwort auf den Missbrauchsskandal, der die katholische Kirche erschüttert hat, will die Erzdiözese München und Freising ein "Zentrum für Kinder- und Jugendschutz" errichten. Träger des Instituts sollen die Päpstliche Universität Gregoriana der Jesuiten in Rom und das Erzbistum sein. Die Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie wird das Projekt wissenschaftlich unterstützen.

Kardinal Reinhard Marx: "Für mich als Erzbischof war das vergangene Jahr 2010 das schlimmste meines Lebens, denn auch hier in unserer Erzdiözese ist furchtbares Leid geschehen."

(Foto: dapd)

Wie Kardinal Reinhard Marx bei einer Pressekonferenz am Montag in München ankündigte, soll das neue Zentrum spätestens Anfang 2012 unter der Leitung des Ulmer Kinder- und Jugendpsychiaters Hubert Liebhardt seine Arbeit in München aufnehmen. In welchen Räumlichkeiten das Institut untergebracht werden soll, stehe noch nicht fest.

"Für mich als Erzbischof war das vergangene Jahr 2010 das schlimmste meines Lebens, denn auch hier in unserer Erzdiözese ist furchtbares Leid geschehen", sagte Marx. Ziel sei es darum, dass möglichst nie wieder Menschen Missbrauch und Gewalt erleiden müssten. Die Kirche solle ein Schutzraum und Ort der Gewaltlosigkeit und Liebe gerade für die Kleinen und Schwachen sein. Neben der wichtigen Aufarbeitung dessen, was geschehen sei, und der Sorge um die Opfer müsse darum eine neue Kultur des Hinschauens und der Verantwortung verankert werden. Das neue Zentrum widme sich daher der Prävention von Missbrauch.

Pater Hans Zollner, akademischer Vize-Rektor und Direktor des Instituts für Psychologie an der Universität Gregoriana, stellte ein weltweit einsetzbares und mehrsprachiges E-Learning-Trainingsprogramm vor, das in den nächsten drei Jahren in München entwickelt werden soll. Das Internetportal soll Priestern, Diakonen, pastoralen Mitarbeitern und Religionslehrern die Möglichkeit bieten, sich zu informieren und fortzubilden.

Zudem soll ein globales Konzept gegen Missbrauch in der katholischen Kirche und in der Gesellschaft entwickelt werden. Teilnehmer des Programms könnten beispielsweise anhand von nachgestellten Gesprächssituationen lernen, wie man mit traumatisierten Menschen spricht oder Anzeichen von Missbrauch bei Opfern erkennt.

Wir wollen einen nachhaltigen Lernprozess anstoßen", betonte Zollner. Er sei sehr froh, dass sich das Münchner Erzbistum in "bemerkenswerter Weise" für die Weltkirche engagiere und das neue Zentrum mit 250 000 Euro unterstütze. Mit E-Learning könnten auch Gegenden in der Welt erreicht werden, "wo es Internet gibt, aber keine Straßen", sagte Zollner. Die Entwicklung des Lernprogramms soll im Februar 2012 mit einem internationalen Kongress an der Universität Gregoriana in Rom starten.