Zuschläge wollen alle "Kommt der Ochs als Ochs auf die Welt?"

Ökofreunde, Biobauern und konventionelle Landwirte diskutieren hart aber fair bei einer Grünen-Veranstaltung in Dorfen

Von Florian Tempel, Dorfen

Die Positionen zur Landwirtschaft, die die Grünen und der Bayerische Bauernverband (BBV) vertreten, sind in vielen Fällen nicht deckungsgleich. Das schadet freilich nicht, wenn man miteinander diskutiert. Das war so am Montagabend in Dorfen zu erleben, wo der Kreisverband der Grünen zu einer Diskussion mit dem neuen BBV-Kreisobmann Jakob Maier, Landwirt aus Oberding, und dem Freisinger Grünen-Kreisrat Toni Wollschläger, Biobauer aus Langenpreising, eingeladen hatte: Die vielen unterschiedliche Meinungen und Ansichten - in manchen Punkten aber auch der Konsens - machten die Debatte sehr interessant.

Jakob Maier, Oberdinger Landwirt und BBV-Kreisobmann.

(Foto: Stephan Görlich)

Das Gasthaus am Markt war fast bis auf den letzen Platz gefüllt und die Mischung perfekt: Altgediente Tagwerk-Genossen und Öko-Freunde auf der einen Seite, konventionell wirtschaftende Bäuerinnen und Landwirte auf der anderen, und zwischendrin noch Publikum, das sich nicht leicht in eine Schublade einordnen ließ. Maier und Wollschläger waren die eloquenten Hauptredner, doch in der Diskussion meldete sich auch fast jeder Besucher zu Wort.

Zwei Beiträge aus dem Publikum waren bezeichnend für den Wunsch, tatsächlich miteinander ins Gespräch zu kommen. Der Dorfener Tierfotograf Andreas Hartl sagte: "Ich finde es schlimm, dass immer wieder der Eindruck erweckt wird, dass Leute, die sich über Natur- und Artenschutz Gedanken machen, Feinde der Landwirtschaft wären." Der Taufkirchener Landwirt Johannes Mundigl sagte: "Was mich wirklich stört, ist, dass die Landwirtschaft in ein so schlechtes Licht gestellt wird, als ob wir Landwirte alle seelenlose Naturzerstörer wären."

Toni Wollschläger ist Langenpreisinger Bio-Bauer und Freisinger Kreisrat.

(Foto: Marco Einfeldt)

Bei den inhaltlichen Themen war man zum Teil in ähnlicher Weise zugleich kontrovers und irgendwie doch auch derselben Meinung. Einigkeit bestand etwa darüber, dass eine Wurzel vielen Übels die Billigkeit landwirtschaftliche Produkte sei: Wenn die Bauern mehr erhielten, wären sie nicht so sehr dem Druck einer ständigen Produktionssteigerung ausgesetzt. Wollschläger und Maier kritisierten unisono, dass alle landwirtschaftlichen Betriebe, egal ob groß oder klein, Direktzahlungen von der EU nur nach der Größe der bewirtschafteten Fläche bekommen, knapp 300 Euro pro Hektar. Dieses System begünstige "Agrargroßbetriebe", sagte Wollschläger, und es benachteilige "die kleinteilige bayerische Landwirtschaft", sagte Maier. Er forderte deshalb einen Zuschlag bei den Direktzahlungen für kleine Betriebe. Wollschläger sprach sich hingegen für Zuschläge für ökologische Aspekte aus. Denn: "Wir haben ein gigantisches Artensterben" und die Landwirtschaft sei daran beteiligt. Maier räumte ein, dass man für den Naturschutz "regional und lokal etwas auf die Füße stellen" müsse. Ihm schwebe vor, Geld für den Erwerb von Ausgleichsfläche lieber als Ausgleichszahlungen zum Beispiel für Gewässerrandstreifen umzuleiten. Der Grünen-Kreisrat Stephan Glaubitz fand das bemerkenswert, war aber der Ansicht, weiterhin auf freiwilliges Mitmachen der Landwirte zu setzen, "funktioniert nicht". Was Maier nicht so sah: "Ich finde, wir sind auf einem guten Weg."

Keine Einigkeit gab es aber beim Thema Trinkwasserschutz. Wollschläger sagte, die Landwirte müssten einsehen, dass die steigende Nitratbelastung mit dem Düngen zusammenhingen. Maier und andere widersprachen: Das Trinkwasser sei gar nicht sehr belastet und die neue Düngeverordnung gängle vor allem kleine Betriebe. Auch bei der artgerechten Tierhaltung gab es keinen Konsens. Hier drehte sich die Diskussion um die Enthornung von Rindern. Tierfreunde beklagten das als üble Verstümmelung. Landwirt und Stadtrat Hans Selmair sagte, es sei "Menschenschutz", denn er kenne einen Kollegen, dem habe eine Kuh ein Auge ausgestochen. Der treffsichere Schlusspunkt kam dann aus einer hinteren Reihe und war an Biobauer Wollschläger adressiert, der auf seinem Betrieb Ochsen mästet: "Kommt der Ochs als Ochs auf die Welt?"