Wirtshäuser in Erding Das Andenken an Hiasl Maier soll hochgehalten werden

Umso gespannter dürfen die Erdinger sein, was sich auf dem Areal des Mayr-Wirtes in der Haager Straße im kommenden Jahr tut. Die Stadt Erding hat das Gelände schon im Jahr 2009 gekauft, einiges weist darauf hin, dass demnächst Bewegung in die Angelegenheit kommt. Eine Gastwirtschaft wird wieder entstehen, dort sollen auch die beeindruckenden Bilder von Hiasl Maier wieder hängen. Eine Übereinkunft zwischen der Stadt und den Nachfahren der Familie Hiasl Maiers, in deren Besitz die Bilder sind, ist getroffen. Wirt Andreas Mayr wartet noch ab. Er könnte sich vorstellen, sagt er, dass er sich als Wirt bewirbt. Dass die Bilder in der Wirtschaft hängen sollen, das ist ihm wichtig. "Wir freuen uns, wenn das Andenken an Hiasl Maier hochgehalten wird."

Unterdessen wird es zu Verschiebungen kommen - unter anderem in Richtung Münchner Hof. Drei junge Wirte verfolgen dort ein ganz eigenes Konzept, das so leicht aber wohl keine Nachahmer findet: Sepp, Jakob und Vitus Ehrenthaler, 30, 26 und 25 Jahre alt, gehen Berufen nach oder studieren, und nebenbei führen sie die Traditionswirtschaft in der Münchner Straße weiter. "Mit Leidenschaft", wie sie sagen, und in fünfter Generation. Keiner hat auf sie Druck ausgeübt, sie selbst haben sich dazu entschlossen, den Betrieb zu übernehmen. "Was passiert, das bestimmen wir", sagen sie. Die Hilfe ihres Vaters Sepp, des Onkels Ernstl, ein gelernter Koch, und der Oma Irene nehmen sie aber gerne in Anspruch.

Dienstags wird fünf Stunden lange vorgekocht.

"Wir haben das im Kreuz", sagen Jakob (links) und Sepp Ehrenthaler. Vor drei Jahren haben sie den Münchner Hof gemeinsam mit ihrem Bruder Vitus übernommen und führen ihn in fünfter Generation fort.

(Foto: Renate Schmidt)

Dienstags trifft man sich in der Küche, um fünf Stunden lang vorzukochen: Soßen aus Wurzelgemüse und Knochen, Röstzwiebeln und Suppen, alles hausgemacht. Von Mittwoch bis Samstag wird um 19 Uhr geöffnet, dann kann kommen, wer will: Stammtische, junge Leute, Bauern und Jäger, Rennverein und Narrhalla, Sportler, Geschäftsleute - und Kartenspieler. Die sind auch gerne gesehen.

Sepp Ehrenthaler junior sagt, wenn sie die Wirtschaft nicht in die Hand genommen hätten, "dann wäre es vorbei gewesen". Jakob Ehrenthaler fügt an, das sei eben ihr Hobby. Der Aufwand sei es ihnen wert. "Wir bekommen auch was zurück", zum Beispiel Anerkennung für ihre Küche. "100 Essen in einer Stunde", darauf sind sie stolz, sie haben die Speisekarte bereits weiterentwickelt. Und sie haben noch einen Trumpf im Ärmel: Die Wirtschaft ist brauereifrei - wie der Mayr-Wirt. Das heißt, dass sie das Bier anbieten können, das sie wollen. Wie praktisch: Sie haben einen Fachmann in ihren Reihen. Jakob Ehrenthaler ist Brauer und studiert jetzt in Weihenstephan. Die drei Brüder sagen, sie freuen sich, wenn noch mehr Erdinger kommen. "Wir haben das im Kreuz", glaubt Sepp Ehrenthaler junior. Die Öffnungszeiten werden sie jedoch nicht erweitern. Auch Anfragen von Stammtischen aus dem Mayr-Wirt gibt es bereits, aber alle werden sie nicht aufnehmen können. Und hier sieht Andreas Mayr ein Problem heraufziehen.

Für die Wirte selbst bleibt oft nicht mal der Mindestlohn.

70 Stammtische treffen sich regelmäßig bei ihm. Zu jeder Uhrzeit, an jedem Wochentag. Sie gehören einfach zu einer bayerischen Wirtschaft, findet Mayr. Und es gebe auch Zeiten, da sei man froh, dass wenigstens sie da seien. Vor allem aber gilt: "Jeder geht lieber in eine Wirtschaft, in der schon jemand sitzt." Doch nun haben die Stammtischbrüder und Stammtischschwestern ein Problem. Viele wissen noch nicht, wie es weitergehen soll im neuen Jahr. "Manche Wirte wollen heute keine Stammtische mehr haben", sagt Mayr. Denn ein großes Geschäft lasse sich nicht machen mit Leuten, die stundenlang an ihrem Platz hocken und bei einem Bier über alles Mögliche reden.

Überhaupt das Geschäft: Es wird nicht leichter für die Gastronomen, das bestätigt Bernhard Rötzer, Wirt im Gasthaus zur Post. Nicht der Mindestlohn mache den Wirten zu schaffen, sondern die vielen Auflagen und bürokratischen Erfordernisse, die damit verbunden seien. "Den Mindestlohn haben wir schon vorher gezahlt." Problematisch sei aber auch der Kampf ums Personal, zumal wenn man einen Asylbewerber beschäftigen möchte, dessen Arbeitserlaubnis nicht verlängert wird. "Und wer will denn heute noch Koch lernen?", fragt Rötzer. Deswegen müsse ein Wirt sich selbst zu helfen wissen, zum Beispiel indem er sich in die Küche stellt, wenn ein Koch ausfällt. Das macht auch Rötzer. Und trotzdem müsse er "jede Menge Veranstaltungen ablehnen", weil ihm das Personal fehlt. "Termine, die ich annehme, muss ich auch durchziehen." Das aber erhöhe den Druck auf die Mitarbeiter, und das will Rötzer nicht.

Erst vor wenigen Tage hat er erfahren, dass die Hälfte der bayerischen Wirte weniger als 150 000 Euro Umsatz im Jahr machen. "Viele können das nur machen, wenn sie gemeinsam mit ihrer Frau täglich 12 bis 14 Stunden arbeiten." Was dann dabei herauskommt, sei nicht einmal ein Mindestlohn für die Wirte selber.