Wirtesprecher zum Rauchverbot:"Verstärktes Denunziantentum"

Erdings Wirtesprecher Andreas Mayr hat für seine Gäste ein lauschiges Plätzchen zum Rauchen - im Freien. Die Durchsetzung des Verbots hält er für problematisch.

Th. Daller

Das strengste Rauchverbot in Deutschland tritt am Sonntag in Bayern erneut in Kraft. Nachdem nun auch in die Nebenzimmer nicht mehr ausgewichen werden kann, stellt sich die Frage, ob alle Raucher sich gesetzestreu verhalten und wie die Wirte handeln, wenn es Verstöße gibt. Thomas Daller sprach darüber mit Wirtesprecher Andreas Mayr.

Wirtesprecher zum Rauchverbot: "Das wird nicht als Kavaliersdelikt behandelt": Wirtesprecher Andreas Mayr fürchtet Probleme beid er Durchsetzung des Rauchverbots.

"Das wird nicht als Kavaliersdelikt behandelt": Wirtesprecher Andreas Mayr fürchtet Probleme beid er Durchsetzung des Rauchverbots.

(Foto: Peter Bauersachs)

SZ: Was machen Sie von Sonntag an mit Gästen, die sich nicht an das Rauchverbot halten?

Mayr: Genau das, was ich vorher auch gemacht hätte: Ich fordere sie auf, die Zigarette auszumachen. Es gab jedoch keinen einzigen Fall, dass jemand im Nichtraucherbereich geraucht hätte. Wir hatten noch das Schützenstüberl, in dem geraucht werden durfte, aber das ist jetzt vorbei. Wir haben im Innenhof noch ein lauschiges Plätzchen mit Stehtisch und Kerzerl, jetzt müssen halt alle zum Rauchen nach draußen gehen.

SZ: Man hat den Eindruck, der Staat erlässt diese Regelung, drückt sich aber um die Kontrolle: Die Polizei will das Rauchverbot nicht überwachen und abends um 22 Uhr wird auch keiner vom Ordnungsamt kommen, um einem Raucher einen Strafzettel zu verpassen. Werden die Wirte mit der Durchsetzung allein gelassen?

Mayr: Es soll ja Aufgabe der Lebensmittelkontrolle werden, auch das Rauchen in den Gaststätten zu überwachen. Wenn die einen Raucher antreffen und der will seine Personalien nicht angeben, müssen die die Polizei rufen. Ich bin gespannt, wie die das kontrollieren, das wird problematisch. Ich hoffe allerdings, dass das nicht zu einem verstärktem Denunziantentum führt. Diese Ausführungsverordnungen sind ein Riesenwust und bisher hat es auch ein Miteinander gegeben. In der Stadt ist es anders, aber auf dem Land kommen die ganzen Nachmittagsstammtische nicht mehr. Die treffen sich nun privat.

SZ: Glauben Sie, es wird weiterhin Gaststätten geben, in denen man bei Rauchern beide Augen zudrückt, solange sich kein anderer Gast beschwert?

Mayr: Das kann ich mir nicht vorstellen, weil das nicht als Kavaliersdelikt behandelt wird. Das wird mit Auflagen und mit Strafen geahndet. Ich weiß zwar nicht, wie hoch die Strafen ausfallen, aber ich gehe davon aus, dass sie drastisch sind, anders kriegen sie das nicht in den Griff.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: