Boxen:"Ich habe schnell gemerkt, dass er kein Gefühl für meinen Boxstil hat"

Boxen: Großer Erfolg: Der Erdinger Boxer Uwel Hernandez hat seinen Weltmeistertitel verteidigt.

Großer Erfolg: Der Erdinger Boxer Uwel Hernandez hat seinen Weltmeistertitel verteidigt.

(Foto: privat)

Box-Profi Uwel Hernandez verteidigt in Panama seinen Weltmeistertitel. Leicht war das nicht, denn der Gegner hat vor dem Kampf mit psychologischen Spielchen versucht, den Erdinger zu verunsichern.

Interview: Simon Kienzl, Erding

Der Erdinger Box-Profi Uwel Hernandez (31) hat am Freitag im Coliseo de Combates Pandeportes in Panama City seinen WBA-Gold-Titel gegen den Kolumbianer Alexi Rivera (36) erfolgreich verteidigt. In der achten Runde erklärte der Ringrichter den Kampf durch Technischen Knock-out (TKO) vorzeitig für beendet und damit stand fest, Hernandez bleibt Weltmeister. In seinen 18 Kämpfen als Profi musste er sich bisher nur einmal geschlagen geben. Die SZ hat ihn am Montag telefonisch erreicht: Und auch mit einem gerade bestätigten Weltmeister im Super-Mittelgewicht (bis 76 Kilogramm) geht es erst einmal um den Schnee in Süddeutschland.

Wie geht es Ihnen nach dem Kampf?

Das ging alles sehr schnell, am Tag nach dem Kampf haben wir in Panama ein bisschen gefeiert. Und am Sonntag sind wir dann schon los, sieben Stunden Flug nach Spanien. Wir wollten eigentlich gleich weiter nach Deutschland, aber die Flüge waren gestrichen. Ich weiß nicht, was bei euch da gerade los ist (lacht).

Wie hat sich Ihr Gegner geschlagen?

Es war ein intensiver Kampf. Vor der Leistung Riveras habe ich riesigen Respekt, der hat eingesteckt, der hat wirklich Schlagkombination auf Schlagkombination kassiert, wollte aber einfach nicht runtergehen und hat durchgehalten bis in die achte Runde. Auch alle anderen, die da waren, haben danach gesagt: Wie hat der das gemacht? Wo haben sie diesen Kerl gefunden?

Wie war Ihr Gefühl vor dem Kampf am Freitag?

Ich war ziemlich aufgeregt. In einem anderen Land zu kämpfen und dann noch um die Weltmeisterschaft, das ist schon ein großer Druck. Und mein Gegner ist beim Wiegen vor dem Kampf zu mir gekommen, hat mir in die Augen geguckt und gesagt, dass er mich ausknocken wird. Er hat so ein Selbstvertrauen ausgestrahlt, dass ich ehrlich sagen muss, ich habe mich davon ein bisschen verunsichern lassen. Das war ihre Taktik, er war mit einem Psychologen da. Im Kampf habe ich dann aber schnell gemerkt, dass er kein Gefühl für meinen Boxstil hat.

Wie kamen Sie mit der Hitze und Luftfeuchtigkeit in Panama zurecht?

Die Luftfeuchtigkeit hier ist man erst mal nicht gewohnt, damit hatte ich die ersten Tage große Schwierigkeiten, nach sieben oder acht Tagen in Panama war es dann aber schon viel besser. Dann war der Wille da und die Motivation und ich habe einfach gewusst, es geht um viel für mich.

Direkt nach dem Technischen Knock-out sind Sie zu Rivera in seine Ringecke und haben mit ihm gesprochen. Warum?

Man ist nicht gleich verfeindet, wenn man kämpft. Vor dem Kampf war er aber wirklich sehr hart und böse zu mir. Das habe ich nicht ganz verstanden. Er hat mir dann gesagt, er hat es seinen Kindern versprochen, dass er mit dem Titel nach Hause kommt. Wir sind beide Menschen, kommen beide aus anderen Regionen, beide haben verschiedene Herausforderungen. Aber das ist halt der Sport, nur einer kann gewinnen. Wir haben dann noch zusammen ein Video gemacht für seine Kinder, in dem ich gesagt habe: "Euer Vater hat sich super geschlagen. Respekt, ihr habt einen starken Papa. Und nur weil man einmal verliert, heißt das nicht, dass man aufgibt." Das ist das Schönste, man gibt sich die Hand, man möchte das Beste, wir sind ja alle nur Menschen.

Welche Lehren nehmen Sie aus diesem Kampf mit?

Jeder Kampf ist anders, für die Erfahrung ist es aber sicher immer gut, vor allem auch auswärts zu kämpfen. Auf alle Fälle nehme ich als Lehre für mich mit, dass ich an mich glauben muss, dass ich noch mehr an mich glaube. Wenn ich das schaffe, bin ich mir sicher, dass ich jeden schlagen kann.

Wie geht es jetzt weiter? Sie hatten vor einigen Monaten gesagt, Sie würden sich wünschen, in anderthalb Jahren den unumstrittenen Box-Weltmeister Canelo Álvarez im Ring zu haben?

Zuallererst möchte ich meine Familie besuchen, meine Tochter habe ich auch in der Vorbereitung schon länger nicht gesehen. Und dann geht es Mitte Dezember zur "WBA-Convention" in Orlando. Man kann sich das wie den großen Branchentreff vorstellen, da kommen Weltmeister, Sponsoren, Handschuhhersteller zusammen. Es kann zum Beispiel sein, dass ich da auf Canelo stoße. Und bei der Gelegenheit werde ich einen der ganz großen Box-Promoter in den USA treffen und hoffentlich einen Vertrag unterschreiben können. Ich möchte auf jeden Fall den Schritt in die USA machen.

Aber zurzeit stecken Sie wegen des Schneechaos noch auf der Heimreise fest?

Ja, ich sitze noch in Spanien fest. Ich weiß nicht, wie das Wetter in Bayern wird, vielleicht klappt es morgen. Aber genau das habe ich mir gewünscht, eine schöne Weihnachtszeit mit viel Schnee. Einen besseren Abschluss eines für mich sehr schwierigen Jahres gibt es doch nicht. So etwas liebe ich.

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