Wasserqualität Nitrat im Trinkwasser

Die TU München will schwach radioaktives Abwasser in die Isar entsorgen. Die Stadt Freising befürchtet Auswirkungen auf ihr Trinkwasserschutzgebiet.

(Foto: Linus Mirgeler/dpa)

In einigen Gemeinden im Landkreis ist das Grundwasser stark mit Nitrat belastet. Grund dafür ist die Gülle, die Bauern auf ihren Feldern ausbringen. In Buch am Buchrain könnte es daher bald einen neuen Brunnen geben

Von Thomas Jordan, Erding

Obwohl das Problem seit Jahren bekannt ist, sind viele Grundwasserbrunnen im Landkreis Erding nach wie vor nitratbelastet. Mancherorts ist die Belastung nahe an den europäischen Grenzwerten. Das hat Auswirkungen auf das Trinkwasser, das daraus ohne weitere Reinigung gewonnen wird. In Buch am Buchrain, der Gemeinde mit der höchsten Nitratbelastung im Grundwasser in der Region, könnte nun bald ein neuer Brunnen gebaut werden.

Ab 25 Milligramm Nitrat pro Liter stuft das Landesamt für Umwelt Grundwasser in die Belastungsklasse 2 ein, ab 37,5 Milligramm pro Liter wird es teuer: Laut der europäischen Wasserrichtlinie müssen die Versorger dann Maßnahmen ergreifen, um den Zustand des Grundwassers zu verbessern. Das kann etwa heißen, dass in tieferen Erdschichten nach Wasser gebohrt werden muss. Es kann aber auch bedeuten, dass große Reinigungsanlagen errichtet werden müssen. Denn insbesondere das Abbauprodukt Nitrit ist in größeren Mengen vor allem für Kinder und Schwangere schädlich. Erst kürzlich warnte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, Martin Weyand, davor, die Verbraucherpreise für Leitungswasser könnten regional um mehr als 60 Prozent steigen.

Im Landkreis Erding lag der Nitrat-Spitzenwert im Grundwasser jahrelang bei 34, 7 mg/l im Brunnen I in Buch am Buchrain. Die aktuelle Messung vom Juli 2018 ergibt nun einen Wert von 30,9 mg/l.

"Das ist die saisonal bedingte Schwankungsbreite", sagt Ulrich Scheubeck dazu. Der Geologe untersucht mit seiner Firma seit Jahren im Auftrag der Gemeindeverwaltung Buch am Buchrain die Wasserqualität. "In erster Linie kommt es von der Landwirtschaft" sagt Scheubeck. Schuld an der hohen Nitratbelastung im Grundwasser sind aber nicht nur die Bauern unmittelbar aus der Gegend, die zu viel nitrathaltige Gülle auf ihren Feldern ausbringen, die dann ins Grundwasser sickert. Eine Rolle spielt auch der jeweilige Brunnenstandort. "Das Wasser strömt von weiter her", sagt Scheubeck. Für Buch am Buchrain müsse man etwa auch die Nitratbelastung im Wasser der Gemeinde Forstern berücksichtigen. Die Nitratbelastung summiert sich dann an einem bestimmten Brunnen abhängig vom Fließgeschehen. Trotzdem ist es für den Geologen Scheubeck wichtig, im Kontakt mit den lokalen Bauern zu versuchen, die Nitratbelastung zu verringern.

Das ist allerdings nicht immer einfach. Das berichtet der langjährige Bürgermeister von St. Wolfgang, Jakob Schwimmer (CSU), der heute stellvertretender Landrat im Kreis Erding ist. Schon vor zehn Jahren wies er auf die Gefahren von zu viel Nitrat im Grundwasser seiner Gemeinde hin. Das habe zu Anfeindungen geführt, sagt Schwimmer. Nicht nur von Seiten der Bauern, sondern damals auch von Kollegen aus dem Landtag. Von 2019 an sollen nun bayernweit strengere Regeln für das Ausbringen von Gülle gelten. Auch wenn man laut Schwimmer inzwischen auf dem richtigen Weg sei, die aktuellen Grenzwerte hält er immer noch für viel zu lax. "Eine Verbeugung vor den Berufsständen" nennt Schwimmer den 37,5 mg/l-Grenzwert. "Wenn Wasser, das mehr als 10 Milligramm Nitrat enthält, für die Zubereitung von Babynahrung ungeeignet ist, dann stimmt etwas mit den Grenzwerten nicht."

Es gibt allerdings auch Orte im Landkreis, die weit unter den Grenzwerten liegen. So kann etwa die Stadt Dorfen mit einem Wert von weniger als 1 mg/l Nitrat punkten, Erding liegt bei immerhin 12,2 mg/l. Auch im meistbelasteten Buch am Buchrain könnte sich bald etwas ändern. Nach einem Grundwassermonitoring habe man jetzt einen Standort für einen neuen Brunnen vorgeschlagen, sagt Scheubeck. Im Gespräch ist das Urbansholz nordöstlich der Gemeinde. "Dort ist der Nitratgehalt niedriger", sagt der Geologe Scheubeck.