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Umbau steht kurz vor Abschluss:"Für jede Altersgruppe ist etwas geboten"

Aus der Disco "Crazy Town" in Taufkirchen wurde 2016 das Kulturhaus. Vor einem Jahr erfolgte ein großer Umbau. Ein Gespräch mit Jürgen Ondruschek über das neue Konzept, das von Tanzpartys bis Livemusik reicht

Jürgen Ondruschek, 46, war 13 Jahre lang Inhaber der Disco "Crazy Town" in Taufkirchen. 2016 wurden sowohl der Name als auch das Konzept der Disco grundlegend geändert. Das neue Kulturhaus setzt nun verstärkt auf Konzerte und Kabarett. Zusammen mit dem Geschäftspartner Franz Egerndorfer wird derzeit weiter am Konzept gearbeitet.

SZ: Herr Ondruschek, das Kulturhaus hat sich äußerlich in den vergangenen zwei Jahren sehr stark gewandelt. Was wurde alles verändert?

Jürgen Ondruschek: Vor einem Jahr fand ein großer Umbau statt, in dessen Zusammenhang auch der Hütten-Stil, wie man ihn heute vorfindet, umgesetzt wurde. Im Moment gestalten wir das Innere noch weiter um und bringen zusätzliche Holzelemente an. Dadurch wirkt der Raum wärmer und das Ambiente erinnert noch mehr an eine Hütte.

Sie waren zuvor Inhaber der Disco "Crazy Town". Wie kamen Sie letztlich auf die Idee, Kulturevents zu veranstalten?

Bauarbeiten im Kulturhaus

Die Bauarbeiten im Kulturhaus in Taufkirchen laufen auf Hochtouren. Das Innere der ehemaligen Disco "Crazy Town" wird nach dem großen Umbau kaum wieder zuerkennen sein. Der Betreiber will mit dem neuen Konzept auch regionalen Künstlern eine Plattform bieten.

(Foto: Stephan Goerlich)

Es gibt viele interessante Bands und Künstler, die wir gerne zu uns in die Region holen wollten. Bei einem reinen Discokonzept ist die Umsetzung solcher Bookings jedoch nicht möglich, da die notwendige Technik fehlt und eine professionelle Bühne notwendig ist. Auch muss ein stimmiges Ambiente vorherrschen. Schließlich haben wir uns dazu entschlossen, den großen Hauptraum des ehemaligen Crazy Towns umzugestalten.

Von der Disco zum Kulturhaus. Kann man das so sagen, oder steckt im Kulturhaus doch noch etwas Disco?

Wir wollen versuchen beide Seiten abzudecken. Ab Oktober wird es jeden Samstag eine Tanzstadl-Party mit Musik in Richtung Fox, Dance, Pop und Oldies geben. Vor allem Menschen etwas älterer Generationen dürften sich hier sehr wohl fühlen. An den Freitagen werden wir regelmäßig Kulturevents organisieren. Im Keller finden die Gäste weiterhin eine klassische Disco. Auch hier haben wir ein neues Konzept erarbeitet. Der ehemalige HVNA-Club wurde umgestaltet und nennt sich jetzt Fabrique Club. Der Raum wurde im Vintage-Stil mit vielen Metal- und Eisenelementen eingerichtet. In der Winterzeit werden darin in etwa ein bis drei Veranstaltungen pro Monat durchgeführt. Um die Organisation kümmert sich Tobias Maier. Jeden Samstag wird auch die Black Pearl geöffnet sein. Dort werden vor allem Partyklassiker gespielt. Somit ist für jede Altersgruppe etwas geboten. Das finde ich persönlich auch sehr wichtig, da ein derart breites Angebot in der heutigen Zeit eigentlich kaum mehr existiert.

Bauarbeiten im Kulturhaus

Drinnen laufen die Arbeiten: Der ehemalige HVNA-Club wurde umgestaltet und nennt sich jetzt Fabrique Club.

(Foto: Stephan Goerlich)

Heißt das auch, dass im Kulturhaus keine größeren Partys mehr stattfinden?

An Samstagen und vermutlich auch vor Feiertagen werden wir weiterhin Partys organisieren. Auch ist es denkbar, dass an manchen Freitagen eine 90er-Jahre Party veranstaltet wird. Größere Events mit Künstlern wie Kay One wird es dort aber nicht mehr geben.

Sie organisieren die Kulturveranstaltungen bereits seit einem Jahr. Haben die Besucher das neue Konzept gut angenommen?

Viele der Musikveranstaltungen liefen wirklich gut, andere mit Kabarett waren oft sehr zäh. Da nur unregelmäßig Kulturevents organisiert wurden, hatten wir das Problem, dass jede Veranstaltung einzeln beworben werden musste. Das war mit einem hohen Aufwand verbunden. Auch der technische Umbau zwischen den Partys und den Veranstaltungen, bei denen eine Bühnentechnik benötigt wird, war sehr zeitintensiv.

Konnte dieses Problem mit dem neuen Konzept gelöst werden?

Bauarbeiten im Kulturhaus

Die Außenansicht des Kulturhauses während der Umbauphase.

(Foto: Stephan Goerlich)

Wir haben jetzt einen festen Technikbereich, in dem sich der DJ oder Tonmischer aufhält. Gegenüber davon befindet sich die Bühne. Somit muss die Verkabelung nicht ständig geändert werden und wir sind flexibler. Das bietet auch neue Möglichkeiten für uns. Beispielsweise spielt im Dezember die Band "d'Hundskrippln" im Kulturhaus. Nach deren Auftritt folgt eine Tanzveranstaltung mit DJ. Solche nahtlosen Übergänge waren zuvor nicht so leicht zu meistern.

Sie meinten, dass der neue Tanzstadl für etwas ältere Besucher gedacht ist. Warum liegt der Fokus auf dieser Zielgruppe?

Viele Konzepte im Hütten-Stil, wie man sie auch von den meisten Volksfesten kennt, funktionieren wirklich gut, vor allem bei Menschen ab 35 Jahren. Ich denke, dass es für Personen in diesem Alter wenig Möglichkeiten gibt, um abends auszugehen. Vor allem Orte zum Tanzen gibt es kaum. Ziel ist es daher, eine Bar mit Tanzfläche im gemütlichen Rahmen zu schaffen. Selbstverständlich sind dort aber auch jüngere Besucher willkommen, die nur wenig mit der Musik, die in der Black Pearl oder dem Fabrique Club gespielt wird, anfangen können.

Jürgen Ondruschek, 46, war 13 Jahre lang Inhaber der Disco "Crazy Town" in Taufkirchen. Vor zwei Jahren wurden sowohl der Name als auch das Konzept grundlegend geändert. Am Konzept wird immer weiter gefeilt, sagt er im Interview

(Foto: privat)

Wäre es für Sie eine Option, ausschließlich auf Kulturevents zu setzen?

Ursprünglich wollten wir noch mehr in diese Richtung organisieren. Die Erfahrungen haben aber gezeigt, dass es schwer ist, Künstler zu finden, die einerseits interessant, aber andererseits auch für das Kulturhaus geeignet sind. Für Stars wie Monika Gruber oder Martina Schwarzmann fehlt uns mit 400 bis 500 Plätzen schlichtweg die Kapazität. Viele Künstler dieser Größenordnung treten auch erst ab einer bestimmten Besucherzahl auf. Zudem sind die Gagen oft sehr hoch. Willy Astor, der vergangenen Oktober im Kulturhaus zu Gast war, hat eine Fixgage von mehreren tausend Euro. Zusätzlich muss auch ein enormer Werbeaufwand betrieben werden, um Aufmerksamkeit für die Veranstaltungen zu generieren. Bei der geringen Kapazität im Kulturhaus rechnet sich das nicht. Auch der Umsatz mit Getränken kann die finanzielle Belastung nicht kompensieren.

Ist das vor allem bei Kabarett-Auftritten ein Problem?

Ja, das denke ich schon. Während des Programms dürfen beispielsweise weder Getränke noch Essen verkauft werden. Das hat negative Auswirkungen auf den Umsatz. Bei Livemusik ist das anders. Dort passt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis besser und gefühlt ist dort auch die Publikumsresonanz größer. Daher versuchen wir, in Zukunft verstärkt in diese Richtung zu gehen. In den kommenden Monaten werden einige Coverbands von den Beatles, ABBA und den Backstreet Boys im Kulturhaus auftreten. Auch versuchen wir regionalen Musikern eine Plattform zu bieten. Gruppen wie "Ursprung Buam", "Dreiviertelblut" und "d'Hundskrippln" werden demnächst ebenfalls bei uns auf der Bühne stehen und das zu wirklich fairen Ticketpreisen.

Gibt es noch weitere Pläne für die Zukunft?

Wir planen eine Zusammenarbeit mit dem Rockshop in Landshut. Einmal im Monat, an einem Freitag, soll ein Kabarettabend stattfinden. Der Inhaber des Rockshops würde das Programm aber gerne in Eigenregie organisieren und wir würden ihm dann lediglich die Räumlichkeiten im Kulturhaus in Taufkirchen zur Verfügung stellen.