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Therme Erding:Was die Thermengäste gewohnt sind

Ohne Duschen und ohne Umkleidekabinen kann das Bad seinen Besuchern nicht das bekannte Niveau bieten. Von der Option auf eine teilweise Öffnung wurde Betreiber Jörg Wund überrascht. Er strebt den 20. Juni an

Das ist eine Premiere: Die Geschäftsleiter der Therme Erding haben in diesem Jahr zu Pfingsten Urlaub, wenn auch nicht freiwillig. Thermen-Betreiber Jörg Wund setzt diesem Müßiggang nun ein Ende: In der kommenden Woche ruft er alle Geschäftsleiter zusammen, denn jetzt ist ein Wiederhochfahren der Therme wieder denkbar. Die Bedingungen sind allerdings noch ziemlich unklar. Es gibt zwei mögliche Szenarien, wie Wund sagt: Entweder überdenkt die Politik ihre Lockerungen noch einmal und macht einen eingeschränkten Betrieb der gesamten Therme möglich. Oder es bleibt bei dem, was am Donnerstag via Pressemitteilung des Landratsamtes in die Welt hinausgeblasen wurde: Die Therme Erding kann in Teilen eröffnen und dort eine Art Freibadbetrieb möglich machen. Das ist das bei weitem weniger wünschenswerte Szenario.

Duschen vor und nach dem Bade, das habe man den Menschen über Jahrzehnte hinweg eingetrichtert, sagte Wund am Donnerstagabend, als er erfahren hatte, dass er die Therme wie eine Art Freibad öffnen dürfe, nur eben nicht mit Duschen. Aber das ist nicht das Niveau und das Flair, das die Thermen-Gäste erwarten, denkt er. Und es würde ja auch anders gehen: Jede zweite oder dritte Umkleidekabine öffnen und jede zweite der 60 Duschen begehbar machen. So möchte Wund die Therme wieder öffnen, aber auch dafür braucht er nicht nur eine Erlaubnis der Politik, sondern auch noch ein bisschen Zeit. Schon das Herunterfahren innerhalb eines Tages sei brutal gewesen. "Die größte Therme der Welt in ein paar Tagen wieder hochzufahren, das ist aber schlicht unmöglich", sagt er. Noch laufen auch etliche Arbeiten zur Sanierung und Renovierung, sie nehmen laut Wund noch etwa eine Woche ein. Und dann muss geputzt werden. Wund sagt, er habe drei Putzfirmen, aber die seien nun alle nicht da. Er muss sie erst wieder zurückholen.

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Die Therme Erding ist noch verwaist. In der kommenden Woche wird Betreiber Jörg Wund seine Geschäftsleiter zusammenrufen, Gäste sollen bald folgen.

(Foto: Renate Schmidt)

Das Wetter lädt ohnehin nicht zum Bade ein, und das wird aller Voraussicht nach auch bis zum Ende der Pfingstferien auch so bleiben. "Das ist gut für die Landwirtschaft", sagt Jörg Wund, "aber schlecht für uns." Aber auch für eine Öffnung als Freibad braucht er zwei Wochen Vorlauf, wie er sagt. "Wir arbeiten so, dass wir um den 20. Juni öffnen könnten." Wie ein Thermengast sich dann verhalten muss und ob er nur mit einer Maske ins Wasser gehen darf, das liegt nicht in Wunds Ermessen. "Das entscheidet die Politik." Denkbar sei es für ihn aber, dass man für den Weg vom Liegeplatz zum Wasser keine Maske tragen muss. Er hofft darauf, dass sich die bayerische Staatsregierung an den Vorgaben der Nachbarn in Baden-Württemberg orientiert, dort seien auch Innenbereiche jetzt wieder zugänglich. Tatsächlich können in Baden-Württemberg schon an diesem Samstag alle Bäder öffnen, die das Hygienekonzept umsetzen können. Das beinhaltet sowohl Hallen- als auch Freibäder, Thermalbäder und Spaßbäder. Für Liegewiesen, Bäder und Duschen gelten Beschränkungen und Abstandsregeln. So sollen beispielsweise auf einer 50-Meter-Bahn maximal zehn Personen gleichzeitig schwimmen, und pro Bahn immer nur in eine Richtung. Das kann mit Bändern bewerkstelligt werden. Auch auf Liegeflächen muss jede Person mindestens zehn Quadratmeter Platz haben. Und vor dem Baden sollen maximal drei Personen pro 20 Quadratmeter gleichzeitig duschen dürfen. So steht es in einer Verordnung des Kultusministeriums und des Sozialministeriums über Sportstätten von Donnerstag, 4. Juni.

Davon ziemlich weit entfernt ist das, was laut einer Mitteilung des Landratsamtes von Donnerstagabend der Therme erlaubt sein wird: Demnach dürften von Montag an "Anlagen und Anlagenteile der Therme Erding als Außenanlage" geöffnet werden, "die unmittelbar unterhalb der geöffneten Kuppel liegen". Damit komme eine "teilweise Wiederöffnung der Therme Erding in Betracht", wofür sich Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) persönlich bei Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eingesetzt habe. Statt mit Baden-Württemberg gab es demnach eine Abstimmung mit dem Landkreis Unterallgäu, in dessen Zuständigkeit die Therme in Bad Wörishofen liege, "sodass an beiden Standorten gleich verfahren werden kann".

Therme

Es wird noch saniert und renoviert, dann muss geputzt werden. Und dann dürfen die Besucher endlich wieder in die römische Villa.

(Foto: Renate Schmidt)

Wund stellt das nicht zufrieden. Er sagt, dass auch der wirtschaftliche Druck steige. Er wisse nicht, wie lange die Staatsregierung dabei zuschauen wolle, aber: "Die ersten Gäste wandern schon nach Österreich ab." Bislang war es eigentlich eher anders herum: Die Österreicher zählen zu den treuesten Besuchern der Therme. Jetzt haben die ersten Kunden ihre Thermenkarte schon zurückgegeben.

© SZ vom 06.06.2020

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