Teil einer Liegewiese gesperrt Streit ums Freibad

Hinter der grauen Mauer, im Bild links oben, befindet sich der Streifen der Liegewiese, die nun mit Bauzäunen abgesperrt ist. Der Badebetrieb läuft zwar weiter, aber die Grundsatzdiskussion flammt wieder auf.

(Foto: Stephan Görlich)

Die Stadt Dorfen holzt Hecke zu einer Anwohner-Terrasse ab und handelt sich Ärger ein. Der Bürgermeister warnt vor Schließung - und entfacht damit wieder die Standortdebatte

Von Thomas Daller, Dorfen

Die Stadt Dorfen hat aus Lärmschutzgründen einen schmalen Streifen einer Liegewiese im Freibad abgesperrt. Sie nimmt damit Rücksicht auf eine Anwohnerin, die sich schon seit Jahren wiederholt über die Lärmemissionen des Bades beschwert hat. Eskaliert ist der Streit, weil ausgerechnet vor der Terrasse dieser Nachbarin die Hecke auf Seite des Freibades radikal zurückgeschnitten wurde. "Bodentief", wie der Zweite Bürgermeister Günther Drobilitsch (Landlisten) es beschreibt. Sie war zwar mehr ein Sicht- als ein Lärmschutz - aber der Ärger blieb nicht aus. Und nun ist in Dorfen wieder die Diskussion entbrannt, ob Anwohnerklagen dazu führen könnten, dass das Bad geschlossen werden und man einen neuen Standort in Rutzmoos vorantreiben muss.

Das Dorfener Freibad ist ein Politikum, seit im Zuge einer Bewerbung für die Landesgartenschau Pläne im Stadtrat geschmiedet wurden, die Sport-, Erholungs- und Freizeitflächen aus der Innenstadt heraus und nach Rutzmoos zu verlagern. Ein Teil der Bürgerschaft und des Stadtrats würde jedoch das Freibad gern in der Innenstadt belassen. Fachplaner Rüdiger Greiner hatte erst im Juni vergangenen Jahres im Stadtrat erklärt, dass das 1964 erbaute Bad einen Altanlagenbonus habe und die Lärmschutzverordnung erst greife, wenn man das Bad umbaue oder erweitere. Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) hat jedoch entgegen der gängigen Rechtsauffassung im Lokalblatt konstatiert, dass man das Freibad mit "meterhohen Lärmschutzmauern einhausen" oder das Bad ganz schließen müsste, "wenn das weitere Kreise zieht". Momentan sei der Streit mit der Anwohnerin beigelegt, sagte Grundner der SZ. Die Bauverwaltung habe mit der Dame gesprochen, es werde eine Ersatzpflanzung geben und zudem werde man auch die Lautsprecheranlage so regeln, dass sie leiser klinge. Grundner betonte jedoch, dauerhaft benötige man eine andere Lösung für das Bad.

Grünen-Stadträtin Ursula Frank-Mayer hält jedoch am jetzigen Standort fest, den sie als "Kleinod" bezeichnet: "Wir brauchen ein Lärmschutzkonzept. Mit einer intelligenten Lösung kann man das Schwimmbad erhalten." Das Bad genieße nach der Sportstättenverordnung Bestandsschutz. Für den Erhalt fehle lediglich "der politische Wille".

Auch der Zweite Bürgermeister Günther Drobilitsch kann sich nicht vorstellen, dass die Anwohnerin eine Handhabe gegen das Schwimmbad habe: "Der Bestand ist geschützt, außer wir machen einen größeren Umbau." Drobilitsch weist jedoch darauf hin, dass das Freibad eher aufgrund von statischen Problemen gefährdet sei: Das Becken neige sich, der gleichmäßige Abfluss des mit Partikeln verunreinigten Oberflächenwassers sei irgendwann nicht mehr gegeben. Und dann werde man Probleme mit der erforderlichen Hygiene bekommen.

In der Facebook-Gruppe Dorfen machen derzeit viele Nutzer ihrem Unmut darüber Luft, dass die Anwohnerin ihr Haus doch im vollen Bewusstsein gekauft habe, dass sich daneben das Becken des Freibades befinde. Im Netz zieht man Vergleiche mit "Querulanten", die aufs Land ziehen und dann gegen Kirchenglocken, krähende Hähne oder Stallgeruch prozessieren.

Eine andere Nutzerin meint hingegen, "solch ein Vorwand kommt der Stadt ganz recht, denn sie will ja das Schwimmbad verlegen, große Bauunternehmen würden den Platz, der dann frei wird, gerne kaufen".