Taufkirchen:"Wir müssen mit dem Virus leben lernen"

Dorothee Bär in Ebersberg

Erdings Heimatabgeordneter Andreas Lenz.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz spricht sich bei der Taufkirchener CSU gegen einen weiteren Lockdown und wieder Schulschließungen aus

Von Thomas Daller, Taufkirchen

Die CSU Taufkirchen hat sich zu ihrer ersten Jahreshauptversammlung seit Corona getroffen. Bei den Neuwahlen der Vorstandschaft wurde Christoph Puschmann mit 100 Prozent der Stimmen als Vorsitzender wiedergewählt. Auch seine drei Stellvertreter Franz Hofstetter, Anneliese Mayer und Stefan Haberl erhielten 100 Prozent Zustimmung. Hinsichtlich des anstehenden Bundestagswahlkampfes gab man sich kämpferisch: Der Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz gab als Ziel 50 Prozent für die CSU vor. Dann könnte auch Carolin Brielmaier aus Grucking über die Liste in den Bundestag einziehen.

"Corona-bedingt hat sich seit April 2019 nicht viel getan", sagte Puschmann. Von Januar bis März habe man damals noch 13 Veranstaltungen im Rahmen des Kommunalwahlkampfes abgehalten und einen "Häuserwahlkampf" absolviert, "wie wir ihn noch nie in Taufkirchen hatten". Das Ergebnis habe sich gelohnt, die Bürger hätten den CSU-Kandidaten Stefan Haberl zum Bürgermeister gewählt. Mit dem Lockdown habe man eine Pause eingelegt, man wollte es nach der "sehr intensiven Wahlkampfphase ein wenig ruhiger angehen", sagte Puschmann. Aber ohne gesellige Veranstaltungen falle sein Rückblick kürzer aus als sonst. Der Ortsverband habe auch zwei, drei Mitglieder durch Austritte verloren, die mit der Coronapolitik des Bundes und des Freistaats unzufrieden gewesen seien. Aktuell habe der Ortsverband 162 Mitglieder, der Frauenanteil liege bei 22,7 Prozent. Bedenklich sei der hohe Altersdurchschnitt von 60,6 Jahren. Daran müsse man arbeiten und versuchen, mehr jüngere Mitglieder zu gewinnen.

Andreas Lenz betonte in seiner Rede, "gewisse Normalitäten müssen wieder eintreten, wenn der Großteil der Leute geimpft ist". Dann müsse man auch Restriktionen aufheben. Während Corona sei nicht alles perfekt gelaufen, gestand er ein. Das habe man auch im Krisenmanagement angesprochen. Aber mittlerweile habe man "gewaltig aufgeholt", die Impfquote liege mit 55 Prozent der Erstimpfungen und 40 Prozent bei den Zweitimpfungen sogar höher als in den USA, wo sie sogar Drive-ins für Impfungen eingerichtet hätten. Mittlerweile werde auch ein großer Teil der Welt mit in Deutschland produziertem Impfstoff versorgt. "Wir können auf unser Gesundheitssystem insgesamt stolz sein." Auch die wirtschaftliche Entwicklung habe man durch die Einführung der Kurzarbeit vor größeren Schäden bewahren können. Für die Firmen sei das eine "Wohltat" gewesen, weil sie ihre Leute behalten konnten. Bis dato sei man ganz gut durch die Krise gekommen. Man werde auch nicht wieder die Schulen schließen und es dürfe auch kein weiterer Lockdown stattfinden: "Wir müssen mit dem Virus leben lernen", sagte der Bundestagsabgeordnete.

Im Moment sehe es bei den Umfragen ein bisschen besser aus, man liege bei 28 oder 29 Prozent. Das sei aber nicht der Anspruch der CSU. Lenz warnte vor einer Grün-Rot-Roten-Koalition: Sie stehe für ein anderes Gesellschaftsbild und eine Verbotskultur.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz würden immer wichtiger, sagte Lenz, aber das sei ja ein Kernthema der CSU, denn Nachhaltigkeit sei die Bewahrung der Schöpfung. Und diese Nachhaltigkeit funktioniere besser mit Anreizen als mit Verboten. Lenz empfahl der CSU, sich wieder stärker an ihrer "Stammkundschaft" auszurichten, dem Mittelstand und der Landwirtschaft. Vor allem die Landwirtschaft benötige Planungssicherheit.

Diesen Standpunkt vertrat auch die Listenkandidatin Carolin Brielmaier, die sich kurz vorstellte. Die gelernte Bankkauffrau und Landwirtin bewirtschaftet seit 2016 den elterlichen Familienbetrieb, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Auf die Liste sei sie über die Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaftgekommen, die sie vorgeschlagen habe. Brielmaier betonte, die Landwirtschaft benötige freiwillige Anreize, "nicht Gängelung und Verbote".

© SZ vom 10.07.2021
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