Taufkirchen:Volles Programm

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Taufkirchen: Johannes Stanggassinger aus Taufkirchen.

Johannes Stanggassinger aus Taufkirchen.

(Foto: privat)

Der 28-jährige Johannes Stanggassinger aus Taufkirchen ist Gründer von Schulmanager Online. Über 1300 Schulen nutzen die Plattform für Unterricht und Verwaltung. Sein nächstes Ziel: In absehbarer Zeit sollen auch Zeugnisse online erstellt werden

Von Irem Özkalgay

Schon mit 16 Jahren hat Johannes Stanggassinger Internetseiten erstellt und sein erstes, eigenes Nebengewerbe gegründet. Ein Jahr später dann hat er als Seminararbeit auf der FOS in Erding eine Online-Terminbuchung für Elternsprechtage entwickelt. Schließlich gründete der Taufkirchner das Unternehmen "Schulmanager Online" und stellte im Herbst 2019 seinen ersten Mitarbeiter an. Die Firma des heute 28-Jährigen hat inzwischen den Sitz in München - und eine Klientel von über 1300 Schulen in ganz Bayern.

"Ich habe schon immer gerne programmiert als Schüler", sagt Johannes Stanggassinger. Er habe sich über Youtube-Videos und das Internet alles selbstbeigebracht. Schon mit 16 hat er damals Internetseiten für Unternehmen gebaut und ein eigenes Nebengewerbe gehabt. Ein Jahr später dann stand eine neue Herausforderung an: Stanggassinger besuchte die Fachoberschule in Erding und wollte für eine Seminararbeit eine Online-Terminbuchung für Elternsprechtage entwickeln. Im Dezember 2010 lief dann der erste Testlauf an und nur kurze Zeit später wurden auch zwei weitere Schulen über das Netz auf das innovative Programm aufmerksam.

Eine neue Geschäftsidee war geboren, die das Leben des Schülers von dort an veränderte. "Parallel zum Informatikstudium habe ich das Programm dann ständig versucht weiterzuentwickeln", sagt Stanggassinger. Und mit der Zeit wurden es immer mehr Schulen, die mit dem Programm des jungen Entwicklers arbeiten wollten. "Der große Wendepunkt kam allerdings erst nach meinem Studium 2016", erklärt der 28-Jährige. Bis zu diesem Zeitpunkt haben um die 100 Schulen mit seinem Programm gearbeitet. Als er aber endlich Vollzeit an dem Programm arbeiten konnte, baute er die Terminbuchungssoftware zu einer ganzen Plattform aus, die darauf ausgelegt ist, alles anzubieten, was eine Schule so braucht. Der Taufkirchner gründete das Unternehmen "Schulmanager Online" und stellte im Herbst 2019 seinen ersten Mitarbeiter an.

Inzwischen kann der "Schulmanager Online" einiges mehr, als nur Termine für Elternsprechtage zu organisieren. Es motiviere ihn, langsame Abläufe effizienter zu gestalten. "Ich bin keiner, der die ganze Zeit rumtrödelt, aber in meinem Privatleben muss trotzdem nicht alles effizient sein. Für die schönen Dinge lasse ich mir gerne Zeit", sagt Stanggassinger. Was ihn aber störe, seien Hindernisse, die einfach aus dem Weg geschafft werden könnten. Deswegen wollte er für die Schulen ein System anbieten, dass alles organisieren kann. Darunter fällt unter anderem die Organisation von jeglichem Papierkram wie Klassenbücher, Krankmeldungen oder Notenlisten. Auch die Kommunikation mit den Eltern kann statt mit Briefen über die Plattform stattfinden. "Die Zettelwirtschaft soll einfach überflüssig werden und die Abläufe an der Schule vereinfacht." Mit über 20 Modulen, die alle auf der Website des Schulmanager Online eingesehen werden können, biete das Programm all das digital an, was früher mit viel Papierkram verbunden war.

Seit Corona ist auch der Bereich Distanzunterricht dazugekommen. Nun können auch Videokonferenzen gehalten werden und die Lehrer können Materialen und Aufgaben online von den Schülern bearbeiten lassen.

Diese Vielfalt an Möglichkeiten und die Vereinfachung von komplizierten Abläufen kommt bei den Schulen gut an: Inzwischen arbeiten über 1300 Schulen mit dem Schulmanager Online, mehr als die Hälfte davon in Bayern, wie der 28-Jährige informiert. "Im Landkreis Erding gibt es inzwischen nur noch sehr wenige Schulen, die nicht mit diesem Programm arbeiten", weiß Stanggassinger.

Einen solchen Erfolg habe er trotzdem niemals erwartet: "Ich hatte nicht eine genaue Vorstellung, in welche Richtung es gehen soll, es hat mir einfach nur Spaß gemacht." Dabei sei er immer seinem Gefühl gefolgt und das habe sich immer ganz gut entwickelt. Inzwischen sitzt seine Firma in München und hat ab Januar 2022 13 Mitarbeiter angestellt. All der Erfolg kommt nicht von irgendwo, Stanggassinger hat meistens eine 60-Stunden Woche. "Als Corona losging, waren es sogar noch deutlich mehr Überstunden." Wer daran keinen Spaß habe, könne das nicht aushalten. Als im März 2020 der erste Lockdown losging, habe es 300 Testzugangsanfragen gegeben. Die Monate davor seien es immer ungefähr 60 gewesen. "Es war ein sehr stressiger Monat, der uns vor viele Herausforderungen stellte", sagte Stanggassinger.

Er wolle sein Programm ständig verbessern, deswegen überprüfe er auch einmal die Woche mit dem Supportteam, welche Funktionen von den Schulen noch angefragt werden. "Die letzte große Verbesserung war die Umstellung der Nachrichtenfunktion", sagte er. Hier können sich Schüler mit dem Lehrer über eine Art Messenger austauschen und mehrere Unterhaltungen gleichzeitig führen. Außerdem zeigt das Programm inzwischen auch an, welche Schüler aufgrund von Corona in Quarantäne sind. "Aktuell arbeiten wir daran, dass Zeugnisse auch online erstellt werden können", sagte Stanggassinger. Das sei für ihn besonders wichtig.

Mit seinem großen Angebot wolle er auch Lehrkräften ohne große Computerkenntnisse, digitalen Unterricht greifbar machen. "Es gibt viele Lehrer, die total engagiert sind und versuchen sich weiterzubilden." Um die Digitalisierung im Bereich Schule und Bildung noch weiter auszubauen, wünscht sich der 28-Jährige für jede Schule einen sogenannten IP-Hausmeister, der sich um alles kümmert, was mit Computern zu tun hat.

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