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Taufkirchen:Taufkirchen plant Hochwasserschutz

Gemeinderat beschäftigt sich mit einem Konzept für den Stephansbrünnlbach. Kernstück soll ein Drosselbauwerk bei Atting sein, das aber keinen 100-prozentigen Schutz bietet

Von Thomas Daller, Taufkirchen

Der Taufkirchener Gemeinderat hat sich in seiner vergangenen Gemeinderatssitzung einstimmig für ein Hochwasserkonzept für den Stephansbrünnlbach entschieden. Kernstück soll ein Drosselbauwerk bei Atting sein, das auf Kosten in Höhe von 875 000 Euro veranschlagt wird. Im Bereich der Attinger Straße und des Attinger Wegs sollen zudem "Objektschutzmaßnahmen" in Form von Gartenmauern errichtet und Pflasterflächen angehoben werden.

Im Gegensatz zu Erding oder Dorfen hat es in Taufkirchen schon seit Jahrzehnten kein schweres Hochwasser mehr gegeben. Am Bahnweg ist öfter mal die Vils über die Ufer getreten und hat die Gärten der Anwohner überschwemmt und am 15. Februar 1990 staute sich das Hochwasser an den Brücken zurück und hat den Schulbusbahnhof überschwemmt. Taufkirchen ist von der Topografie her nicht gegen Hochwasser gefeit. Der Ortskern von Taufkirchen befindet sich in einem Talkessel, in den weite Flächen bis hinauf ins Holzland entwässern. Das kann verheerende Folgen haben: Am 16. Juli 1951 war das zuletzt der Fall. Konrad Karbaumer, ehemaliger Verwaltungsleiter der Gemeinde und profunder Kenner des Taufkirchener Gemeindearchivs, kennt die Details: Nach einem heftigen Wolkenbruch hat es den ganzen Ortskern überschwemmt. Es existieren Fotos, auf denen Bürger auf einem Boot auf dem Marktplatz und auf der Dorfener Straße geschippert sind. Auch in den 1920er Jahren soll es solche großen Hochwasser gegeben haben, sagte Karbaumer.

Das Thema ist jedoch erst wieder ins Bewusstsein der Taufkirchener gerückt, als man für den Neubau der Mittelschule ein hydraulisches Gutachten benötigte, weil das Gebäude nah am Stephansbrünnlbach liegt. Im Zuge dessen entschied sich die Gemeinde, gleich ein Gutachten für den ganzen Bach in Auftrag zu geben. Das Büro Behringer und Partner stellte dieses Gutachten nun in der Sitzung des Gemeinderats vor.

Die beiden Diplomingenieure Alexander Reindl und Stefan Gamperer bezifferten den Einzugsbereich des Stephansbrünnlbach auf 23 Quadratkilometer. Bei einem hundertjährigen Hochwasser müsse man mit einem Scheitelabfluss von 26,6 Kubikmeter in der Sekunde rechnen. Das ist über weite Strecken kein Problem, weil der Bach überwiegend durch land- und forstwirtschaftliche Flächen verläuft. Im Ortskern von Taufkirchen allerdings, wo der Stephansbrünnlbach in die Große Vils mündet, kann es bei einem Starkregen heikel werden, vor allem, wenn auch die Große Vils bereits einen hohen Pegelstand hat. Im Rahmen einer Animation, die auf dem Geländeprofil basiert, zeigten die beiden Ingenieure, wie sich der Scheitel des Hochwassers in Taufkirchen ausbreiten würde. Der Bürgerpark und das Gelände der Schulen würden überschwemmt werden, auch die Siedlungsbereiche in der Attinger Straße und am Attinger Weg wären betroffen. Zudem würde das Wasser auch am Mündungsbereich in die Große Vils über die Ufer treten.

Das Planungsbüro hat daraufhin untersucht, ob man genügend Wasser mit einem Flutpolder auffangen könnte, den man auf einem 6000 Quadratmeter großen Gemeindegrundstück anlegen könnte. Aber dort könnte man lediglich 8600 Kubikmeter puffern. Dadurch würde man keine signifikante Verbesserung erzielen. Variante zwei sieht vor, das Hochwasser im Oberlauf in landwirtschaftliche Flächen zu entwässern. Dafür müsste man den großen Durchlass unter der Gemeindeverbindungsstraße zum Ortsteil Atting mit einem Drosselbauwerk verkleinern. Dabei würden aber dennoch Liegenschaften am Attinger Weg und an der Attinger Straße weiterhin überschwemmt. "Diese Maßnahmen bringen Entspannung, aber keinen vollständigen HQ-100-Schutz", sagte Ingenieur Gamperer. Deshalb müsste man dort die Anwohner mit Gartenmauern und der Anhebung von Pflasterflächen zusätzlich schützen. Zudem erläuterte er, dass die landwirtschaftlichen Grundstücke vor dem Drosselbauwerk, wo das Wasser dann über die Ufer trete, nicht im Besitz der Gemeinde sein müssten. Aber man müsse Ausgleichszahlungen mit den Eigentümern vereinbaren.

Der Gemeinderat nahm die Planungen einstimmig zur Kenntnis. Nun soll die Verwaltung sich mit der Gemeinde Steinkirchen im Oberlauf des Baches abstimmen und das Planungsbüro soll überprüfen, wie das Konzept umgesetzt werden kann.

© SZ vom 05.05.2021
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