Streit um den  "Kloturm" Zehn für das Oktogon

Stadträte aus fünf Fraktionen setzen sich für erneute Befassung mit dem Abriss des Anbaus am Diözesanmuseum ein

Von Petra Schnirch/Kerstin Vogel, Freising

Der Widerstand gegen den geplanten Abriss des Oktogons am Domberg wächst. Zehn Stadträte aus fünf Fraktionen haben die umstrittene Entscheidung des Bauausschusses vom 13. September, die den Abbruch des turmartigen Anbaus ermöglichen würde, jetzt für den Stadtrat reklamiert. Ein entsprechendes Schreiben ging am vergangenen Dienstag im Rathaus ein, wie die Verwaltung bestätigt. In der nächsten Sitzung des Gremiums soll der Bauantrag der Erzdiözese zur Sanierung des Diözesanmuseums auf die Tagesordnung.

ÖDP-Stadtrat Ulrich Vogl machte den Vorstoß am Dienstagabend via Facebook publik. Er sprach von einer "grenzwertigen Entscheidung" des Bauausschusses. Wenn sich, wie in diesem Fall, ein Viertel der Stadträte - darunter Vertreter von Grünen, SPD, Freien Wählern, ÖDP und der Linken - zusammenschließt, können sie eine Debatte im Gesamtstadtrat durchsetzen. Ob dadurch tatsächlich wieder alles offen ist, wie Vogl postete, wird sich zeigen. Denn die Sache ist verzwickt.

Das Oktogon war 1876/77 als Toilettenturm aus hygienischen Gründen an das sechs Jahre zuvor errichtete Knabenseminar angebaut worden. Dass dieser 140 Jahre alte Gebäudeteil bei der Sanierung des Diözesanmuseums erhalten bleibt, dafür kämpft Stadtheimatpfleger Norbert Zanker, er hat den Petitionsausschuss des Landtags angerufen, der sich voraussichtlich Mitte Oktober mit dieser Angelegenheit befassen wird. Es könne nicht angehen, dass "unser hochkompetenter Stadtheimatpfleger" eine Petition zum Erhalt des Turms in den Landtag bringe, die Stadt ihn aber "vollends im Regen stehen lässt", kritisierte Vogl.

Doch wenn die Erzdiözese nicht einlenkt, könnte es schwierig werden, den Abriss zu verhindern. Die sieht jedoch keinen Grund, vom Abriss abzuweichen, wie Sprecher Bernhard Kellner sagte. Von einem steigenden Unmut in Stadtverwaltung oder Stadtgesellschaft sei ihm nichts bekannt. "Unser Wunsch ist: Dass wir bald anfangen können", damit die Freisinger "wieder ein Angebot am Domberg haben". Außerdem werde der Bau sonst immer teurer.

Schon im Bauausschuss hatte der Freisigner Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher betont, dass das Gremium den Bauantrag aus rechtlicher Sicht nicht ablehnen könne, da das Landesamt für Denkmalpflege den Plänen zugestimmt habe. Auch der gesamte Stadtrat habe ihn lediglich baurechtlich zu beurteilen, teilte Christl Steinhart, Pressesprecherin der Stadt, nun mit. Bei einer abweichenden Entscheidung müsste er eigentlich ein Gegengutachten zur Stellungnahme der Denkmalschützer oder zumindest eine entsprechende, inhaltlich haltbare Argumentation vorlegen. "Da allerdings das Landesamt für Denkmalpflege die anerkannte Fachstelle ist, dürfte es kaum möglich sein, hier eine rechtssichere, abweichende Begründung zu finden."

Nach dem Wettbewerb zur Sanierung des Museums hatten Erzdiözese und Landesamt in einem eineinhalb Jahre dauernden Prozess um den Erhalt historischer Bausubstanz gerungen. Zum Ergebnis dieses Dialogs gehört laut Pressesprecherin Christl Steinhart, dass die Dachkonstruktion im Lichthof bleiben werde und die Fassade sich am historischen Vorbild orientiere. Das Oktogon dagegen "verunklärt" nach Einschätzung des Landesamts den "klaren Baukörper", eine gewisse Bedeutung habe es lediglich für die Geschichte der Hygiene.

Was passiert nun, sollte der Stadtrat einen Abriss ablehnen? Dann müsste der Oberbürgermeister den Beschluss laut Steinhart beanstanden und gegebenenfalls die Rechtsaufsichtsbehörde einschalten. Sollte es dennoch bei einem dauerhaften Nein bleiben, könnte die Erzdiözese gegen den Bescheid der Stadt gerichtlich vorgehen. In diesem Fall wäre die Umsetzung der Gesamtkonzeption am Domberg bis zum Jubiläumsjahr 2024 "keinesfalls zu halten".