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Street-Art:Sichtschutz für ein Kunstwerk

Noch soll niemand sehen, wie sich die unansehnliche Betonwand im Innenhof der Freisinger Stadtbibliothek präsentiert.

(Foto: Marco Einfeld)

Die Graffiti-Arbeit der Künstler Christian Leitna und Michael Clazada soll erst beim Mitanand-Festival enthüllt werden

Das Kunstwerk war Anfang der Woche gerade fertig geworden, da wurde es von Arbeitern auch schon wieder verhüllt: Die Münchner Graffiti-Künstler Christian Leitna und Michael Clazada haben die Betonwand im Innenhof der Freisinger Stadtbibliothek neu gestaltet - zu Gesicht bekommen sollen die Bürger das Werk aber erst bei dem Zamma-Nachfolgefestival "Mitanand - inklusive Kultur in Freising", das Ende Oktober stattfindet. Der Kulturausschuss des Stadtrats hatte das Projekt Anfang Juli für gut befunden und sogar die gesamten Kosten in Höhe von 2140 Euro dafür übernommen.

Angesprochen hatte das Thema am Montag im Finanzausschuss nun FSM-Stadtrat Reinhard Fiedler. Er wundere sich, dass das Bild bereits fertig sei, sagte er. Denn er habe das eigentlich so verstanden gehabt, als sollten dem Kulturausschuss noch einmal endgültige Skizzen dazu vorgelegt werden.

Viel schlimmer als das Fehlen derselben fand Fiedler allerdings etwas anderes: Das Freisinger Jugendparlament bemühe sich seines Wissens seit etwa acht Monaten um eine Fläche, die von Jugendlichen mit Graffiti gestaltet werden könne und habe dafür die Unterführung am ehemaligen Bahnposten 15 ins Auge gefasst, kritisierte er. "Da geht aber nichts voran. Braucht man da vielleicht bessere Beziehungen?", fragte Fiedler mit Blick auf die zügige Realisierung des Kunstwerks an der Stadtbücherei provokant.

Stadtdirektor Gerhard Koch erklärte, dass das Kunstwerk an der Bibliothek so gestaltet sei, dass man es jederzeit wieder entfernen könne: "Das hat nur temporären Charakter", rechtfertigte er die schnellere Umsetzung, während Grünen-Stadträtin Rosi Eberhard auf den Zusammenhang mit dem Mitanand-Festival hinwies. Dieses findet vom 27. bis zum 30. Oktober in Freising statt und präsentiert in Fortsetzung des Zamma-Festivals von 2015 erneut einen Querschnitt der inklusiven Kulturarbeit in der Domstadt.

Das Bild an der Bücherei-Mauer musste wetterbedingt schon in den ersten beiden Augustwochen umgesetzt werden und soll bei dem Mitanand-Festival während einer kleinen Vernissage feierlich enthüllt werden, wie Eberhard im Finanzausschuss erklärte. Unterstützt wird dieses Projekt unter anderem vom örtlichen Agenda-21-Sozialbeirat, der Freisinger Stadtjugendpflege und - laut Beschlussvorlage für den Kulturausschuss im Juli - eigentlich auch vom Jugendstadtrat.

Fiedler freilich stellten diese Erklärungen nicht so recht zufrieden. Er nannte die Entscheidung "ein schlechtes Signal für das Jugendparlament", das auf der anderen Seite bislang vergeblich um Platz für Jugendkunst in der Stadt kämpfe. Den Hinweis des Sitzungsleiters, Bürgermeister Hans Hölzl, die Arbeit des Jugendstadtrats gestalte sich auch schwierig, weil dort nur wenige Jugendliche unregelmäßig mitarbeiteten, konterte Fiedler bissig: "Das ist auch kein Wunder, wenn schon die Umsetzung eines einfachen Themas so lang dauert."

Tatsächlich hatte der Jugendstadtrat bereits Anfang Februar den Antrag gestellt, die Unterführung am Bahnposten 15 neu gestalten zu dürfen - erst jetzt, in der Sitzung der Nachwuchspolitiker im Juli war man jedoch soweit, der Stadt einen "Fahrplan" für das Projekt vorlegen zu können: Mitte September soll demnach ein Wettbewerb für die Bemalung der Wände in der Unterführung angeleiert werden, von Mitte Oktober bis Ende Dezember dürfen Skizzen und Konzepte eingesendet werden. Diese werden anschließend bewertet, die eigentliche Bemalung kann dann Mitte März starten.

Christian Leitna, der jetzt die Mauer an der Stadtbibliothek verschönert hat, ist in Freising übrigens kein Unbekannter. Er ist Tassilo-Preisträger der Süddeutschen Zeitung, hat unter anderem auch schon eine triste Betonwand unter der Hochtrasse in einen farbigen Flickenteppich verwandelt - und vor einigen Jahren auch schon einmal einen Wettbewerb der Stadtbibliothek für "Kunst am Bau" gewonnen. Seine damalige Idee für die Installation eines kippenden Bücherstapels ist allerdings nie umgesetzt worden.