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Stiller Lindum bei Dorfen:Ein freundliches Zuhause für Flüchtlinge

Der Umbau der ehemaligen Ausflugsgaststätte Stiller Lindum ist abgeschlossen: In der Immobilie mit 1600 Quadratmetern Wohnfläche können mehr als 100 Bewohner untergebracht werden

Der Umbau der ehemaligen Ausflugsgaststätte Stiller Lindum zu einer Unterkunft für mehr als 100 Flüchtlinge ist nach neun Monaten nun abgeschlossen. Der Dorfener Bauträger Georg Scharl hat die Immobilie mit 1600 Quadratmetern Wohnfläche offiziell dem Landratsamt übergeben. Aufgrund ihrer Größe soll die Einrichtung von der Regierung von Oberbayern betrieben werden.

Bei einem Besichtigungstermin, an dem unter anderem Vizelandrat Jakob Schwimmer, der Dorfener Bürgermeister Heinz Grundner, Christian Blatt vom Fachbereich Asyl des Landratsamtes und Adalbert Wirtz von der Flüchtlingshilfe Dorfen teilnahmen, erläuterten Scharl und sein Projektleiter Bernhard Klemm die Umbauarbeiten. Die großen Speiseräume im Erdgeschoss, die im Ausflugslokal die Bezeichnungen "Herrgottswinkel" oder "Hochzeitsstubn" trugen, wurden in neue Wohnräume unterteilt. Türen und Mauern wurden dabei versetzt und teilweise neue Bodenbeläge eingebracht. Elemente wie Deckenverzierungen, die die Atmosphäre der Gaststätte prägten, wurden weitgehend erhalten. Die Räume erinnern mehr an eine gastliche Bauernstube als an eine große Flüchtlingsunterkunft. In diesen unteren Räumen, die jeweils für vier bis sechs Personen gedacht sind, können etwa 60 Flüchtlinge untergebracht werden. Im Obergeschoss ist Platz für weitere 40 bis 45 Menschen. Jede Wohnung hat nach Scharls Angaben eine eigene Küche und ein eigenes Bad. Darüber hinaus befinden sich im Keller weitere Duschräume, ein Raum für Waschmaschinen und Trockner, ein Verwaltungs- und Schulungsraum sowie das Hausmeisterbüro. Im Dachgeschoss sind zwei Gebetsräume eingerichtet worden.

Eine wichtige Rolle beim Umbau hat der Brandschutz gespielt. Außen wurden Fluchttreppen und Fluchttüren errichtet; jeder Raum kann somit über zwei verschiedene Wege verlassen werden. Zum Teil wurden feuerhemmende Fenster und neue Türen eingebaut. Weil an diesen Stellen der nackte Putz zu sehen ist, soll die Fassade auch noch gestrichen werden, sobald es das Wetter zulässt. Es gibt mehrsprachige Fluchtwegepläne und eine aufgeschaltete Brandmeldeanlage. Ferner wurde eine neue Feuerwehrzufahrt angelegt und eine Löschwasserentnahmestelle an der Lappach, die aufgestaut werden kann. Es gibt zwar noch einen Hydranten in Lindum, den die Feuerwehr ebenfalls nutzen könnte, aber dessen Kapazität allein war nicht für ausreichend empfunden worden.

Eine der beiden Unterkünfte ist die ehemalige Ausflugsgaststätte Stiller Lindum in Dorfen, die andere steht in Oberding.

(Foto: Renate Schmidt)

Den künftigen Bewohnern stehen in ihren Räumen Multimedia-Steckdosen zur Verfügung, auf dem Dach wurden Satellitenschüsseln angebracht. Insbesondere für Familien mit Kindern ist die Lage nahezu ideal: Das ehemalige Gasthaus befindet sich in einer parkähnlichen Lage; zudem wurde ein neuer Kinderspielplatz errichtet. Allerdings könnte die Idylle ab September 2019 vom Lärm beeinträchtigt werden: Dann soll die etwa 100 Meter weiter nördlich gelegene Autobahn A 94 für den Verkehr freigegeben werden.

Darüber hinaus ist auch die Verkehrsanbindung ins drei Kilometer entfernte Dorfen noch nicht geklärt. Es gibt zwar eine Schulbushaltestelle unter der Autobahnbrücke Lappachtal, aber der Dorfener Stadtbus fährt Lindum auf seiner Route nicht an. Bei der Besichtigung wurde auch der Bau eines Geh- und Radweges nach Dorfen angeregt. Bislang gibt es nur eine schmale, unbeleuchtete Straße ohne einen Gehsteig. Fußgänger können derzeit nur die Bankette nutzen.

Von links: Christian Brunner vom Ingenieurbüro ABB Immobilienunternehmer Georg Scharl, Flüchtlingshelfer Adalbert Wirtz und Bürgermeister Heinz Grundner.

(Foto: Renate Schmidt)

Abgesehen von dieser noch ungelösten Problematik dürfte Lindum jedoch die schönste und familienfreundlichste Unterkunft weit und breit sein. Die kleinteilige Erschließung ermöglicht auch ein gemeinsames Zusammenleben verschiedener Kulturen und insbesondere vom Krieg traumatisierte Menschen können in Lindum wieder zur Ruhe kommen.

© SZ vom 13.06.2016
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