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Stadtrat:Besser und günstiger

Tieferlegung à la Vieregg auf Höhe des Meindl-Areals: Rechts ein steiler Hang mit bewehrter Erde und Gabionen, links eine Betonbohrpfahlwand, über den Gleisen eine Brücke von der Bahnhofstraße zum neuen Stadtteil. Grafik: Vieregg+Rössler/OH

Verkehrsplaner Martin Vieregg hat seine Lösung für den Bahnausbau bei Dorfen optimiert. Die Kritikpunkte der DB-Planer scheinen abgearbeitet, eine Straßenverlegung und Hochwasserschutz gibt's inklusive

Es hat ein bisschen gedauert, doch nun hat Verkehrsplaner Martin Vieregg eine "vertiefende Planung" seiner Lösungen für einen verträglicheren Bahnausbau in Dorfen vorgelegt, die kritische Punkte seines ersten Vorschlags löst. Bald will Vieregg dem Stadtrat eine endgültige Fassung vorlegen. Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) sagte, dass man anschließend einen Termin in Berlin vereinbaren könne, um im Bundesverkehrsministerium die Vieregg-Variante als bessere Lösung des Bahnausbaus zu präsentieren.

Der zentrale Punkt der Vieregg-Lösung bleibt: Die Gleise sollen in einen breiten Graben tiefergelegt werden, wodurch man sich kilometerlange Lärmschutzwände und teure Brückenbauwerke spart. Im Gegensatz zum weitgehend ebenerdigen Ausbau, den die Deutsche Bahn plant, ließe sich so auch der künftige Stadtteil auf dem Areal der stillgelegten Dachziegelfabrik Meindl sinnvoll erschließen. Außerdem hat Vieregg Hochwasserschutz bei Starkregen und die Verlegung der Staatsstraße nach Isen eingeplant. Die Bahn hat dazu bislang nichts im Angebot. Und: Die Kosten seiner Lösung schätzt Vieregg um 20 Prozent günstiger als die der Bahn.

Die Planer der Deutschen Bahn hatten im Juli 2018 Viereggs Ideen als "bautechnisch umsetzbar", aber eher "nicht realisierbar" bewertet. Die Hauptkritikpunkte waren, dass die Abstützung der Grabenwände durch Gabionen so nicht funktioniere und dass mögliche Boden- und Grundwasserprobleme nicht geklärt seien. Der Stadtrat beauftragte Vieregg und einen Ingenieurgeologen alle angesprochenen Punkte abzuarbeiten.

Das ging nicht so schnell wie erhofft, weil die von der Stadt Dorfen beauftragten Planer erst Ende 2018 Einsicht in die Bodengutachten erhielten, die die Deutsche Bahn entlang der Strecke gemacht hat. Zwischenzeitlich hat sich jedoch der vermeintliche Zeitdruck entschärft. Da der Bahnausbau nunmehr für 200 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit geplant werden soll, muss auch die Bahn umplanen.

Vieregg ist hingegen mit seinen Nacharbeiten schon so gut wie fertig und freute sich: "Jetzt haben wir einen satten Zeitvorsprung." Auch das Gutachten zur eventuellen Bodenproblematik werde im Mai vorliegen. Er könne schon jetzt sagen, dass die Situation in Dorfen und am südlichen Isentalhang "relativ harmlos, relativ unkritisch" sei. Die Grundwasserproblematik sei ebenfalls gelöst. Vor zwei Wochen gab es dazu einen Termin beim Wasserwirtschaftsamt.

Die von den Planern der Bahn kritisierten Gabionenwände gibt es zwar noch in Viereggs Plänen, jedoch in ganz anderer Form und Funktion als zuvor. "Die Gabionen dienen nicht mehr der Statik, sondern nur noch dem Schallschutz", erklärte Vieregg. Die steilen Wände des Gleisgrabens sollen nun in der Technik der "bewehrten Erde" ausgeführt werden. Dabei werden in den Steilhang Matten aus Kunststoff eingearbeitet. Die Bahn habe schon an vielen Stellen in gleicher Weise Hänge befestigt. Am Meindl-Gelände soll die eine Seite des Grabens jedoch als Bohrpfahlwand aus Beton gebaut werden, um so wenig Baugrund wie möglich zu verbrauchen.

Die seit Jahren diskutierte Verlegung der Staatsstraße 2086 vom derzeitigen Bahnübergang bei Rutzmoos - der dann aufgelöst werden kann - entlang der Gleise bis zur B 15 hat Vieregg ebenfalls geplant. Die Straße soll ganz einfach mit in den Graben. An einer günstigen Stelle ist eine Abzweigung und Überführung Richtung Isener Siedlung vorgesehen.

Die meisten Stadträte zeigten sich zufrieden mit den Verbesserungen. Nur aus der CSU-Fraktion kamen hemdsärmelige Unmutsäußerungen, dass das alles irgendwie doch nicht so toll sei. Barbara Lanzinger (CSU) und Michaela Meister (SPD) sprachen eine weiterhin bestehende Problematik an. Im Gegensatz zur Planung der Bahn müsste man für die Vieregg-Lösung viel Grund erwerben.

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