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Spendenaktion:Sichtlich in die Jahre gekommen

Der SZ-Adventskalender unterstützt die Renovierung der Wohngemeinschaftsräume der Sozialpsychiatrischen Dienste der Caritas. In ihnen lernen die Bewohner Schritt für Schritt wieder den Weg in mehr Selbständigkeit. Zum Beispiel, um mal in ein Café gehen zu können

Von Regina Bluhme, Erding

In einem unscheinbaren Reihenhaus im Stadtzentrum von Erding leben vier Menschen in einer ungewöhnlichen WG. Die zwei Männer und zwei Frauen sind psychisch krank. In der Wohngemeinschaft der Sozialpsychiatrischen Dienste der Caritas lernen sie Schritt für Schritt den Weg in die Selbständigkeit. Der SZ-Adventskalender möchte die Einrichtung mit einer Spende unterstützen, ebenso das Tageszentrum und die Wochenfreizeiten, die kranke Menschen mit Ausflügen oder einem Cafébesuch aus der Isolation holen.

Seit 1992 bietet die Caritas fünf Plätze in der Wohngemeinschaft an. Ein Bewohner ist gerade ausgezogen, die Vorstellungsrunden für den Nachrücker laufen. "Wir schauen schon, dass die Leute auch zusammenpassen", berichtet Alfons Kühnstetter, Leiter der Sozialpsychiatrischen Dienste der Caritas in Erding. Die Menschen, die in der WG im Reihenhaus wohnen, werden mehrmals in der Woche von einem Betreuer besucht, der mit ihnen dann Gespräche führt oder sie zu Ärzten und Behörden begleitet. Die WG-Bewohner leiden an unterschiedlichen psychischen Erkrankungen, das kann eine Depression sein, eine schizophrene Psychose oder eine Angststörung. "Wir sind offen für alle Erwachsenen ab 18 Jahren", sagt Alfons Kühnstetter. Keine Erkrankung werde ausgeschlossen. "Das einzige, das wir verlangen ist: kein Alkohol."

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Menschen mit psychischen Problemen benötigten viel Unterstützung, um den Alltag bewältigen zu können. Manchmal ist schon der Besuch eines Cafés eine große Herausforderung für sie.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Gerne räumt Alfons Kühnstetter mit einem Vorurteil auf: Wer meint, dass psychisch kranke Menschen sich immerzu höchst auffällig gebärdeten, liege falsch. Die WG-Bewohner seien eher sehr zurückhaltend und scheu. "Unser größter Anteil der Arbeit liegt vielmehr darin, die Menschen dazu zu bewegen, wieder einmal nach draußen zu gehen."

Jeder der Bewohner hat ein eigenes Zimmer, es gibt zwei Gemeinschaftsräume und zwei Bäder. Einmal in der Woche ist WG-Besprechung, hier wird die Organisation besprochen, der Putzplan zum Beispiel. Das Saubermachen klappe "manchmal nicht so gut". Wie in einer normalen WG eben. Ziel ist es, die WG-Bewohner so zu stabilisieren, dass sie nach einiger Zeit in eine eigene Wohnung ziehen können.

Die Männer und Frauen, meist im Alter ab 30 Jahren, haben zuvor das Leben alleine nicht mehr bewältigen können oder sie wurden von Kliniken oder von einer Übergangseinrichtung vermittelt. Alle sollen hier Selbständigkeit einüben und Selbstsicherheit erwerben.

Schon seit längerem müssten in der Wohnung die Wände gestrichen werden. Auch das Mobiliar der Gemeinschaftsräume ist sehr abgenutzt. Für die Renovierungsarbeiten ist eine Spende des SZ-Kalenders eine große Unterstützung.

So können Sie spenden

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Ein wenig Stabilität im Alltag will auch das Caritas Tageszentrum in Erding vermitteln. "Das Angebot ist offen für alle Menschen mit Problemen", sagt Alfons Kühnstetter. Hier könne jeder einfach mal vorbeischauen, eine Tasse Kaffee trinken oder einen Gesprächspartner finden. Täglich wechselt der Mittagstisch, den eine feste Kochgruppe zubereitet. Im Angebot sind auch Gymnastik-, Gesprächs-, Yoga oder Malgruppen.

Vor sechs Jahren wurden die Wände zuletzt gestrichen. "Das Haus ist immer ziemlich voll, es müsste dringend gemalert werden", betont Kühnstetter. Auch die Küche, die für maximal sieben und nicht für 17 Mittagsgäste ausgelegt ist, müsste umgebaut werden. Der SZ-Adventskalender möchte die Renovierung mit einer Spende ermöglichen.

Spenden der SZ-Leser unterstützen schon seit Jahren die Wochenfreizeiten, die die Caritas für psychisch kranke Menschen organisiert. Einmal im Jahr zum Beispiel geht es für die Besucher des Tageszentrums für eine Woche auf Reisen, in den vergangenen Jahren meist nach Italien. Für viele ist das der erste Ausflug, den sie nach langer Zeit unternehmen. "Viele trauen sich nicht wegzufahren", weiß Kühnstetter. Mit einer Begleitung wagten sie es doch. Bei der Rückkehr sei den Teilnehmern der Stolz anzumerken, dass sie es geschafft haben, "an einen fremden Ort zu reisen, unter fremden Menschen zu sein - für viele bedeutet das einen großen Schritt hin zu mehr Selbstsicherheit und einem größeren Selbstwertgefühl".

Das gleiche gilt für die Seniorenfreizeiten, die die Caritas einmal im Jahr für drei bis vier Tage organisiert. Für viele ältere Menschen bedeutet das endlich einmal einen Tapetenwechsel, erklärt der Leiter der Sozialpsychiatrischen Dienste. Ohne die Spenden der SZ-Leser könnten sich die meisten der Senioren diese Fahrt nicht leisten, "dann müssten wir das Angebot erheblich einschränken", betont Kühnstetter.

Das gilt auch für die Freizeitangebote für Menschen mit psychischen Problemen, die ambulant betreut werden. Sie leben allein oder mit Partner in den eigenen vier Wänden und werden dort begleitet. Gerade Alleinerziehende mit psychischen Problemen benötigten viel Unterstützung, um den Alltag bewältigen zu können, betont Kühnstetter. Manchmal sei schon ein Tagesausflug oder ein Cafébesuch eine Herausforderung, weiß er. Zum einen, weil die Menschen aufgrund der Krankheit Angst haben, das Haus zu verlassen, zum anderen, weil sie sich den Ausflug schlicht nicht leisten können.

© SZ vom 23.12.2017

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