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Soziale Verantwortung in Eigeninitiative:Sovies Jubiläum

Bodo Gsedl und Cordia Orlob haben sich über ihr Engagement im Verein kennen und lieben gelernt und 2006 geheiratet.

(Foto: Renate Schmidt)

Seit 25 Jahren setzt sich ein Verein in Taufkirchen für eine bessere Integration von psychisch Kranken in die Gesellschaft ein. Ein wesentliches Mittel sind Kulturveranstaltungen in inklusiver Atmosphäre

Kultur bringt Menschen zusammen, das ist die wesentliche Idee des Vereins Sovie, der sich seit 25 Jahren mit Kulturveranstaltungen und sozialen Projekten für eine bessere Integration psychisch erkrankter Menschen in die Gesellschaft einsetzt. Sovie hat auch die Sozialpädagogin Cordia Orlob und den Künstler Bodo Gsedl zusammen gebracht, die sich über ihr Engagement im Verein kennen und lieben gelernt haben, 2006 heirateten und über Sovie sagen können, "es ist schon ein bisschen unser Kind".

Der runde Geburtstag von Sovie - eine Abkürzung für Soziale Verantwortung in Eigeninitiative - wird natürlich gefeiert. Der Festakt am späten Samstagnachmittag ist nur für geladene Gäste - und nicht allzu lang. Gsedl hat das Jubiläum schlauerweise mit dem "Jazz im Schloss"-Wochenende zusammengelegt. Nach dem offiziellen Empfang geht es rüber zum Konzert, wenn Fränzi G & Hearty Oh klar machen werden "It's All About Love" und danach die Fusionband Jin Jim Latin und Jazzrock spielt. So ein Konzertabend ist die richtige Art zu feiern. Am Sonntagmorgen kann man sich dann beim Jazzfrühschoppen mit dem Chris Gall Trio erfrischen.

Als Kulturveranstalter ist Sovie ein Glücksfall für Taufkirchen und Umgebung. Bodo Gsedl organisiert sei Jahren ein ebenso niveauvolles wie breit gefächertes Konzertprogramm. Jeden Monat treten im Wasserschloss Spitzenmusiker auf. Die Vielfalt ist enorm, wie ein Blick ins Programm dieses Jahres zeigt: Es gab schon irischen Blues Rock und Gypsy Swing, Jazz und Tango, ein klassisches Klavierkonzert und eine Funkband aus Finnland. Nach "Jazz im Schloss" wird es noch einen weiteren Klassikabend geben, aber auch bayerische Volksmusik und ein festliches Weihnachtskonzert. Das alles ist so gut, dass es auch die Jury des Kulturpreises der Süddeutschen Zeitung überzeugte, die Sovie 2016 mit einem Tassilo-Preis auszeichnet.

Cordia Orlob ist seit der Gründung des Vereins vor 25 Jahren schon immer dabei und erinnert sich, "alles fing 1994 mit der Psychiatriereform an". Bis dahin war es noch völlig üblich, dass psychisch Kranke dauerhaft in der Klinik lebten, fortan sollte mehr Selbständigkeit gefördert und ermöglicht werden. Bis zu 200 Dauerpatienten lebten damals im Wasserschloss Taufkirchen, erinnerte sich Orlob. Und so war ein ganz pragmatischer Ansatz für die Vereinsgründung, "wie kriegt man das Schloss leer". Richtig los ging es dann aber erst 1999, als die Frauenforensik in Taufkirchen eingerichtet wurde. Oberärztin Ute Franz hatte vehement Arbeitsmöglichkeiten für die untergebrachten Frauen gefordert. Die Cafeteria wurde zu Sovies Welt Café, wo unter Orlobs Leitung nicht nur Patientinnen arbeiten konnten. Mit kulturellen Events an jedem Donnerstag wurde das Café schnell zu einem Treffpunkt. Es war sehr abwechslungsreich, es gab legendäre After Work Partys, Lesungen und "Jazz im Park"-Konzerte.

Im Wasserschloss, wo Bodo Gsedl sein Kunstatelier hatte, war nicht viel los. "Da haben die Mäuse gewohnt", sagt Orlob, "man konnte den Verfall richtig beobachten". Ein wichtiges Jahr war deshalb 2006, als der Unternehmer Nico Forster das Schloss kaufte. Er stellte zwei Etage im Westflügel für das Wohnprojekt Sovies Wohnen zu Verfügung. Orlob wurde Geschäftsführerin von Sovies Wohnen. In diesem Jahr hat sie alle Geschäftsanteile erworben und plant den Neubau von Wohnungen in zentraler Lage in Taufkirchen.

Bodo Gsedl, der seit sechs Jahren Vorsitzender des Vereins ist, hat ein Menge ehrenamtliche Arbeit in die Kulturveranstaltungen gesteckt. Das Ganze ist mittlerweile so gut etabliert, dass er eine große Auswahl an Bewerbern hat, die im Schloss auftreten wollen. Gsedl sucht nach zwei einfachen, aber guten Aspekten aus: "Ich will ein breites Programm machen und es muss gute Musik sein, die man nicht in normalen Radiosendern zu hören bekommt."

"Jazz im Schloss" , Samstag, 6. Juli: Fränzi G & Hearty Oh 19 Uhr, Jin Jim 20 Uhr; Sonntag, 7. Juli, 10.30 Uhr Chris Gall Trio