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S-Bahnhof Freising:Viel überlegt, nichts passiert

Seit fünf Jahren denkt man im Rathaus über ein Parkdeck nach. Das würde die massive Not von Pendlern lindern, doch es gibt Schwierigkeiten

Pendler, die täglich mit Zug oder S-Bahn fahren, können ein Lied davon singen: Von Verspätungen, überfüllten Waggons oder ausgefallenen Verbindungen. Wer aber mit dem Auto zum Freisinger Bahnhof fährt, um dort auf dem P & R-Platz zu parken, hat meist noch früher ein Problem - wenn kein freier Parkplatz mehr zu finden ist. Auf dem größten P & R-Platz im Landkreis Freising gibt es fast tausend Stellplätze, aber wer nach 8 Uhr kommt, sucht meist vergeblich. Die Situation ist seit Langem bekannt. Schon 2014 hieß es aus dem Rathaus, dass mit einem Parkhaus oder Parkdeck die Kapazität erweitert werden solle. Passiert ist bislang aber nichts.

Auch das im gleichen Jahr in Freising als Teil eines Bundespilotprojekts getestete Informationssystem per Videotechnik wurde noch nicht eingeführt. Das System erfasst die Zahl der Fahrzeuge auf dem Platz. Über das Internet, eventuell sogar per Navi, können die Fahrgäste dann abfragen, ob noch Parkplätze frei sind.

"Wir kennen das Problem, aber es ist komplex", sagt Stadtbaumeisterin Barbara Schelle. Die Flächen gehören der Bundesbahn, die Stadt habe diese nur gepachtet - und der Pachtvertrag laufe nun aus. Gespräche seien am Laufen, versichert Schelle, aber: "Das macht die Planungen für uns noch einmal schwieriger." Geplant sei einiges, um die Situation zu verbessern: Ein Strukturkonzept werde erarbeitet, auch neue Parkdecks für etwa 1000 Fahrzeuge sind darin enthalten. Wann diese entstehen, kann Schelle nicht sagen. Auch das digitale Monitoring sei nicht in der Schublade verschwunden. Der Test durch den MVV sei abgeschlossen. Die Stadt versuche nun, die Anlage zu übernehmen. Problem sei der Datenschutz. Eine Realisierung ist also ungewiss.

Was man aber bereits getan hat, war die Parkzeit auf maximal 24 Stunden zu beschränken. Es werde vermehrt kontrolliert und verwarnt. Früher hätten viele Flugreisende ihre Autos teilweise über Wochen auf dem Platz abgestellt, das gebe es nun kaum mehr. Viele - etwa 15 Prozent - der Parker kämen allerdings aus Lerchenfeld, weitere zehn Prozent nutzen den Parkplatz nicht, um mit dem MVV weiterzufahren, sondern um in die Innenstadt oder zur TU oder Hochschule zu gehen. "Da stellt sich zumindest bei den Lerchenfeldern die Frage, ob sie nicht auch das Fahrrad oder den Bus nutzen könnten", sagt Schelle. Mit einem Parkraummanagement will die Stadt nun aber regulierend eingreifen. Im Gespräch sind neben Parkausweisen auch, die Nutzung gebührenpflichtig zu gestalten.

Langfristig gesehen müsste das Busfahren attraktiver werden, sagt die Stadtbaumeisterin. Dazu müsste die Fahrtzeit von der Innenstadt nach Lerchenfeld optimiert werden, derzeit dauere es sehr lange, denn die Busse müssten die Altstadt umfahren, um danach über die Isarbrücke zum P & R-Platz zu gelangen. Mit einer Bahnunterführung, die gebaut werden müsse, könnte diese Strecke deutlich verkürzt werden, so Schelle. "Auch da sind wir am Planen." Selbst wenn man momentan noch keine Ergebnisse sehe: "Im Hintergrund wird gearbeitet." Mit dem Ziel, dass die quälende Parkplatzsuche nicht mehr notwendig ist.

Im Nahverkehrsplan des Landkreises Freising, der derzeit überarbeitet wird, sind auch die P & R-Plätze ein Thema. Bei dem in Freising sei die Nachfrage deutlich größer als das Angebot, berichtet Robert Stangl, Sprecher des Landratamts. 960 Plätze gebe es dort, durchschnittlich werden täglich 1200 Fahrzeuge abgestellt. "Ein Ausbau ist also gerechtfertigt", sagt er. Allerdings müssten dann neue Zu- und Abfahrtstraßen geschaffen werden, derzeit gebe es nur eine einzige Straße, die zu dem P & R-Platz führt.