S-Bahn-Ringschluss Ein ungelöstes Problem

Aus Altenerding kommend sollen die S-Bahnen abtauchen, bevor sie den Übergang Haager Straße erreichen. Das wünscht sich Erding.

(Foto: Renate Schmidt)

Ministerium ignoriert Erdinger Wünsche: Dass der Bahnübergang an der Haager Straße beim Bau des S-Bahn-Ringschlusses nicht untertunnelt wird, stößt auf Kritik. OB Max Gotz denkt noch weiter.

Von Antonia Steiger, Erding

Das Ringen zwischen der Stadt Erding und den Planern im bayerischen Wirtschaftsministerium geht weiter: Der Bahnübergang an der Haager Straße ist in den aktuellen Planungen für den S-Bahn-Ringschluss-Abschnitt weiterhin nicht untertunnelt - was in ganz Erding auf schärfsten Widerstand stößt. Denn Bürger und Politik rechnen damit, dass eine sehr häufig geschlossene Bahnschranke an der Haager Straße die Stadt zerteilt. Die Stadt Erding werde als Klägerin im Planfeststellungsverfahren auftreten, kündigte OB Max Gotz (CSU) am Dienstag im Stadtrat für den Fall an, dass "wir keine in Erding mehrheitsfähige Lösung bekommen". Einen detaillierten Entwurf stellen die Planer des Ministeriums und ihrer angeschlossenen Behörden den Erdingern bei einer Bürgerinformationsveranstaltung am Mittwoch, 29. April, in der Erdinger Stadthalle vor.

Mit drei Vertretern waren Innenministerium und Baubehörde auch schon am Dienstag in der Stadtratssitzung vertreten. Was sie vorzuweisen hatten, fanden die meisten Stadträte jedoch enttäuschend, wie sie sagten. Denn neu sei daran recht wenig, wie unter anderem Horst Schmidt (SPD), Burkhard Köppen (CSU) und Günther Kuhn (Grüne) bemängelten. Tatsächlich zeigte Thomas Graf von Innenministerium ein paar Folien her, auf denen die Lage der Gleise und des neuen Bahnhofs auf dem jetzigen Fliegerhorstgelände zu erkennen war. Eine weitere Folie offenbarte, dass der Bahnübergang an der Haager Straße nicht ausgebaut wird - das heißt, dass sich Gleise und Schiene kreuzen und die Autos sich vor den Schranken stauen.

Neu sei jedoch, betonte Graf, dass die Planer schon ganz weit seien mit den Unterlagen für den Start ins Planfeststellungsverfahrens. Ganz neu seien auch Pläne und Entwürfe für den Verlauf der S-Bahn auf dem Gebiet der Stadt Erding mit grundstücksgenau gezeichneten Details - nur werde sie erst am 29. April zu sehen sein. Bis zum letzten Tag werde man an den Blättern noch arbeiten, sagte Graf, deswegen könnten die Fraktionen die Pläne nicht schon vorher bekommen. Politik und Bürger werden daher an diesem Abend gleichzeitig mit den neuesten Plänen konfrontiert. Graf dämpfte des weiteren etwaige Hoffnungen, dass eine baldige Fertigstellung der Unterlagen auch einen baldigen Start ins Verfahren nach sich ziehen könnte. Denn erst müsse die Deutsche Bahn die Unterlagen als ihre eigenen anerkennen und übernehmen. Sie beantragt dann die Planfeststellung. Es wird also auch künftig noch genügend Gelegenheiten geben, darauf hinzuweisen, dass der Freistaat Bayern bei der Planung des Ringschlusses in Vorleistung geht. Denn dies sei eigentlich Aufgabe der Bahn, daran erinnerte Gotz auch am Dienstag im Stadtrat. Laut Graf dauerte die Prüfung der Unterlagen durch die Bahn möglicherweise etwas länger. "Mindestens ein halbes Jahr."

Das Ministerium schließe seine Planungen erst nach der Informationsveranstaltung am 29. April ab, versprach Graf. Um diesen Zeitpunkt herum wird dann wohl ein Auftrag an die Planungsbüros gehen - falls dies nicht schon längst passiert ist -, auch einen Entwurf mit tiefer gelegten Gleise am Bahnübergang Haager Straße zu zeichnen. Graf betonte zwar, dass nur die wirtschaftlichste Variante förderfähig sei. Man sei aber offen für anderes, wenn die Stadt Erding die Finanzierung sicherstelle. Schon im Mai 2014 war davon die Rede, dass dieser Tunnel unter der Haager Straße etwa 40 Millionen Euro kosten würde.

Tatsächlich gibt es im Erdinger Stadtrat wohl keinen, der nicht hinter dieser Forderung steht. Gotz appellierte am Dienstag nochmals an alle Stadträte, ihre Vertreter im Landtag und im Bundestag für die Interessen Erdings zu gewinnen. Gotz erinnerte bei der Gelegenheit an die Worte des Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU), dass Sonderlasten auch Sondermittel nach sich ziehen müssten. Zu diesem Zweck wies Jakob Mittermaier (CSU) nochmals darauf hin, dass der Ringschluss nicht für die Erdinger gebaut werde, sondern weil der Flughafen ihn brauche.