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S-Bahn Erding:Schranken in Bewegung

Schmidt, 17.5.2013, Erding, Bahnübergang Haagerstraße

(Foto: Renate Schmidt)

Eine neue Technik macht's möglich: Schließzeiten an der Haager Straße und in Altenerding verlängern sich beim Bau des S-Bahn-Ringschlusses nicht. Die Politik bleibt skeptisch

Von Antonia Steiger

Wenn die Stadt Erding möchte, dass die Bahnübergänge an der Haager Straße und an der Bahnhofstraße in Altenerding beim Bau des S-Bahn-Ringschlusses tiefer gelegt werden, muss sie sich dafür eigene Geldquellen suchen. Hans Peter Göttler, Leiter der Abteilung Verkehr im Wirtschaftsministerium, machte am Dienstag im Stadtrat deutlich, dass die Schranken nicht so lange geschlossen sein werden, dass eine Tieferlegung aus technischen Gründen erforderlich sei. Deswegen gilt diese Maßnahme nicht als förderfähig. Erstmals warf Göttler eine Zahl in den Raum: Man spreche von 75 Millionen Euro für einen Übergang, sagte er.

Göttler präsentierte mit Helmuth Ammerl von dem in Erding wohl gelittenen Planungsbüro Büro Obermeyer Zahlen und eine Simulation, die belegen sollten, dass die Bahnübergänge nicht länger als jetzt geschlossen sein werden - obwohl bei einem 15-Minuten-Takt künftig acht statt sechs Züge die Schranken passieren. Der 15-Minuten-Takt verbessere die Gesamtverkehrssituation, sagte Göttler. Weil mehr Menschen auf die Schiene umsteigen, sei auf den Straßen dann sogar mehr Platz für Autos. Doch die Stadträte waren skeptisch. Zwei Stunden lang suchten sie nach Fehlern in der Simulation: In Altenerding sei weder der Rückstau in den Ort richtig wiedergegeben noch sei der Park-und-Ride-Verkehr berücksichtigt. An der Haager Straße seien die Linksabbieger in die Wilhelm-Diez-Straße nicht einberechnet.

Ein Argument kam mehrmals und wurde genau so oft abgeschmettert: Die Simulation habe nichts mit der Wirklichkeit zu tun, tatsächlich stehe man bis zu fünf Minuten vor der Schranke an der Haager Straße - und nicht nur zwei Minuten. Göttler und Ammerl erwiderten zehn Mal das gleiche: dass man die Situation nicht mit heute vergleichen dürfe. Heute seien die Schließzeiten schlecht, die Technik werde digitalisiert, dann blieben die Schranken nur noch zwei Minuten geschlossen. Vollkommen überzeugt haben sie die Politiker nicht, die nun in ihren Fraktionen beraten. Einige wie UWE-Sprecher Josef Hochholzer kündigten bereits an, an einer Tieferlegung aller Bahnübergänge im Stadtgebiet festhalten zu wollen.

16,5 Minuten Warten

Die Berechnungen, bei denen das Wirtschaftsministerium die Zusammenarbeit mit dem Züricher Gutachterbüro SMA suchte, ergaben einen Wert, der darüber Aufschluss geben soll, ob die Verkehrsqualität noch ausreichend sei. Auf einer Skala von A bis F erreichte der Bahnübergang in Altenerding ein recht ordentliches C und der an der Haager Straße ein D - das bedeutet: gerade noch ausreichend. In Altenerding würden die Schranken pro Stunde 14 bis 15 Minuten geschlossen sein - aufgeteilt in acht kurze Intervalle. An der Haager Straße beträgt dieser Wert etwa 16,5 Minuten pro Stunde. Ammerl und Göttler beteuerten, Negativszenarios einberechnet zu haben, das Bevölkerungswachstum bis 2025 und städtebauliche Entwicklungen. Eine Tieferlegung des Übergangs an der Haager Straße hätte sogar negative Konsequenzen für diese Straße: Weil ein Durchfahrtshindernis verschwinde, würde sie für Autofahrer attraktiver. Ihre Anzahl würde von 8000 auf 10 000 täglich steigen.

Die Debatte über die Haager Straße bereicherte Stadtbaumeister Sebastian Henrich um ein paar Fotomontagen, die belegen sollen, wie scheußlich Lärmschutzwände aussehen würden. UWE-Stadträtin Petra Bauernfeind hatte zuvor schon gesagt, sie fürchte, die Stadtverwaltung kämpfe vor allem für eine Tieferlegung der Gleise an der Haager Straße und weniger in Altenerding. Auch in der Sitzungsvorlage steht schwarz auf weiß, dass die Stadt "alles daran setzen sollte, den Bahnübergang Haager Straße zu beseitigen". Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) wies diesen Vorwurf jedoch zurück. Über Geld wurde auch dieses Mal nicht geredet. Göttlers Hinweis, man rede über 75 Millionen Euro, wurde nicht kommentiert.

© SZ vom 06.06.2013
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