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Erding:Politiker begrüßen neue Bahnhofs-Variante

Oberbürgermeister Max Gotz und Vertreter der Stadtratsfraktionen befürworten die optimierten Planungen für den Ringschluss. Unzufrieden ist Gotz aber mit der Situation im Süden Erdings - und will weiter verhandeln.

Von Florian Tempel

S- und Regionalbahnen sollen künftig auf einem gemeinsamen unterirdischen Gleis nach Erding fahren. 

(Foto: Joergensen)

Die neue Planung für den neuen Erdinger S-Bahn- und Regionalbahnhof, die der bayerische Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) und Erdings Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) am Freitag vorgestellt haben, ist frappierend. Die Idee, S-Bahnen und die Regionalbahnen, die irgendwann einmal aus Südostbayern kommend über die Walpertskirchener Spange Richtung Flughafen fahren sollen, unterirdisch auf ein gemeinsames Gleis zu legen, erscheint so einleuchtend, dass man sich unwillkürlich fragt, wieso die Planer erst jetzt darauf gekommen sind. Vor allem, da so S-Bahnen und die Regionalzüge in einem gemeinsamen Tunnel unter der Alten Römer Straße hindurchgeführt werden können. Selbst Oberbürgermeister Gotz kann schon nicht mehr erklären, warum jahrelang ein sogenannter Kreuzungsbahnhof mit einer eigenen, oberirdisch über das Fliegerhorstgelände verlaufenden S-Bahntrasse projektiert war: "Ich weiß es wirklich nicht. Die Planer haben darin - wieso auch immer - eine attraktive Lösung gesehen." In Gesprächen mit den Sprechern der Stadtratsfraktion habe die neue Planung, sagt Gotz, einhellige Zustimmung erfahren.

Die Stärken der "optimierten Planung" sind offensichtlich: Ein oberirdischer Gleisbogen nur für die S-Bahn, der zwischen den Stadtteilen Kehr und Langengeisling verlaufen sollte, ist ersatzlos gestrichen worden. Dadurch gewinnt man nicht nur, wie Oberbürgermeister Gotz betont, mehr Grünflächen im Bereich des noch existierenden, aber in wenigen Jahren aufgelösten Fliegerhorsts. Auch die Planung des Bereiches über dem nun komplett unter die Erde gelegten neuen Bahnhof, wird so schlüssig und einfach.

Der nördliche Eingang zum unterirdischen S-Bahnhof wird an einem zentralen Busbahnhof liegen, an dem alle wichtigen Stadt- und Landkreisbuslinien zusammenkommen sollen. An dieser Stelle wird auch der Übergang vom unterirdischen Regionalbahnhalt zur S-Bahn sein. Von einem großen Parkhaus, das am südlichen Eck des neuen Bahnhofgebiets gleich neben der geplanten Nordanbindung liegt, lässt sich später die Regionalbahn durch einen südlichen Eingang bequem erreichen. Wer sein Auto im Parkhaus abstellt, kann aber auch in wenigen Schritten über einen Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Anton-Bruckner-Straße zum Südeingang des S-Bahnhofs gehen. Der südliche Zugang zu den Bahnsteigen, an denen die S-Bahnen halten werden, ist vom Stadtzentrum vor allem zu Fuß oder per Fahrrad gut erreichbar. Der Regionalbahnhalt wird aller Voraussicht nach zunächst nur als Rohbau erstellt. Denn bis die Walpertskirchener Spange tatsächlich gebaut wird, "wird es wohl noch etwas dauern", glaubt Gotz. Auch das Wirtschaftsministerium verweist darauf, dass die Walpertskirchener Spange erst die sogenannte "dritte" und damit letzte Bauphase des Erdinger Ringschluss sei.

Gotz hat bereits am vergangenen Freitag betont, dass er zwar mit der Ringschluss-Planung im nördlichen Stadtbereich nun sehr zufrieden sei. Doch weiter südlich gäbe es noch einiges zu tun: Die derzeit beschrankten Bahnübergänge an der Haager Straße und in Altenerding müssten durch Tieferlegung der S-Bahngleise verschwinden. Gotz bleibt in diesen Punkten, nach dem jüngstens Erfolg, zuversichtlich. Die "in harten Verhandlungen" gefundene Lösung für den neuen Bahnhof sei doch "sehr ermutigend". Der "Druck aus der Stadt" sei "schon gewaltig" gewesen, sagt Gotz. Der Oberbürgermeister zollt aber auch den Planern im bayerischen Verkehrsministerium Respekt: "Es zeugt schon von Courage, dass diejenigen, die zuvor anders geplant haben, ihre Planungen so geändert haben." Für die noch anstehenden Gespräche zu mehr Tunnellösungen im Stadtgebiet hofft Gotz auf "Geschlossenheit" im Stadtrat. Zudem will er den "Entwicklungshorizont" der Stadt Erding, die angesichts des Zuzugsdrucks weiter wachsen werde, "noch stärker" bei den künftigen Verhandlungen mit dem Ministerium betonen.

Dass Wirtschaftsminister Zeil zuletzt abgewiegelt habe, weil es für Gleistunnel "keine Töpfe gebe", schreckt Gotz nicht. Er fordert, im Analogieschluss zur kreativen Finanzierung des zweiten Münchner S-Bahntunnels, es müsse auch Geld für Erding geben. Wenn für den Bau der zweite Stammstrecke zig Millionen aus einem Darlehen, das die Landeshauptstadt, der Freistaat und der Bund als Gesellschafter einst dem Münchner Flughafen zur Verfügung stellten, locker gemacht würden, müsste Gleiches oder Ähnliches auch für Erding möglich sein.

© SZ vom 09.04.2013
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