Projekt "Artenvielfalt-Wiese" in Oberding:Schaut gut aus

Projekt "Artenvielfalt-Wiese" in Oberding: Lichtnelken, Margeriten, Barbarakraut und viele weitere Wildblumen wachsen auf der Wiese des Bund Naturschutz bei Notzing.

Lichtnelken, Margeriten, Barbarakraut und viele weitere Wildblumen wachsen auf der Wiese des Bund Naturschutz bei Notzing.

(Foto: Renate Schmidt)

Vor einem Jahr hat der Bund Naturschutz eine Blühwiese bei Notzing angesät und Ärger geerntet. Allen Bedenken und Unkenrufen zum Trotz gedeiht das Projekt nun prächtig

Von Regina Bluhme, Oberding

Vor einem Jahr im Mai hat der Bund Naturschutz (BN) am Ortsrand von Notzing auf einem ehemaligen Acker 30 heimische Kräuter- und Blütensamen angesät. Das Projekt "Artenvielfalt-Wiese" hatte im Gemeinderat Oberding jedoch Skepsis hervorgerufen, der Antrag des BN für einen Kostenzuschuss zum Saatgut fand keine Mehrheit. Ein aktueller Blick auf den Wiese zeigt: Gelbes Barbarakraut, rote Lichtnelken und Margeriten fühlen sich dort wohl. Insgesamt 15 Arten beobachtet der Oberdinger BN-Vorsitzende Wolfgang Fritz gerade. Er freut sich, dass sich die Wiese "genauso entwickelt, wie wir uns das vorgestellt haben - allen Unkenrufen zum Trotz".

Regelmäßig schaut Fritz mit Bestimmungsbuch und Schreibblock an der Wiese bei Notzing vorbei. 15 verschiedene Pflanzen hat er schon notiert. Darunter auch die Kuckuckslichtnelke, Kornblume, Rot- und Gelbklee, die gemeine Flockenblume, den scharfen Hahnenfuß und Esparsette. Den Zottigen Klappertopf und Wiesensalbei erwartet er bald. Hier auf dem ehemaligen Acker wächst offiziell eine "Artenvielfalt-Wiese", so heißt es auch auf dem Info-Schild, das seit kurzem auf dem Areal steht. Wer will, kann sich dort über einen QR-Code noch weitere Informationen holen.

Knapp 30 heimische Sorten von Wildkräutern und Blumen hat der Bund Naturschutz auf dem rund 6000 Quadratmeter großen Grundstück ausgebracht. Die Kosten für das autochthone Saatgut betrugen 2000 Euro. Ende Juli 2020 blühten Mohnblumen und rote und weiße Lichtnelken, später Gelbe Schafgarbe und Wilde Möhre. Im August wurde das Feld abgemäht. Sonst hätten sich die Beikräuter Gänsefuß, Hühnerhirse und Ackerkratzdistel zu breitgemacht, erklärte damals Fritz im Gemeinderat.

Nicht alle Räte waren begeistert. Der BN hätte den fachlichen Rat der Landwirte vor Ort einholen können, wurde moniert. Morgens, bei Bienenflug, sei die Mahd erfolgt - zum falschen Zeitpunkt also und auch mit der falschen Mähmethode. Es gab Stimmen, die bezweifelten, ob auf dem Areal im Folgejahr noch etwas von dem Saatgut, das einigen ohnehin viel zu teuer erschien, aufgehen werde. Mit neun zu neun Stimmen wurde im August 2020 der vom BN beantragte Zuschuss in Höhe von 1000 Euro abgelehnt. Am Morgen nach der Sitzung gingen dann zwei anonyme Spenden beim BN ein. Einmal 1000 Euro und einmal 500 Euro.

Ein Jahr danach sieht Fritz die Wiese "auf einem sehr guten Weg". Außer ein paar Disteln gebe es auch "kaum Unkrautdruck". Die eigens eingerichtete Homepage www.artenvielfalt-notzing.de informiert fortlaufend über das Projekt. Ein Spendenkonto gibt es auch. Laut der BN-Kreisvorsitzenden Gabriele Betzmeir sind neben der anonymen Spende seither nochmals insgesamt circa 1500 Euro eingegangen. Die Notzinger Artenvielfalt-Wiese wird zudem, mit geringen Mitteln zwar, vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium und einem Europäischen Landwirtschaftsfonds gefördert.

Er sei selbst gespannt, welche Blumen und Kräuter sich noch zeigen werden, sagt BN-Kreisgeschäftsführer Manfred Drobny. Er hofft, dass sich die Notzinger Blühwiese genauso entwickelt wie die ein Jahr zuvor mit dem identischen Saatgut angepflanzte Wiese in Niederding. Das Niederdinger Grundstück schaut "wirklich super aus", sagt Drobny. Und das beste: Dort brüteten drei Feldlerchen. Auch auf der Notzinger Wiese "kreucht und fleucht es", sagt Wolfgang Fritz. Und das sei ja das Entscheidende: Es gehe darum, mithilfe der Vielfalt Lebensraum für die Tierwelt zu schaffen: "Wir sind wirklich sehr zufrieden."

Am Lehrstuhl für Ökologischen Landbau an der Technischen Universität München in Weihenstephan werde das Projekt mit Interesse verfolgt, sagt Fritz. Erste Gespräche haben bereits stattgefunden, sobald es Corona zulässt, könnten Studierende die Entwicklung der Bodenqualität untersuchen. Fritz ist schon gespannt: "Da wird dann jeder Regenwurm einzeln gezählt."

© SZ vom 29.05.2021
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