Pandemie im Landkreis Erding:Impfbereitschaft nimmt ab

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Pandemie im Landkreis Erding: Drei Viertel der Impfungen waren zuletzt Booster-Impfungen, 38 Prozent der Erstimpfungen betrafen fünf bis elf Jahre alte Kinder.

Drei Viertel der Impfungen waren zuletzt Booster-Impfungen, 38 Prozent der Erstimpfungen betrafen fünf bis elf Jahre alte Kinder.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Zahl der Erwachsenen, die sich zu einer Grundimmunisierung gegen das Coronavirus entschließen, sinkt deutlich. Die Impfquote kann sich so nur noch in kleinen Schritten verbessern

Von Florian Tempel, Erding

Während im Bundestag die Beratung über eine gesetzliche Impfpflicht begonnen hat, nimmt die Bereitschaft für Corona-Impfungen im Landkreis Erding rapide ab. Ein Jahr nach Beginn der Impfkampagne entschließen sich laut den Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) nur noch wenige Erwachsenen für eine Grundimmunisierung. Das ist auf der einen Seite logisch, weil die Mehrzahl der Menschen längst geimpft ist. Auf der anderen Seite wird jedoch ebenso logisch klar, dass sich die Impfquote nur noch in sehr kleinen Schritten verbessern wird. Der Januar ist zwar noch nicht zu Ende. Doch es ist absehbar, dass er der Monat mit der geringsten Zahl an Erstimpfungen seit Beginn der Impfkampagne wird.

Das Landratsamt Erding gibt die Quote der vollständig Geimpften nach eigener Zählung mit 68,8 Prozent an. Das RKI führt ebenfalls seit Beginn der Impfkampagne Buch und hat - warum auch immer - etwas andere, geringere Zahlen, aus der sich eine Impfquote der vollständig Geimpften von 62,8 Prozent errechnet. Laut der Tagesmeldung des Landratsamts vom Mittwoch sind im Landkreis binnen 24 Stunden 414 neue Coronainfektionen registriert worden. Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Erding betrug am Mittwoch 1360,8 und ist somit im Vergleich zu Dienstag leicht gesunken. Im Klinikum Erding wurden am Mittwoch zwölf Covid-19-Patienten behandelt, nur einer von ihnen auf der Intensivstation, wobei dieser beatmet werden musste.

Geimpft wurde zuletzt viel, doch die allermeisten Impfungen waren Boosterimpfungen. Zwischendurch war die Nachfrage so groß, dass das Impfzentrum des Bayerische Roten Kreuz (BRK) nur noch Termine mit wochenlangen Wartezeiten vergeben konnte und auch viele Arztpraxen ausgebucht waren. Damit genug Impfstoff für die mobilen BRK-Impfteams, den Impfbus und allerlei Sonderimpfaktionen da war, wurden die Impfstoffzuteilung für niedergelassene Ärzte beschränkt.

Nun sieht es ganz anders aus: Bei den mobilen BRK-Impfaktionen gibt es keine Warteschlangen mehr, im Impfzentrum und auch in den Arztpraxen bekommt man wieder zeitnahe Termine. Am Dienstag war zum Beispiel ein mobiles Impfteam des BRK den ganzen Tag in der Turnhalle in Hohenpolding. Nur 16 Leute kamen. Am Freitag in Dorfen waren es in sechs Stunden nur 43 Impfwillige, und einen Tag davor nutzten gerade mal 24 Leute die Gelegenheit, als der Impfbus während des Wochenmarkts am Grünen Markt in Erding Station machte. Am besten laufen laut Auskunft von BRK-Sprecherin Danuta Pfanzelt noch besondere Impfaktionen, wie am vergangenen Donnerstag in einem größeren Unternehmen oder am Freitagabend im "Wintergarten" in Erding, wo sich 84 respektive 57 Menschen eine Spritze geben ließen. Das BRK-Impfzentrum impft täglich etwa 170 Leute.

Die niedergelassenen Mediziner erhalten, weil sonst nicht mehr so viel los ist, wieder deutlich mehr Impfstoff. Zuletzt war die "Höchstzuteilung" auf 30 Impfdosen pro Ärztin oder Arzt gedeckelt. Vergangenen Donnerstag vermeldete die Kassenärztlichen Bundesvereinigung, dass es man für die erste Februarwoche nun doppelt so viel bestellen könne. Markus Marschall, der Kreisvorsitzende der kassenärztlichen Vereinigung, nimmt es nach Wochen der Verknappung kopfschüttelnd zur Kenntnis: "Im Moment würden wir mehr bekommen, als Nachfrage da ist."

Das RKI gibt für jede Stadt und jeden Landkreis in Deutschland an jedem Werktag die neuen Zahlen für Erst-, Zweit- oder Boosterimpfung in vier Altersgruppe an: für die Gruppe der Über-60-Jährigen, für Erwachsene von 18 bis 59 Jahre, für Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren sowie seit einigen Woche auch für Kinder von fünf bis elf Jahre. Die Statistik erlaubt also einen differenzierten Blick darauf, wie sich die Impfkampagne entwickelt.

Da die Älteren im vergangenen Jahr zunächst für eine Corona-Schutzimpfung priorisiert waren, hatten 93,3 Prozent der geimpften Über-60-Jährigen im Landkreis Erding bereits bis Ende Juni ihre Grundimmunisierung erhalten. Alle, die danach kamen, waren Nachzügler. Auch die dramatische vierte Pandemie-Welle im November und Dezember gab nur noch mal einen kleinen Anschub bei den bis dahin unentschlossenen ungeimpften Älteren. Die Zahl der Ü-60-Erstimpfungen im Januar im Landkreis Erding ist mit 76 nunmehr auf eine absolut marginales Niveau gesunken.

Bei der deutlich größeren Gruppe der Erwachsenen zwischen 18 und 59 Jahren sieht es - zeitlich versetzt - ähnlich aus. Hier hatten bis Ende Oktober 92,8 Prozent der Geimpften zumindest schon mal die Erstimpfung. In der vierten Welle gab es ebenfalls nur ein winziges Zwischenhoch. In diesem Januar ist die Zahl der Erstimpfungen bei den 18- bis 59-Jährigen auf einen neuen Niedrigstand gerutscht. Bislang waren es 558, das bringt die Impfquote im Landkreis Erding um gerade mal 0,4 Prozentpunkte voran.

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