Ottenhofen:Regierung hat nichts zu beanstanden

Anwohner in der Gemeinde Ottenhofen wehren sich mit drei Petitionen gegen eine Straßenbeleuchtung, die im Zuge der Ersterschließung angebracht werden soll. Ihr Hauptargument: Die Lichtverschmutzung gefährde die Tierwelt. Das sehen nicht alle so

Von Regina Bluhme, Ottenhofen

In Ottenhofen wehren sich Anwohner aus Siggenhofen und Herdweg gegen Straßenbauprojekte. Es geht jeweils um eine Ersterschließung, und das bedeutet: 90 Prozent der Kosten verteilen sich auf die Anlieger. Der Ausbau beinhaltet erstmals eine Straßenbeleuchtung. Ein klarer Fall von Lichtverschmutzung, kritisieren Anwohner. Eine Online-Petition aus Siggenhofen hat kürzlich 255 Unterstützer gegen das aus ihrer Sicht unnötige, aber für die Tierwelt schädliche nächtliche Laternenlicht gefunden. Für zwei zuvor gestartete schriftliche Petitionen aus Siggenhofen liegt jetzt eine Stellungnahme der Regierung von Oberbayern vor. Darin heißt es, das Verhalten der Gemeinde sei "gegenwärtig im Ergebnis nicht zu beanstanden".

Aus Sicht der Anlieger würde eine einfache Verbreiterung oder Ausbesserung der Straße genügen. Dies würde unter die Strabs (Straßenausbaubeitragssatzung) fallen, und dafür dürfen seit 2018 Anlieger nicht mehr zur Kasse gebeten werden. Für eine Ersterschließung schon. Circa 90 000 Euro Kosten kämen auf die Familie von Franziska Pichlmair für die Ersterschließung der Straße Am Loh in Siggenhofen zu. Die vier geplanten Straßenleuchten an der 150 Meter langen Strecke, einer reinen Anwohnerstraße, seien unnötig, kritisiert Pichlmair. Nachts sei dort "Schicht im Schacht", dafür würde aber die Beleuchtung die Tierwelt vor Ort, Fledermäuse oder Glühwürmchen, stören und gefährden. Die von ihr gestartete Online-Petition richtet sich gegen die Lichtverschmutzung - in Ottenhofen und auch anderswo.

Von einer Lichtverschmutzung könne bei vier "Funzeln mit Kegel nach unten" keine Rede sein, sagt hingegen Ottenhofens Bürgermeisterin Nicole Schley (SPD). Sie verweist auf die Satzung der Gemeinde, die bei einer Ersterschließung eine Beleuchtung vorschreibt. Ohne Laterne wäre es also keine Ersterschließung? Ohne Laterne gehe es nun mal nicht, betont Ottenhofens Bürgermeisterin. Wenn die Straßen nicht satzungskonform erstellt würden "und es passiert was, dann werde ich als Bürgermeisterin sofort in Haft genommen", so Schley. Die Gemeinde sei verantwortlich für Ordnung und Sicherheit. Zudem seien laut Landesbund für Vogelschutz bei einem Ortstermin Siggenhofen außergewöhnliche Vögel weder zu sehen noch zu hören gewesen.

Um einen künftigen Fall von Lichtverschmutzung handelt es sich laut Christa Hock auch im Ortsteil Herdweg. Dort werden gerade die Bebauungspläne Südlich und Nördlich der Isener Straße aufgestellt. Die Straße vor Christa Hocks Haus soll ersterschlossen werden. Mit Laternen, "völlig unnötig", wie sie betont. Die Bewegungsmelder an den Häusern seien ausreichend, eine intakte Natur werde gestört.

Mit knapper Mehrheit hatte der Erdinger Kreistag 2019 entschieden, den Bereich "Herdweg südlich der Isener Straße" aus dem Landschaftsschutzgebiet Sempt- und Schwillachtal herauszunehmen. Die Pläne liegen auf Eis, so lange, bis der Europäische Gerichtshof in Luxemburg geklärt hat, ob für solche Einschnitte nicht vorab eine strategische Umweltprüfung gemacht werden muss. Strategisch bedeutet, dass nicht nur der Ist-Zustand des Schutzgebiets überprüft, sondern in die Zukunft geschaut wird. Von Luxemburg hat Ottenhofen noch nichts gehört. Die Gemeinde habe von sich aus ein Umweltverträglichkeitsgutachten in Auftrag gegeben. Bislang noch ohne Ergebnis. Nicole Schley sieht sich durch die Regierung bestätigt, auch wenn diese schreibt, dass für ein endgültiges Urteil eine Stellungnahme von Ottenhofen ausstehe. Diese ist inzwischen raus, die Straße Am Loh so gut wie fertig gebaut und für Franziska Pichlmair ist klar: Sie werde den Kostenbescheid für die Ersterschließung nicht akzeptieren.

© SZ vom 23.06.2021
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