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Obsternte:"Frisch gepresst schmeckt der Saft am besten."

Gartenbauvereine sowie die Kelterei Wolfra rechnen mit einer besseren Ernte als im vergangenen Jahr

Von Korbinian Hartmann, Erding

Obstbäumen haben die Temperaturen der vergangenen Wochen gut getan: Die Ernte wird in diesem Sommer weitaus besser ausfallen als 2017. Johannes Ober, stellvertretender Vorsitzender des Gartenbauvereins Sankt Wolfgang, rechnet mit viel Betrieb beim Obstpressen. Vor allem bei Äpfeln, Birnen und Zwetschgen sei die Ernte in diesem Jahr bedeutend größer.

Seit vergangenen Freitag ist die Presse beim Vereinsheim wieder in Betrieb. Gepresst wird freitags und samstags, "bei einer hohen Nachfrage nehmen wir aber noch den Donnerstag dazu", so Ober. Um 7.30 Uhr geht's los, dann läuft die Anlage den ganzen Tag. "Letztes Jahr haben wir bloß halbtags gepresst, aber wir brauchen sowieso immer zuvor eine halbe Stunde Vorbereitung, und danach müssen wir die Anlage reinigen", erklärt Ober. Gepresst werden Äpfel, Birnen, Quitten und Weintrauben, Steinobst wie Kirschen könne die Bandpresse nicht verarbeiten. Die neue Anlage gibt es seit dem Bau des Vereinsheims. Aufgrund der hohen Nachfrage reichte die Packpresse zuletzt nicht mehr aus. Nun werde eine Stundenleistung von 700 bis 1000 Litern erreicht. Vor dem Pressen müssen die Früchte aussortiert, gewaschen und von Fremdkörpern befreit werden. Dabei sei es wichtig, dass das Obst frisch gepflückt ist und nicht über mehrere Tage gesammelt wurde. Auch frühreife Früchte eignen sich laut Ober nicht. "Bei mehligen Äpfeln gewinnt man weniger Saft."

Sobald die Früchte gepresst sind, kommt das Erzeugnis in einen Edelstahlbehälter. Wer Most herstellen möchte, nimmt den Saft schon vor dem Erhitzen mit. Andernfalls werden in der Anlage noch Keime abgetötet. Eine schonende Vorgehensweiseverhindert dabei die Zerstörung von Vitaminen.

Eingeladen, Früchte zum Pressen zu bringen, sind laut Ober nicht nur Vereinsmitglieder, Interessenten kämen aus dem ganzen Landkreis. Pro 50 Kilogramm Äpfel werden zwischen 30 und 35 Liter Saft gewonnen. Abgefüllt werden die Säfte in Fünf- oder Zehnliterboxen. Ober gewährt, dass sie kühl gelagert mindestens ein Jahr lang bedenkenlos genießbar seien.

Obstpressen im Landkreis Erding

Johannes Ober vor der vereinseigenen Obstpresse des Gartenbauvereins Sankt Wolfgang in Gumpenstätt.

(Foto: Stephan Görlich)

Auch der Notzinger Gartenbau- und Verschönerungsverein bringt seine Obstpresse heuer schon früher in Stellung als sonst. "Wir haben deutlich mehr Anfragen als im vergangenen Jahr", sagt Anton Hartshauser, Vorstandsvorsitzender. "Am Montag, als wir mit der Terminvereinbarung begonnen haben, war bereits der erste Samstag ausgebucht." Die Packpresse des Vereins ist bis Ende Oktober jeden Samstag in Betrieb. "Bei hohem Bedarf können wir aber auch noch den Freitagnachmittag mit dazu nehmen", so Hartshauser. Er selbst freut sich schon auf das Probieren. "Am besten schmeckt der Saft, wenn er frisch aus der Presse kommt."

Wenn die ersten Ladungen an Äpfeln und Birnen verarbeitet sind, kommen im Oktober noch die Quitten dazu. Hartshauser trinkt deren Saft besonders gerne, nicht nur weil er reich an Vitaminen ist. "Er ist zum Herrichten sehr arbeitsintensiv und überzeugt durch seinen herben Geschmack." Deshalb sei der Quittensaft sehr wertvoll und man trinke ihn in der Regel, ohne mit anderen Säften zu mischen, so der Vereinsvorsitzende, der im vergangenen Jahr 150 Liter Saft aus eigenem Anbau gewonnen hat.

Die Saftaufbereitungsanlage der Natursaft Kelterei Wolfra, die seit 1987 ihren Standort in Erding hat.

(Foto: Renate Schmidt)

Mit einer guten Ernte rechnet auch die Natursaft Kelterei Wolfra in Erding, wie Einkaufsleiter Florian Hundhammer mitteilte. "Nachdem die Bäume im vergangenen Jahr kaum getragen haben, konnten sie die gespeicherte Energie heuer in die Blüten und somit Früchte investieren", sagte Hundhammer. Die lange Hitze und Trockenheit habe allerdings einigen Gegenden so zugesetzt, dass die Bäume teilweise die Früchte zu früh fallen ließen.

Nun dürfe auf der Flasche auch wieder deklariert werden, dass der Saft ausschließlich aus bayerischen Äpfeln gewonnen wird, denn die herkömmlichen Früchte hätten in der vergangenen Saison nicht gereicht. Auch über die Äpfel von Privatleuten freut sich der Saftproduzent. Ob sie lieber ausgezahlt werden oder den Saft mit nach Hause nehmen möchten, können sie selbst entscheiden. Ende August startet die Apfelkampagne, bis Anfang November werden dann laut Hundhammer etwa 2200 Tonnen Früchte verarbeitet.

© SZ vom 24.08.2018

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