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Oberding:Zottiger Klappertopf statt Mais

Bund Naturschutz legt auf einem 6000 Quadratmeter großen Grundstück in Notzing eine Blumenwiese an. Der Lehrstuhl für Ökologischen Landbau in Weihenstephan will dabei die Bodenentwicklung untersuchen

Der Bund Naturschutz (BN) hat in Notzing ein gut 6000 Quadratmeter großes Grundstück angeboten bekommen, zum symbolischen Pachtpreis und unter einer Bedingung: Aus dem ehemaligen Maisacker soll eine Blumenwiese werden. Vor kurzem hat die Aussaat einer Mischung von knapp 30 Kräuter- und Blütensamen begonnen. Wenn Wilde Möhre, Gewöhnliches Ferkelkraut, Acker-Witwenblume und Gelber Klee gut gedeihen, wird die Fläche sogar zum wissenschaftlichen Untersuchungsobjekt. Der Lehrstuhl für Ökologischen Landbau in Weihenstephan will die Bodenentwicklung unter die Lupe nehmen. Unter der eigenen Homepage www.artenvielfalt-notzing.de wird über das Projekt informiert und um Unterstützung geworben.

Auf dem Feld am Ortseingang von Notzing an der Erdingermoos Straße, Richtung Aufkirchen, ist aktuell nicht viel zu sehen. Erst vor kurzem haben sich der Oberdinger BN-Vorsitzende Wolfgang Fritz und mehrere Mitstreiter mit Landwirt Josef Gerbl am Acker getroffen. Gerbl übernahm mit seinen Gerätschaften die Ansaat. Bereits im Oktober 2019 war dem BN das 6000 Quadratmeter große Grundstück angeboten worden. Die Besitzer, die inzwischen nach Bremen weggezogen sind und auf dem Acker Mais angepflanzt hatten, stellten eine Bedingung: "Es muss eine insektenfreundliche Blumenwiese angelegt werden", so Wolfgang Fritz. Der Oberdinger Naturschützer hat dann die Aufgabe übernommen, einen Bauern zu finden, der Ansaat und auf Dauer die Pflege übernimmt. Das habe sich "ein wenig gezogen". Gleichzeitig hat sich Fritz um Fördermittel der Gemeinde Oberding und der EU im Rahmen von Leader LAG Mittlere Isar beworben. Die Zusagen stehen noch aus.

Blumenwiese Notzing

Unterstützung erhielt der BN dabei vom Oberdinger Landwirt Josef Gerbl, der mit seinem Traktor anrückte.

(Foto: Wolfgang Fritz/oh)

Knapp 2000 Euro hat das Saatgut gekostet, das BN-Kreisgeschäftsführer Manfred Drobny bei einem Betrieb bei Freising beschafft hat. "Es handelt sich um ein autochthones, also einheimisches Saatgut", betont Drobny. Fast 30 Sorten umfasst die Mischung, darunter Schafgarbe und Wiesen-Salbei, Acker-Witwenblume und Wiesen-Margerite, Gemeine Flockenblume und Kornblume, Heilziest und Esparsette, Zottiger Klappertopf und Scharfer Hahnenfuß. Blühstreifen gebe es mittlerweile viele, "aber eine dauerhafte Wiese, das ist mal was anders", sagt der Kreisgeschäftsführer. Nur so hat nach Ansicht der Erdinger BN-Kreisvorsitzenden Gabriele Betzmeir "eine vielfältige und typische Fauna einen geeigneten Lebensraum". Die künftige Notzinger Blumenwiese solle zeigen, was machbar sei, soll "exemplarisch für die Vielfalt stehen und zum Nachdenken anregen, betont Drobny.

Sascha Alexander von der BN-Ortsgruppe Erding hat einen Plan entworfen, wie das 6000 Quadratmeter Grundstück gestaltet werden kann. Am nördlichen Rand ist die Pflanzung von heimischen Gehölzen "in lockeren Inseln" vorgesehen, informiert Wolfgang Fritz. An der Westseite soll ein etwa 4,5 Meter breiter Ackerrandstreifen speziell für die Ansaat von seltenen Ackerwildkräutern geschaffen werden.

Ende März hatte der Oberdinger Landwirt Jakob Gerbl mit einem Grubber das Grundstück bearbeitet und den Boden gelockert. Dann hieß es abwarten. Der folgende April war sehr trocken und der Lehmboden zu fest. "Die Brocken waren steinhart, da hätte man einen Hammer gebraucht", erinnert sich Wolfgang Fritz. Nach dem erhofften Regen konnte es Mitte Mai losgehen mit dem Ansäen.

Blumenwiese Notzing

Es geht an die Aussaat: Knapp 30 Kräuterund Blumen sindauf dem Acker in Notzing ausgebracht worden.

(Foto: Wolfgang Fritz/oh)

Wer jetzt von Aufkirchen nach Notzing fährt, kann sich auf der rechten Seite ein Bild vom Fortschritt machen. Interessiert wird der Pflanzerfolg am Lehrstuhl für Ökologischen Landbau an der Technischen Universität in Weihenstephan verfolgt. Unter der Leitung von Professor Kurt-Jürgen Hülsbergen werden Studierende die Entwicklung der Bodenqualität untersuchen und dokumentieren.

Von Anfang an haben Bettina Müller und Pia Brunold von der BN-Ortsgruppe Eichenried das Notzinger Projekt unterstützt. Auf ihrer Homepage www.artenvielfalt-notzing.de informieren sie über den weiteren Fortgang der Saat-Aktion und haben eine Spendenaktion für das Projekt gestartet. "Wir wollten uns schon lange aktiv für den Umweltschutz einsetzen", sagt Kerstin Müller. "Jetzt können wir endlich loslegen." Inzwischen hätten sich auch schon einige Interessierte gefunden, die beim Nachpflanzen oder -schneiden mithelfen wollen. Weitere Unterstützer seien herzlich willkommen.

© SZ vom 13.05.2020

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