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Oberding:Vom Geben und Nehmen

Die Sanierungsarbeiten an der St. Martin Kirche in Niederding wurden teuerer als gedacht. Die Zuschussantrag der Kirchenstiftung kam nicht bei jedem im Gemeinderat gut an.

(Foto: Renate Schmidt)

Oberding ist wahrlich keine arme Gemeinde. Doch seit die Gewerbesteuer wegen Corona einzubrechen droht, wird bei den Ausgaben offenbar ganz genau hingeschaut. Im Gemeinderat entzündet sich wegen eines Zuschusses von 2830 Euro für St. Martin eine heftige Diskussion

Es kommt relativ selten vor, dass im Gemeinderat Oberding aus der Bibel zitiert wird. In der jüngsten Sitzung war es bei Tagesordnungspunkt 7 soweit. Es ging um einen Zuschuss von rund 2830 Euro, den die Kirchenstiftung St. Martin Niederding für Renovierungsarbeiten beantragt hatte. Der Posten löste eine längere Debatte aus, einschließlich Rückgriff aufs Neue Testament sowie heftiger Kritik am Finanzgebaren des Erzbistums München-Freising. Letztendlich wurde die Entscheidung vertagt.

Für die Teilsanierung der Gotteshausfassade und Ausbesserungsarbeiten an der Friedhofsmauer hatte die Kirchenstiftung St. Martin 2014 einen ersten Zuschussantrag gestellt. Die Gesamtkosten der Maßnahmen waren ursprünglich mit rund 59 700 Euro veranschlagt worden. Zehn Prozent, 5970 Euro, hat die Gemeinde per Grundsatzbeschluss damals zugeschossen. Doch die Sanierungskosten stiegen und im vergangenen Jahr zahlte die Gemeinde nach einem weiteren Antrag nochmals 2730 Euro dazu.

Nun lag der dritte Zuschussantrag vor. Wie sich herausgestellt hat, belaufen sich die tatsächlichen Kosten der Sanierungsarbeiten auf 115 308 Euro. 2830 Euro sollte die Gemeinde nun nochmals zuschießen, informierte Bürgermeister Bernhard Mücke (CSU) im Gemeinderat. "Da geht mir jetzt der Hut hoch", polterte daraufhin Johann Wachinger (WG Aufkirchen) los. München-Freising sei "eines der reichsten Bistümer mit einem Vermögen von sechs Milliarden Euro" und in Niederding müsse jetzt um einen Betrag von 2830 Euro "gebettelt werden". Wachinger legte noch eins drauf: "Eine Unverschämtheit" sei das von Seiten des Bistums und das passende Zitat in Richtung München hatte er auch parat: "Geben ist seliger als Nehmen".

Er gehe davon aus, dass im Bistum die Bibelworte durchaus bekannt seien, versuchte Bernhard Mücke die Wogen zu glätten. Die Arbeiten hätten sich in die Länge gezogen. Schließlich wisse man bei einem historischen Gemäuer ja nie, was sich unter dem Putz befinde. "Zu 90 Prozent der Fälle tauchen doch mehr Schäden auf zunächst sichtbar war", betonte Mücke. Aber eine Kostensteigerung um fast 100 Prozent, das sei "schon krass", erklärte Christian Kaiser (WG Oberding).

Johann Wachinger blieb dabei: Die Kirche habe genug Geld - während Oberding aufgrund der Corona-Krise dieses Jahr mit 17 Millionen Euro weniger an Gewerbesteuer rechnen müsse. (Damit verbleiben Oberding statt der anvisierten 21 Millionen noch geschätzte vier Millionen. Anmerkung Red.). "Wir müssen künftig jeden Euro umdrehen", betonte Wachinger. Er war nicht der einzige Gemeinderat, der sich unwillig zeigte, erneut Geld zu zahlen.

Es gab aber auch andere Stimmen. Dirk Lippold (WG Schwaig) zum Beispiel verwies darauf, das bei einem Nein der Gemeinde die Kosten wohl an der Kirchenverwaltung vor Ort hängen bleiben. "Ich würde dem Zuschuss zustimmen. Es hilft nichts." Andernfalls müsste die Pfarrei "sammeln gehen", war Georg Stemmer (WG Niederding) überzeugt.

Nach längerer Diskussion waren sich die Räte einig, die Entscheidung über den Antrag erst einmal zu vertagen. Mücke will nun herausfinden, wer für die 2830 Euro aufkommen muss, sollte der Gemeinderat den Zuschuss verweigern. Eine Nachfrage der SZ bei Pfarrer Philipp Kielbassa vom zuständigen Pfarrverband Erdinger Moos ergibt: "Dann müssen wir das langsam abstottern." Die Annahme, "die Kirche sitzt auf Goldbarren herum", sei nicht richtig. Hier dürfe man sich nicht "von absoluten Beträgen irre führen lassen", betont seinerseits Kielbassa. Über Stiftungen sei das Bistum an Immobilien beteiligt, dazu gehörten auch die vielen Kirchen, - aber diese seien keine frei verfügbaren Geldquellen. "Man kann ja nicht einfach den Münchner Dom vermieten, um Geld für die Niederdinger Kirche zu sammeln." Im Übrigen sei er überzeugt, dass seine Kirchenverwaltung vor Ort "sehr, sehr sorgfältig" mit den Geldern umgehe.

1758 hat der Erdinger Maurermeister Johann Baptist Lethner die heutige Kirche im typischen Erdinger Rokokostil erbaut, informiert die Homepage des Pfarrverbands. Es gibt einen mittelalterlichen Vorgängerbau der Niederdinger Kirche, doch davon sei lediglich bekannt, dass er 1690 durch den Erdinger Maurermeister Hans Kogler erweitert und eingewölbt wurde. 1758 errichtete der Erdinger Maurermeister Johann Baptist Lethner das heutige Gotteshaus. Vor fast exakt 256 Jahren, am 16. Mai 1764, erfolgte die Weihe durch den damaligen Freisinger Weihbischof Ignaz von Werdenstein. Die Niederdinger Kirche mit ihren im Erdinger Rokokostil geschaffene Langhaus, mit ihren Pfeilern und Wandbögen fällt ins Auge. Die für die kleine Ortschaft doch mächtige Kirche ist laut Georg Stemmer "immer noch Mittelpunkt der Gemeinde".

Die St. Martinkirche ist nicht das einzige alterwürdige Gotteshaus im Pfarrverband Erdinger Moos, das es zu erhalten gilt. Da wären zum Beispiel unter anderem noch die Ortskirchen St. Georg Oberding, St. Johann Baptist Aufkirchen, St. Korbinian Schwaig und St. Georg Eitting. "Wenn man so schaut, steht alle paar Kilometer eine Kirche", sagt Pfarrer Kielbassa.

© SZ vom 30.05.2020

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