Müllvermeidung:Mit gutem Willen zum Mehrwegbecher

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Umweltministerin Ulrike Scharf sagte, sie wolle bei dieser Thematik ohne Verbote auskommen.

(Foto: Stephan Görlich)

Umweltministerin Scharf appelliert an Anbieter von Mitnehm-Kaffee

Von Simon Gross, Erding

"Drei Milliarden Becher jedes Jahr in Deutschland. Das ist ein Umstand den man so nicht stehen lassen kann", sagte die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf vor Bäckerei- und Tankstellenbetreibern aus Stadt und Landkreis, die sie am Mittwochabend in das Erdinger Weißbräu eingeladen hatte. Statistisch gesehen kämen allein in Erding jährlich 1,35 Millionen Pappbecher zusammen, die durch das Geschäft mit dem Mitnehm-Kaffee im Müll landeten. Doch mit Verboten aufzuwarten sei nicht ihr Stil, betonte Scharf. Und so war an diesem Abend ein weiterer Gast geladen: Fabian Eckert, Mitgründer der Firma reCup, die im November vergangenen Jahres in Rosenheim ein Mehrweg-Pfandsystem für Kaffeebecher einführte.

Der junge Gründer stellte sein Projekt vor: Kunden können bei Anbietern, die sich an dem System beteiligen, Kaffee in einem Mehrwegbecher kaufen und zahlen zusätzlich einen Euro Pfand. Der Becher kann anschließend bei einem der teilnehmenden Anbieter zurückgegeben werden, die sich mit Hilfe einer Smartphone-App aufspüren lassen.

Für die Anbieter falle eine monatliche Grundgebühr an, die gegenüber dem Verkauf der Einwegbecher kostenneutral sei, sagte Eckert. Außerdem müssten sich die Anbieter dazu verpflichten, den Kaffee im Pfandbecher billiger anzubieten als im Pappbecher. Im Gegenzug könnten die Anbieter mit der Nachhaltigkeit ihrer Becher werben.

Umweltfreundliche Deckel gebe es bisher allerdings nur zum Verkauf, sie seien aus hygienischen Gründen noch nicht für das Pfandsystem geeignet. Einwegdeckel würden aber auch auf die Becher passen. In Rosenheim hätten sich bis jetzt 26 Anbieter an dem Projekt beteiligt, mittlerweile seien 5000 Becher im Umlauf. Das System funktioniere gut, um profitabel zu werden, müsse man allerdings wachsen.

Die Anbieter von Mitnehm-Kaffee zeigten sich zum Teil interessiert, äußerten aber Bedenken bei Kosten, Hygiene und Haltbarkeit. Eckert verwies auf die wegfallenden Kosten für Einwegbecher und argumentierte, dass der Kunde "potenziell doppelt so oft in den Laden kommt".

Haltbar seien die Becher ohnehin, rund 500 mal könne man sie spülen. Vollends überzeugt wirkten die meisten Anbieter am Ende jedoch nicht, trotz der in Aussicht gestellten Imageverbesserung. "Vielleicht müssen wir die ganzen Informationen erst einmal sacken lassen", sagte Scharf und versprach: "Die ersten 100 Pfandbecher für Erding spendiere ich."

Offenbar geht der Trend bei größeren Unternehmen jedoch zu eigenen Insellösungen: Die Backstube Wünsche plane in 60 ihrer insgesamt 270 Filialen ein eigenes Mehrweg-Pfandsystem in Bayern einzuführen und die Bäckerei Grundner verkaufe in ihren zehn Filialen seit 2016 wiederverwendbare Metallbecher, sagten Vertreter der Unternehmen.

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