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Mobilität :Gemeindebus fährt kostenlos

27 Haltestellen fährt der Gemeindebus im 30-Minuten-Takt an. Und ab sofort kann man kostenlos mitfahren.

(Foto: Renate Schmidt)

Taufkirchen verzichtet auf die Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf. Das Angebot im 30-Minuten-Takt gibt es seit 2013, wobei Kinder und Schwerbehinderte schon bisher gratis mitfahren konnten

Die Gemeinde Taufkirchen setzt bei der Mobilität im Landkreis neue Maßstäbe: Der Gemeinderat hat am Dienstag Abend mit großer Mehrheit beschlossen, dass der Gemeindebus künftig kostenlos benutzt werden darf. Der Bus verkehrt seit 2013 im Halbstundentakt und fährt von Montag bis Freitag 27 Haltestellen an. Bislang kostete die Einzelfahrt einen Euro und die Tageskarte zwei Euro. Die Einnahmen aus dem Kartenverkauf beliefen sich auf etwa 7000 Euro im Jahr. Dieses Defizit will die Gemeinde künftig übernehmen und den Bus nun kostenlos zur Verfügung stellen.

Der Gemeindebus verkehrt von 8.30 bis 17 Uhr und fährt alle Geschäfte, Ärzte und öffentlichen Einrichtungen wie beispielsweise das Rathaus, das Waldbad und den Friedhof an. Die Bürger können bequem in den Haltestellen in den Siedlungen zusteigen und bewährt hat sich auch der Halbstundentakt, weil man sich keine wechselnden Abfahrtszeiten merken muss. Es gab bislang bereits Zielgruppen, die den Bus kostenlos nutzen konnten. Dazu zählten Kinder bis 16 Jahre, Inhaber eines Schwerbehindertenausweises, Inhaber einer Sozialcard, Senioren zur Fahrt zum Seniorentreff des Seniorenbeirats sowie Menschen über 70 Jahre, die freiwillig den Führerschein abgegeben haben.

Bürgermeister Franz Hofstetter (CSU) ging in der vergangenen Gemeinderatssitzung nun noch einen Schritt weiter: Er schlug vor, auf die Einnahmen von etwa 7000 Euro zu verzichten und den Bus den Bürgern kostenlos zur Verfügung zu stellen. "Ich bin überzeugt, dass die Nachfrage steigen wird. Wir geben soviel Geld für alles mögliche aus, da sollte es uns auch die 7000 Euro wert sein, dass mehr Leute mitfahren." Hofstetter wies in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass der beauftragte Busunternehmer demnächst einen neuen Bus anschaffen und einsetzen werde, der mit Einstiegshilfen für Kinderwägen und Rollstühle ausgestattet sei. Außerdem sei ohnehin ein Mobilitätskonzept für Taufkirchen in Planung, bei dem man auch überlege, den nach Taufkirchen größten Ortsteil Moosen mit anzubinden. Dabei soll aber der 30-Minuten-Takt in Taufkirchen erhalten bleiben. "Der ÖPNV wird sich erheblich verändern. Wir werden auf dem Land bessere Anbindungen bekommen."

Gemeinderat Martin Huber (AfD) plädierte dafür, den Antrag zurückzustellen. Er schlug stattdessen vor, abzuwarten, bis das Mobilitätskonzept auf dem Tisch liege. Dann sollte man auch alle Außenbereiche der Gemeinde mit anbinden und das sollte eine Aufgabe des neuen Gemeinderats nach den Kommunalwahlen sein.

Der stellvertretende Bürgermeister Christoph Puschmann (CSU) entgegnete, das eine schließe das andere nicht aus: "Wir können heute den kostenlosen Gemeindebus befürworten und das als Testphase sehen für eine eventuelle Ausweitung auf den gesamten Gemeindebereich." Puschmann wies zudem auf die hohe Verkehrsbelastung in Taufkirchen durch die beiden Bundesstraßen B 15 und B 388 hin: Jedes Auto, das wegen des Busses nicht die Straßen benutze, sei ein Fortschritt.

Auch Anneliese Mayer (CSU) betonte, der kostenlose Gemeindebus stünde nicht im Widerspruch zu einer Ausweitung auf das gesamte Gemeindegebiet im Rahmen des Mobilitätskonzeptes. Peter Attenhauser (AfD) widersprach: Es wäre ja möglich, dass die Kosten durch eine Ausweitung auf das gesamte Gemeindegebiet so teuer werden könnten, dass man das kostenlose Angebot wieder zurücknehmen müsste. Und das würde keinen guten Eindruck machen. Dieser Einwand war jedoch nicht mehrheitsfähig: Mit 14 zu vier Stimmen beschloss der Gemeinderat die Einführung der kostenlosen Nutzung. Dieses Angebot tritt sofort in Kraft.

Das Projekt könnte zum Vorbild werden: So hat Dorfen den Gemeindebus zwei Jahre nach dessen Einführung kopiert. Auch in Dorfen soll demnächst ein Niederflurbus eingesetzt werden. Und auch dort wird der Bus von einem Sockelbetrag finanziert, die Einnahmen aus dem Ticketverkauf spielen nur eine untergeordnete Rolle.

© SZ vom 23.01.2020
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