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Mitten in Wartenberg:Gelbe Karten für ein grobes Foul

Teamgeist im Gemeinderat - man kann es ja mal probieren, darf sich aber nicht allzu viel erhoffen

Glosse von Gerhard Wilhelm

Mittwochabend, Champions League, Bayern spielt gegen Atletico Madrid. Im Vorfeld das Match der Grünen- und SPD-Gemeinderäte gegen die CSU-Fraktion im Wartenberger Gemeinderat. Auslöser: der CSU-Antrag "Start Initiative zum weiteren Ausbau von PV-Anlagen im Gemeindegebiet". Und schnell wurde klar, dass der viel gelobte "Teamgeist", der sich durch die Amtsperiode ziehen sollte, bei Tagesordnungspunkt neun eine Pause einlegte und verbal munter gegrätscht wurde.

"Wir sind uns sehr sicher, dass es sinnvoll ist, wenn die gemeindlichen Dächer, mit Photovoltaikmodulen ausgestattet werden", sagte CSU-Fraktionssprecher und Umweltreferent Markus Straßberger zum Antrag seiner Partei. "Da muss Schwung rein kommen." Der kam dann auch, denn es gibt noch zwei weitere Umweltreferenten im Gemeinderat: Dominik Rutz (Grüne) und Michael Paulini (SPD). Und denen "stank" der CSU-Antrag. In der Sache stimme man ja zu, denn man habe zusammen im Vorfeld darüber geredet, aber die CSU habe "ein richtig grobes Foul" gemacht, indem sie jetzt alles als ihr Idee vorstelle. Den Ball nahm Michael Paulini gerne auf. "Vertrauensvolle Zusammenarbeit schaut für mich anders aus", sagt er. Und für die Missachtung der vereinbarten Zusammenarbeit zeigte Paulini zwei gelbe Karten: CSU-Bürgermeister Christian Pröbst und Markus Straßberger. "Ich bin stinksauer."

"Diese gelbe Karte gebe ich gerne zurück, denn im Fußball gibt es auch eine gelbe Karte für Meckern", entgegnete Pröbst und zeigte sich erstaunt, dass beide Umweltreferenten sich jetzt meldeten, "wenn die Presse da ist", und nicht vorher.

Sozusagen von der Bank grätschte dann Josef Sedlmaier (CSU) dazwischen, getreu dem Werbespruch: "Wer hat's erfunden?" Eigentlich sei Eduard Ertl (ÜWG) alles zu verdanken (und ihm), da dieser seit Jahren anmahne, die Dächer mit PV-Anlagen zu versehen. Und da nichts passiert sei, habe er, "das muss ich ganz ehrlich sagen", seinem CSU-Fraktionsvorsitzenden geschrieben.

Martina Scheyhing (Grüne) verließ dann das Fußballspiel und sprach direkt an, was SPD und Grüne ärgert: "Es schleicht sich das Gefühl ein, dass die CSU das macht, was sie gerne in den letzten Jahren betreibt, das nennt sich Greenwashing." Kurze Zeit später pfiff Pröbst die Debatte ab. Gegen den Antrag stimmte Scheyhing und wohl Rutz, aber "Kollege Rutz war zufällig nicht da", bemerkte Pröbst nach der Abstimmung.

© SZ vom 24.10.2020
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