Mitten im Landkreis:Uni, Hochschule und drei Rosen

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Wenn es auf dem Ortsschild langsam eng wird.

Glosse Von Alexander Kappen

Wenn man als Stadt was hermachen will, sollte man das auch mit seinem Namen deutlich machen. Nun gut, München wird immer München heißen und Augsburg halt Augsburg. Aber wenn man als schmückendes Beiwerk ein "Landeshauptstadt" im Namen führt und das auch auf dem Ortsschild am Straßenrand zur Schau stellt, dann macht das schon Eindruck. Eine coole Note verleiht einem, wenn man von einem Radiosender zudem mit einem besonderen Prädikat geadelt wird und im Wetterbericht dann eben in der "Rock City München" die Sonne scheint oder für die "Rock City Augsburg" nasskalte drei Grad Celsius und Ostwind vorhergesagt werden. Gut, diesen Beinamen führt man dann aber eher nicht auf dem Ortsschild.

Dort stehen eher seriöse Bezeichnungen wie "Universitätsstadt". Oder "Hochschulstadt". Wobei das nicht einerlei ist, sondern - wie in Freising, wo sowohl eine Universität als auch eine Hochschule beheimatet sind - schnell auch zu einem Politikum werden kann. Soll nun am Ortseingang weiter "Universitätsstadt" stehen oder lieber "Hochschulstadt", um die dort vertretene TU München, die ja auch zum Oberbegriff Hochschulen zählt, und die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf gleichermaßen zu würdigen? Oder einfach beides aufs Ortsschild pinseln? Unter "Universitätsstadt" und "Hochschulstadt" müsste dann aber konsequenterweise auch noch ein "Staatliche Fachschulstadt für Blumenkunst" stehen - wobei es dann langsam eng wird auf dem Schild. Man müsste sich vielleicht darüber Gedanken machen, ob man am Ortseingang nicht gleich eine ganze Infowand aufstellt, wie man sie von Fußballer-Interviews am Spielfeldrand kennt. Dann hätten auch noch so hübsche Bezeichnungen wie "Domstadt" oder "Rosenstadt" Platz.

Nicht zu verwechseln mit "Dreirosenstadt", was irgendwie zwar wie ein Upgrade von "Rosenstadt" klingt, in Wahrheit aber der schmückende Beiname der Nachbarstadt Moosburg ist. Diese wiederum könnte, falls das Ortsschild groß genug ist, dort auch noch als "Solarstadt" für sich werben und - weil ein Hauch von wissenschaftlichem Anstrich ja nie schaden kann - auch als "Volkshochschulstadt". Die Auszeichnung als "Baumschulstadt" und "Hundeschulstadt" wäre dagegen eher was fürs Kleingedruckte.

In Erding übrigens hätten sie bis vor fünf Jahren auch noch ein "Hochschulstadt" auf die Ortstafel drucken können. Doch die Hochschule für angewandtes Management ist inzwischen nach Ismaning abgewandert, wodurch Erding nur noch mit dem allerdings ohnehin viel bedeutenderen Prädikat "Weißbierstadt" für sich werben kann. Und "Thermalstadt" und "Stadt der 1000 Rutschen" ist es sowieso.

Dorfen dagegen ist eine veritable Hochschulstadt. Irgendwie zumindest. Denn: Der Fachbereich Sozialverwaltung der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern ist seit Herbst 1993 zwar mit der Akademie der Sozialverwaltung im Bildungszentrum Sozialverwaltung in Wasserburg am Inn untergebracht. Aber seit September 2020 betreibt der Fachbereich der Hochschule laut Website in Dorfen eine Außenstelle mit Unterkunft und Lehrbetrieb. Und am Ortsschild steht demnächst: "Außenstelle-mit-Unterkunft-und-Lehrbetriebsstadt Dorfen".

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