Mehr Platz für Zuzügler Erding dehnt sich nach Osten aus

Pläne für Wohnbebauung und Kinderbetreuung gedeihen - B-388-Umfahrung soll in vordringlichen Bedarf kommen

Von Antonia Steiger

Die Stadt Erding wird in Richtung Osten wachsen. Dafür stellen Politik und Verwaltung jetzt die Weichen. Am Dienstag hat der Stadtrat den Weg freigemacht für ein neues Kinderhaus neben dem Ludwig-Simmet-Anger. Auch der Straßenverkehr wird verlagert, dazu treibt Erding den Bau der B-388-Südostumfahrung voran. Und es entsteht weiterer Wohnraum am östlichen Ortsrand. Wie der Verwaltungsleiter Reinhard Böhm sagte, wird demnächst für den sogenannten Poststadel ein neuer Plan präsentiert. Auch an der Haager Straße ist ein Wohngebiet geplant.

Etwa 1200 Bürger wird das Wohngebiet an der Haager Straße laut Böhm eines Tages beherbergen, gut 450 Menschen sollen an der Taufkirchener Kreuzung wohnen auf dem Gelände, auf dem früher der Poststadel stand. Der Graffiti-verzierte Poststadel ist bereits abgerissen, doch weder für dieses Gebiet noch für die Haager Straße gibt es Zeitpläne.

Mehrfach sind in den vergangenen zehn Jahren Pläne für den Poststadel diskutiert worden, nun soll ein neuer Versuch gestartet werden, wie Böhm bestätigte. In einer der nächsten Sitzungen des Planungs- und Umweltausschusses wird erneut ein Plan vorgestellt. Prinzipiell seien sich die Grundbesitzer einig. Von einem rechtskräftigen Bebauungsplan seien aber noch beide Gebiete ein gutes Stück weit entfernt. Dennoch ist klar: Hier wird Erding weiter wachsen.

Für die Kinder der Zuzügler wird dann bereits gut gesorgt sein: Am Dienstag hat sich der Stadtrat auf das weitere Verfahren für das Kinderhaus neben der Grundschule am Ludwig-Simmet-Anger verständigt, das unter der Trägerschaft des Bayerischen Roten Kreuzes stehen und drei Kindergarten- und drei Krippengruppen Unterschlupf bieten wird.

Acht Architekturbüros werden sich an einem Wettbewerb beteiligen, für den der Stadtrat das Raumprogramm vorschreiben wird. Des weiteren hat sich der Stadtrat gegen den Willen des Bürgermeisters Max Gotz (CSU) und des Stadtbaumeisters Sebastian Henrich dafür ausgesprochen, dass in den Entwürfen Passivhausstandard berücksichtigt wird. Der Abstimmung war eine Diskussion vorangegangen, in der die Grünen Günther Kuhn und Herbert Maier und der SPD-Stadtrat Markus Marschall darauf hingewiesen hatten, dass sowohl der Bund als auch das Land Bayern seinen Willen bekundet haben, neue Gebäude als Passivhäuser zu bauen.

Im Erdinger Rathaus herrscht diesbezüglich jedoch noch tiefe Skepsis vor. Gotz sagte, er sei nicht überzeugt, die Frage der Lüftung sei nicht hinreichend geklärt. Auch Henrich sagte, man wolle die energetisch beste Lösung, dies müsse nicht zwingend Passivhausstandard bedeuten. Mit 20:19 Stimmen fand der Passivhausstandard dennoch den Weg in die Vorgaben für den Wettbewerb - dank der Stimmen von SPD, UWE, Grünen, ÖDP, der CSU-Stadträtin Elke Mack-Jäger und dem "Erding jetzt"-Stadtrat Hugo Gruber. Im Oktober 2011 will der Stadtrat die Aufträge vergeben.

Noch keinen Beschluss hat der Stadtrat zur Trasse der B-388-Südostumfahrung gefasst, denn es soll noch einmal überprüft werden, ob die Trasse ein Stück verschoben werden kann. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, würde die von Stadtrat und Staatlichem Bauamt bevorzugte Variante direkt über das Grundstück des Ehepaars Bauschmid führen.

Nun ist ein weiteres Gespräch mit Stefan Otzmann vom Staatlichen Bauamt angesetzt, um die Betroffenheit der Bauschmids und weiterer Bürger in der Nähe von Ammersdorf zu lindern. Wichtig sei, dass es eine "grundsätzliche Befürwortung" gebe, sagte Gotz, um mit dem Projekt in den vordringlichen Bedarf aufgenommen zu werden. Er nehme die Sorgen jedoch ernst. Auch der Knoten am südlichen Ende der Umfahrung in Richtung Pretzen harrt noch einer genauen Überarbeitung.