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Landratsamt Erding:Der Nachbar passt auf

Bisher gingen über 400 Anzeigen wegen vermeintlich missachteter Corona-Verordnungen ein. 229 Bußgeldbescheide wurden ausgesprochen

Leere Straßen, geschlossene Läden und verwaiste Kinderspielplätze: So sah das Leben aus, als die Menschen in ihren Häusern bleiben sollten, um das Sars-CoV-2-Virus an einer zügellosen Ausbreitung zu hindern. Ob die Menschen sich an die Verordnungen auch halten, darauf achten in erster Linie - ihre Nachbarn. Bis zu siebzig Anzeigen pro Woche waren es am Anfang, die die für den Vollzug der rechtlichen Anordnungen verantwortliche Abteilung Verbraucherschutz am Landratsamt Erding erreicht hatte, das sagte ihr Leiter Michael Schöttl bei einem Pressegespräch am Landratsamt Erding. 427 Anzeigen hat es bis zum Freitag gegeben, 229 Bußgeldbescheide wurden ausgesprochen, zum großen Teil wegen des Verlassens der Wohnungen ohne triftigen Grund, wie es bis zum 6. Mai verboten war. Und diesbezüglich konnte sich Vater Staat auf die Nachbarn verlassen. "Sehr sonderbar" nannte Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) dieses Verhalten, das von einer "Blockwartmentalität" zeuge. Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt, jetzt gibt es laut Schöttl zwanzig bis dreißig Anzeigen pro Woche. Um das Haus zu verlassen, braucht es nun auch keinen "triftigen Grund" mehr.

Dafür gibt es jetzt andere Regeln, an die man sich zu halten hat, zum Beispiel das Tragen einer Maske. 13 Mal wurden Bußgeldbescheide wegen eines Verstoßes gegen die Maskenpflicht ausgesprochen, zum Beispiel im Einzelhandel. Bei einem nur geringen Verstoß gibt es laut Schöttl jedoch erst einmal ein Ermahnungsschreiben vom Amt. 115 Anfragen und Anträge auf Erteilung einer Ausnahmegenehmigung hat Schöttls Abteilung bislang bearbeitet, dazu zählen auch die Genehmigungen für die Demonstrationen jeden Samstag auf dem Schrannenplatz.

"Jeder Yogakurs muss von uns genehmigt werden", sagte Schöttl, jeder Gottesdienst und jedes organisierte Training. Derzeit gilt die Regeln, dass sich Gruppen mit bis zu fünf Personen an der freien Luft unter Beachtung der Abstandsregeln gemeinsam betätigen dürfen, die Verantwortung dafür liege bei den Vereinen. Wie es mit dem Freizeitbereich weitergeht, wann Bolzplätze und Schwimmbäder wieder geöffnet werden, dazu rechnet das Landratsamt in dieser Woche mit weiteren Instruktionen der bayerischen Staatsregierung. Am Freitag hatte Ministerpräsident eine Öffnung der Freibäder in der zweiten Woche der Pfingstferien in Aussicht gestellt. Ein verbindliches Konzept wird nun erwartet. Ob auch die Therme Erding öffnen darf, das sei noch ungewiss, sagte Bayerstorfer. Er befürworte es, aus seiner Sicht sei das Hygienekonzept schlüssig.

© SZ vom 25.05.2020 / ts

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