Landkreis:Hochwasserschutz so schnell wie möglich

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Das Wasserwirtschaftsamt und OB Max Gotz wollen beim Verfahren aufs Tempo drücken. Rund 50 Interessierte informieren sich bei einer Online-Veranstaltung über den Planungsstand.

Von Regina Bluhme, Erding

Es soll so schnell wie möglich weitergehen mit der Planung des Hochwasserschutzes in Erding - dieses Ziel haben das Wasserwirtschaftsamt München und Oberbürgermeister Max Gotz am Mittwoch bei einer Online-Infoveranstaltung vor rund 50 Teilnehmern betont. Das Projekt hinkt im Terminplan sowieso schon hinterher. Die zusätzlich untersuchten Pläne für ein Rückhaltebecken bei Pretzen und eine Uferabsenkung "In den Hacken" werden nicht realisiert, erfuhren nun die Zuhörer. Für die meisten keine echte Überraschung, für Stirnrunzeln sorgte die Information, dass das Wasserwirtschaftsamt seine Planungen komplett abgekoppelt vom parallel laufenden Erdinger-Ringschluss-Projekt der Bahn verfolgen muss.

Acht Jahre nach den heftigen Überschwemmungen müsse nun endlich etwas vorangehen, betonte OB Max Gotz (CSU) zu Beginn der Veranstaltung, zu der Constanze Hecker, die Leiterin der Planungs- und Bauabteilung am Wasserwirtschaftsamt, Projektleiter Thomas Atzenhofer und Florian Barnerßoi vom zuständigen Ingenieurbüro SKI, zugeschaltet waren. Auch beim Wasserwirtschaftsamt möchte man gerne schnell weiterkommen. Die geplanten Dämme und Mauern entlang der Sempt stoßen allerdings auf Widerstand. "Wir steigen gerade in die Entwurfs- und Genehmigungsplanung ein", so Barnerßoi. Bis es dann ins Planfeststellungsverfahren geht, kann es dauern. Thomas Atzenhofer schätzt, dass es Mitte 2022 so weit ist.

Die Bahn ist da schon weiter: Der Abschnitt für den S-Bahn-Ringschluss durchs Erdinger Stadtgebiet ist in der Planfeststellung. Nördlich des Kronthaler Weihers ist ein Damm vorgesehen, der über den Saubach Richtung Alte Römer Straße verläuft und dafür sorgen könnte, dass manche Maßnahme des Wasserwirtschaftsamts ein wenig kleiner ausfällt. Man habe bei der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Landratsamt Erding, nachgefragt und erfahren: "Wir dürfen diesen geplanten Damm nicht berücksichtigen bei unseren Planungen", so Thomas Atzenhofer. Für den Ringschluss laufe das Planfeststellungsverfahren, es könnten sich also noch Änderungen ergeben, "deshalb müssen wir so tun, als gäbe es diese Planung nicht". Stadtrat Burkhard Köppen (CSU) sprach von einem "Schildbürgerstreich", Constanze Hecker erklärte, "wir werden die Bahn im Blick behalten". Sollte sich etwas Neues ergeben, könne das noch mit einer Tektur berücksichtigt werden.

Der Vorschlag für ein Rückhaltebecken in Pretzen sei "sehr ernst genommen worden", betonte Florian Barnerßoi. Allerdings würden sich durch die Maßnahme sehr hohe Kosten ergeben, zugleich wären die Schutzmaßnahmen für Bergham in der gleichen Größenordnung weiter notwendig. "Das war der Todesstoß für diese Variante", so Barnerßoi. Zu Plänen, das linke Ufer des Saubachs bei Langengeisling abzusenken und Hochwasser damit nach Westen abzuleiten, seien in mehreren Größenordnungen untersucht worden. "Wir kommen zwar maximal zehn Zentimeter vom Wasserspiegel runter", dafür kämen riesige Flächen zum Überschwemmungsgebiet dazu, um die 800 000 Quadratmeter, haben die Berechnungen ergeben. Und dennoch wären immer noch Hochwasserschutzmaßnahmen erforderlich, fügte der Ingenieur hinzu. "Auch hier werden wir die Planung nicht weiterverfolgen."

Sorgen macht sich Bernd Grabert vom Kleingartenverein Erding. 25 Prozent der Anlage hinterm Volksfestplatz würden im Hochwasserfall überschwemmt, rechnete er vor. Constanze Hecker schlug eine Begehung mit dem Verein als Pächter der Stadt, Stadtverwaltung und Wasserwirtschaftsamt vor. OB Max Gotz stimmte sofort zu.

Einige verwiesen auf das Nadelöhr Ardeobrücke. Das Wasserwirtschaftsamt gehe davon aus, dass das Wasser durchgeführt werde, erklärte Atzenhofer. Ein Rückstau sei in der Höhe der Uferschutzmauern bereits einkalkuliert. In der rund zweistündigen Veranstaltung wurde auch auf verworfene Schutzvarianten, also das große Rückhaltebecken bei Wörth, oder auf naturnahen Hochwasserschutz gepocht. Mit der beschlossenen Variante sei man auf der rechtlich sicheren Seite, so Atzenhofer. Und anders als beim Wörther Becken hätten die meisten der Leute, die ein Bauwerk ertragen müssen einen Vorteil davon. "Wenn wir immer wieder mit den Varianten anfangen, bringt uns das im Hochwasserschutz nicht weiter."

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