Landkreis Erding Praxisnaher Unterricht in Demokratie

Vier Schulen im Landkreis geben in dieser Woche bei der Juniorwahl ihre Stimme zur Bundestagswahl ab

Von Regina Bluhme, Erding

An der Mädchenrealschule Heilig Blut haben die Klassen 10b und 10g am Donnerstag einen wichtigen Termin: Sie gehen wählen. Die Schule macht bei der bundesweiten Juniorwahlwoche mit, die Jugendliche parallel zur Bundestagswahl an die Urne schickt - wie bei der echten Wahl mit Wahlbenachrichtigung, Stimmzettel und Wahlkabine. Startschuss war am Montag. Bayernweit sind 415 Schulen mit mehr als 79 000 Schülern dabei. Im Landkreis beteiligen sich vier Schulen.

Christine Graßl ist Lehrerin für Deutsch, Geschichte und Sozialkunde an der Mädchenrealschule Heilig Blut. Zusammen mit Karin Urland, Fachleiterin Sozialkunde, bereitet sie die 15- und 16-Jährigen auf die Bundestagswahl vor. Die Schule hat dafür vom Verein Kumulus, der das Projekt mit Unterstützung von Bundes- und Staatsregierung organisiert, die Unterlagen erhalten. Neben jeder Menge Infobroschüren wurde den Erdinger Schülern fristgerecht ihre Wahlbenachrichtigung zuschickt. Sie sieht exakt so aus wie das Original. Einziger Unterschied: "Als Wahllokal haben wir ein Klassenzimmer angegeben", berichtet Graßl. Ein eigener Wahlausschuss und das Wählerverzeichnis stehen auch schon fest. Am Donnerstag wird es ernst: Es ist Wahltag. Die Schüler erhalten unter Vorlage von Personal- oder Schülerausweis die Stimmzettel, füllen sie in den Wahlkabinen aus, werfen sie dann in die Urne und lernen so das Wahlsystem in der Praxis kennen.

Das Projekt Juniorwahl komme bei den Schülern sehr gut an, sagt Graßl. Das Infomaterial sei altersgerecht, sehr informativ und verständlich gestaltet. "Wir haben im Unterricht auch schon den Wahl-O-Mat durchgeführt, das war sehr interessant und für manche das Ergebnis doch recht unerwartet." Auch die hiesigen Direktkandidaten wurden im Unterricht genau unter die Lupe genommen. In einer der nächsten Stunden sollen die Bundesparteien auf ihre Inhalte abgeklopft werden. Thema Nummer Eins: die Bildungspolitik. Hausaufgaben gibt es auch, zum Beispiel eine TV-Sendung mit Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz anschauen.

Neben der Mädchenrealschule beteiligen sich im Landkreis das Korbinian-Aigner-Gymnasium Erding und die Berufsoberschule Erding. Zum ersten Mal ist heuer das Gymnasium Dorfen mit der zehnten, elften und zwölften Klassenstufe dabei Die Dorfener wählen am Mittwoch. Das Projekt findet im Sozialkundeunterricht statt. Eine Wahlpflicht gebe es natürlich nicht, "aber so wie es aussieht, wollen alle zur Wahl gehen", berichtet Fachleiterin Michaela Feß. Die Schüler wüssten jetzt über das Wahlrecht und das System gut Bescheid. Als Wahllokal dient der Filmsaal.

Gerne hätten auch das Sonderpädagogische Zentrum Dorfen, die staatliche Berufsschule Erding, die Realschule Taufkirchen oder die Orterer-Schule Wörth mitgemacht - doch diesmal ist das Interesse bayernweit so groß gewesen, dass in kürzester Zeit alle Plätze besetzt und somit auch die finanziellen Mittel von 250 Euro pro Schule ausgeschöpft waren, berichtet Gerald Wolf, Projektleiter Juniorwahl bei Kumulus. "Gerade in Bayern war dieses Mal der Andrang extrem hoch." Für diejenigen, die leer ausgegangen waren, hätte es noch die Möglichkeit gegeben, mit sogenannter Demokratie-Aktien Sponsoren zu gewinnen. Leider sei es in vielen Fällen nicht geglückt, die 250 Euro aufzutreiben.

Bundesweit nehmen insgesamt über 3 000 Schulen mit mehr als einer Million Schülern an dem Projekt teil, schreibt das bayerische Kultusministerium. In der Juniorwahl-Woche könnten Schüler erleben, "was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und wählen zu gehen". Ziel sei "das Üben und Erleben von Demokratie". Das Projekt wird seit 1999 bundesweit zu allen Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen angeboten.

Die Ergebnisse der Juniorwahl werden am Wahlsonntag, 24. September, um 18 Uhr unter www.juniorwahl.de veröffentlicht.