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Landkreis Erding:Alte Mülldeponien werden teuer

Die akte Kreismülldeponie in Unterriesbach, Gemeinde Taufkirchen, wurde verfüllt und begrünt. Die Schächte sind noch sichtbar.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Sanierung von Anlagen in Unterriesbach und Sollacher Forst kostet Landkreis zusammen etwa 1,9 Millionen Euro Die Entsorgung von Sickerwasser und Deponiegas muss erneuert werden, um die Umwelt zu schützen

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Relikte aus der Vergangenheit kommen den Landkreis jetzt teuer zu stehen: die alten Mülldeponien in Unterriesbach und im Sollacher Forst. Bei beiden sind Sanierungsmaßnahmen notwendig. In Unterriesbach in der Gemeinde Taufkirchen, die seit 1988 stillgelegt ist, muss das Sickerwasser-Erfassungssystem erneuert werden, um die Risiken von negativen Umweltauswirkungen zu minimieren, wie es im Bescheid der Regierung von Oberbayern heißt. Die Kosten werden auf 1,59 Millionen Euro geschätzt. Bei der Deponie Baumgartner Bogen in Isen muss die alte Deponiegasverstromung für rund 574 000 Euro modernisiert werden. Dafür gibt es einen staatlichen Zuschuss von rund 291 000 Euro. Der Ausschuss für Klima, Natur, Struktur, Umwelt und Verkehr des Kreistags stimmte beiden Maßnahmen einstimmig zu.

In der Deponie Unterriesbach wurden zwischen 1981 und 1988 die Siedlungsabfälle aus dem Landkreis abgelagert. Sie erstreckt sich über einer Fläche von rund fünf Hektar. Bis 2005 war es möglich, den Müll in Deponien abzulagern, ehe die thermische Verwertung vorgeschrieben wurde. Die Deponien wurden stillgelegt, anschließend abgedichtet und mit einer Rekultivierungsschicht bedeckt. Doch im Untergrund trat kein Stillstand ein, zumal dort damals auch noch Biomüll entsorgt wurde, wie Andreas Neumaier vom Abfallwirtschaftsamt in der Sitzung sagte. Zudem sei nicht brennbarer Restmüll, Asbest und Bauschutt dort eingelagert. Heute würde Landshut den nicht brennbaren Abfall übernehmen.

Anfallendes Deponiesickerwasser werde über ein weitverzweigtes Rohrleitungsnetz gesammelt und zur Reinigung ebenfalls zu einer speziellen Industriekläranlage abgefahren werden. Auf die Frage von FW-Kreisrätin Petra Bauernfeind, wie lange wohl noch Sickerwasser anfalle, sagte Neumaier: "Wahrscheinlich noch Jahrzehnte. Früher hatte man ein großes Loch, in dem man einfach alles hineinkippte." Außerdem fällt kontinuierlich Deponiegas an, das abgesaugt und in einer Anlage verbrannt wird.

Bei den regelmäßigen Wartungen und Kontrollen der Deponieinfrastruktur zeigte sich, dass sowohl Sickerwasserleitungen als auch zwei Sickerwasserschächte saniert werden müssen. Zudem wurde die Befahrung der vierzig Jahre alten Schächte aus Arbeitsschutzgründen kritisch bewertet. 2018 hatte man deshalb die Planungen zur Sanierung in Auftrag gegeben. Im Einzelnen sollen die Transportleitungen zwischen Schächten, Sickerwasserleitungen saniert und Sickerwasserschächte erneuert werden. Die bei der Sanierung anfallenden Abfälle sollen direkt über die Müllumladestation Isen oder andere Deponien entsorgt werden. Alleine dafür rechnet man mit rund 170 000 Euro Kosten - abhängig von der Art und Zusammensetzung der Abfälle. Für die baulichen Maßnahmen in Unterriesbach kalkulierte das Ingenieurbüros Hofmann mit 1,42 Millionen Euro. Fördermittel könne man weder vom Bund noch Land erhalten. Die Umsetzung ist 2022 und 2023 geplant.

Durch biologische Abbauprozesse in den rund 415 000 Tonnen Abfall in der Deponie Baumgartner entsteht ebenfalls Sickerwasser und Deponiegas. Dort wurde auf 3,5 Hektar von 1988 bis 2004 Abfall abgelagert. Das Deponiegas wurde bisher energetisch über ein Blockheizkraftwerk verwertet. Diese Deponiegasverstromung - inklusive Notfackel und Verdichterstation - erfüllt jedoch nach mehr als dreißig Jahren nicht mehr die technischen und immissionsschutzrechtlichen Voraussetzungen. Zudem zeigten Kamerabefahrungen, dass Schächte erneuert werden müssen. Nun soll die alte Gasbehandlung durch eine neue kompakte Anlage ersetzt werden. Zudem muss das bisherige Gassammelsystem erneuert werden. 485 000 Euro soll dies kosten. Damit soll es zu einer Verminderung der Emissionen aus der Deponie um mehr als 50 Prozent kommen. Hinzu kommen für die Ingenieurleistungen 89 000 Euro.

Im Gegensatz zu Unterriesbach werden dafür im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit die Maßnahmen inklusive Bauüberwachung mit bis zu 60 Prozent gefördert.

© SZ vom 28.04.2021
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