Kreiskrankenhaus Erding Schwierige Budgetverhandlungen

Obwohl Angebote wie das Herzkatheter-Labor gut angenommen werden, führen die Nachwehen des turbulenten Jahres 2010 voraussichtlich zu einem hohen finanziellen Defizit bei der Kreisklinik

Von Florian Tempel

Erding Die wirtschaftliche Situation des Kreiskrankenhauses Erding bleibt schwierig. Nach Einschätzung des Klinikvorstands Sándor Mohácsi wird 2011 "sicher noch mal ein deutlich negatives Jahr". Trotz gestiegener Patientenzahlen und obwohl neue medizinische Angebote wie das Herzkatheter-Labor gut angenommen werden, drücken die Nachwehen des Krisenjahres das Ergebnis des laufenden Jahres. Nach den schweren Turbulenzen 2010 musste das Kreiskrankenhaus zuletzt einen massiven Verlust von 1,9 Millionen Euro ausweisen. Wie groß oder klein das zu erwartende Defizit 2011 ausfallen wird, kann Mohácsi noch nicht sagen. Im Haushaltsentwurf des Landkreises ist bereits eine Million Euro zum Ausgleich eines Fehlbetrags beim Kreiskrankenhaus eingeplant.

Wie hoch der zu erwartende Verlust 2011 ausfällt, hängt davon ab, wie gut oder schlecht die Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen laufen. Im Juni hatte Mohácsi eine erste Verhandlungsrunde abgebrochen, weil die Vertreter der Krankenkassen zu wenig Geld für 2011 herausrücken wollten - knapp vier Millionen Euro weniger, als Mohácsi für das Kreiskrankenhaus forderte. In der kommenden Woche beginnt eine neue Runde. Es sind schwierige Verhandlungen, sagt Mohácsi, der nicht allzu große Hoffnungen zu haben scheint, dass es wesentlich besser laufen wird als zuletzt - "das ist überhaupt nicht leicht".

Die Krankenkassen stehen - kurz gesagt - auf dem Standpunkt, dass das Kreiskrankenhaus Erding für 2011 kaum mehr Geld bekommen sollte als im vergangenen Jahr. "Rein gesetzlich ist die Vorjahresleistung die Grundlage", räumt Mohácsi ein. Doch leider war 2010 ein besonders schlechtes Jahr, und darin liegt das Problem.

Nach "der Logik des deutschen Gesundheitssystems", erklärt Mohácsi, bezahlen die Krankenkassen einer Klinik nicht am Ende des Jahres die tatsächlich erbrachten Leistungen, sondern gewähren ihr nur einen anhand früherer Zahlen vorausberechneten Betrag. Dass das Jahr 2011 schon sehr vorangeschritten ist und Mohácsi den Krankenkassen schwarz auf weiß vorlegen kann, wie viel tatsächlich im Kreiskrankenhaus geleistet wurde, muss die an harte Verhandlungen gewohnten Kassenvertreter nicht unbedingt beeindrucken.

"Wir hoffen, dass wir das darstellen können", sagt Mohácsi. Womöglich ist der späte Zeitpunkt der Budgetverhandlungen aber doch auch günstig, weil mittlerweile bekannt ist, dass die Kassen der Krankenkassen aktuell bestens gefüllt sind. Da wäre etwas mehr Entgegenkommen zu erwarten. Wenn es erneut zu keiner Einigung kommen sollte, muss ein Schiedsgericht das Leistungsentgelt 2011 festsetzen. Erfahrungsgemäß ist das Schiedsgericht eher geneigt, die tatsächlich erbrachten Leistungen zu berücksichtigen.

Die Kreiskrankenhäuser der Nachbarlandkreise Freising und Ebersberg stehen derzeit wirtschaftlich besser da. Das Klinikum Freising, das vor sechs Jahren kurz vor der Pleite stand, hat das Ruder erfolgreich herumgerissen und 2010 mit einem Überschuss von 1,9 Millionen Euro zum dritten Mal in Folge einen Gewinn erzielt. In Ebersberg lag der Überschuss zuletzt sogar bei 3,7 Millionen Euro, nach einem Plus von 1,3 Millionen Euro im Jahr 2009. Mohácsi ist optimistisch, dass auch das Kreiskrankenhaus Erding künftig Gewinne schreiben wird. Es wolle das Haus "durch eine sanfte Sanierung wieder auf Kurs bringen". Wann dann die positive Zukunft beginnt, ob schon im kommenden Jahr oder erst später, wagt er jedoch noch nicht zu sagen.