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Kommunalwahlkampf im Landkreis Erding:Wahlen in Zeiten von Corona

Am Sonntag werden Landrat, Bürgermeister, Kreistag sowie Stadt- und Gemeinderäte gewählt. Ob das Virus Menschen vom Wählen abhält, wird sich zeigen. Ungefähr ein Drittel hat Briefwahl beantragt

Am Sonntag ist es nun so weit: Im Landkreis Erding sind die Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, bei den Kommunalwahlen 2020 ihre Stimmen abzugeben. Und davon gibt es einige, schließlich gilt die Kommunalwahl als die komplizierteste Wahl Bayerns.

Diejenigen, die bereits per Briefwahl abgestimmt haben, wissen wie es ist, einen Wahlzettel von der Größe eines Esstischs vor sich auszubreiten. In Erding sind das ungefähr 9 300 von insgesamt 28 000, in Dorfen beantragten 4 560 von ungefähr 11 500 Wahlberechtigten Briefwahl. In beiden Fällen ist das deutlich mehr als bei der letzten Kommunalwahl, allerdings haben die Wahlleiter vor Ort schon bei vergangenen Landtags- oder Europawahlen festgestellt, dass der Anteil der Briefwähler steigt. In Zeiten von Corona, in denen wohl einige den Gang ins Wahllokal scheuen dürften, ist der Anstieg nicht extremhoch. "Eigentlich sind wir überrascht, dass es so wenige sind, die Briefwahl beantragt haben", sagt Robert Buckenmaier, der Wahlleiter in Erding ist und dem am Sonntag knapp 400 Wahlhelfer zur Seite stehen. In Dorfen helfen Anita Feckl 270 Freiwillige.

Inwieweit die Ausbreitung des Coronavirus die Wahlbeteiligung beeinträchtigen wird (2014 lag sie bei 58,48 Prozent), ist bisher noch nicht abzusehen. Buckenmaier stuft die Gefahr einer Ansteckung aber als nicht hoch ein. "Wir haben Hinweise ausgehängt bezüglich Hygiene und Händewaschen", sagt er. "Aber das Risiko ist so minimal, wie wenn man im Supermarkt einkaufen geht." Dennoch hat das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration Landratsämter und Gemeinden über Schutzmaßnahmen in den Wahllokalen informiert. Sollten Wähler am Wahltag tatsächlich erkrankt sein und kein Wahllokal aufsuchen können, könnten sie kurzfristig per Briefwahl an der Kommunalwahl teilnehmen. Gleiches gilt auch für deren Kontaktpersonen. Die entsprechenden Anträge können Erkrankte am Wahltag notfalls noch bis 15 Uhr bei den Gemeinden stellen oder stellen lassen. Zudem sollen in den Wahllokalen Aushänge mit den Verhaltensregeln zum Schutz vor Infektionskrankheiten angebracht werden. Auch sollen ausreichend Handreinigungsmittel zur Verfügung stehen. Und wer für seine Kreuze nicht denselben Stift wie alle anderen benutzen möchte, kann sein eigenes Schreibgerät mitbringen.

Bis 18 Uhr haben die Wahllokale am Sonntag geöffnet. Dann gilt es, die vielen Stimmen zu verteilen: Ein Kreuz für den Bürgermeister, eins für den Landrat, 60 für den Kreistag und für den Gemeinde- oder Stadtrat ebenfalls mehrere, je nach Einwohnerzahl. In Gemeinden, in denen es nur einen Bürgermeisterkandidaten gibt, dürfen Wähler zudem handschriftlich einen weiteren Namen auf den Wahlzettel schreiben. Sollte dieser Name mehr Stimmen auf sich vereinigen als der offizielle Kandidat, ist er Bürgermeister, wenn er die Wahl annimmt.

Laut Landratsamt werden die ersten Bürgermeisterergebnisse zwischen 18.30 und 19 Uhr vorliegen. Die ersten Landratsergebnisse zwischen 19 und 19.30 Uhr. Bis spätestens 22 Uhr sollte dann der Großteil der Stimmen ausgezählt sein. Unter www.landkreis-erding.de/wahlen kann man sich über den aktuellen Stand informieren.

Um das Amt des Landrats kandidieren Martin Bayerstorfer (CSU), seit 2002 Landrat in Erding, und Hans Schreiner (Freie Wähler), der von den Freien Wählern, den Grünen und der SPD unterstützt wird, sowie Rainer Forster (parteilos) für die AfD. Für den Kreistag treten 416 Frauen und Männer auf acht Listen an: CSU, Grüne, Freie Wähler, AfD, SPD, FDP, ÖDP und Die Linke werben um die Gunst der Wähler. Drei Listen für den Kreistag werden von Frauen angeführt: Helga Stieglmeier ist bei den Grünen auf Platz 1 gesetzt, Ulla Dieckmann bei der SPD und Rosmarie Neumeier-Korn bei der FDP. Besonders düster sieht der Frauenanteil auf der Liste der AfD aus: Dort finden sich unter 60 Kandidaten gerade einmal sieben Frauen.

416 Kandidaten

So viele Frauen und Männer treten für den Kreistag an. CSU, Grüne, Freie Wähler, AfD und SPD haben 60 Bewerber für die 60 Listenplätze gefunden. 2014 kam die CSU im Kreistag auf 47,12 Prozent der Wählerstimmen, die Freien Wähler auf 19,33 Prozent, die SPD auf 12,53 Prozent, die Grünen auf 10,24 Prozent, die ÖDP auf 4,72 Prozent, die FDP auf 2,35 Prozent.

Traditionell wird der Kreistag von den Bürgermeistern der 26 Gemeinden geprägt, erst dann werden die weiteren 34 Sitze des Gremiums vergeben. Die Bürgermeister in einigen Gemeinden dürften aber wohl erst am 29. März feststehen. Dann sind Stichwahlen - wenn das Coronavirus diesem Plan nicht doch noch einen Strich durch die Rechnung macht.

© SZ vom 14.03.2020
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