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Kommentar:Nicht ernsthaft ernst genommen

Eigene und alternative Ideen sollten die Dorfener entwickeln. Aber Stadtplanung interessiert die Bahn nicht. Letztlich ging es nur um die Kosten

Kommentar von Florian Tempel

Die Dorfener schauen seit Mittwochabend ziemlich konsterniert auf einen Scherbenhaufen. Die Vieregg-Variante liegt zerdeppert am Boden. Vor drei Jahre war in der Stadt die zarte Hoffnung gekeimt, dass sich der grobschlächtige Bahnausbau doch noch abwenden ließe. Eine Delegation des Petitionsausschusses des Bundestags hatte den Dorfenern Mut gemacht, eigene und alternative Ideen einzubringen. Sie durften sich ernsthaft ernst genommen fühlen. Die Tieferlegung der Gleise in einem breiten Graben erschien ihnen als eine städtebaulich, funktional und optisch feine Lösung. Sie wäre nicht einmal teurer, beteuerte ihr Erfinder. Die Planer von der Deutschen Bahn beteuerten derweil, man könne grundsätzlich alles Mögliche bauen, auch wenn man wenig davon halte, völlig unrealistisch wäre das Ganze nicht, es komme halt auf die Kosten an. Das hörte sich doch ganz wie eine ergebnisoffene Diskussion an.

Tatsächlich aber war die Chance für die Dorfener Lösung von Anfang an nur minimal. Und das hat nicht so sehr mit überzeugenden oder nicht überzeugenden Ideen zu tun, mit der technischen Machbarkeit auf wenig tragfähigem Boden oder dem wirtschaftlichen Druck, möglichst günstige Lösungen zu realisieren. Es liegt vor allem daran, dass es entgegen dem äußeren Anschein doch nicht vorgesehen ist, auf lokale Bedürfnisse und Belange ernsthaft einzugehen oder die Stadt an der Bahnplanung zu beteiligen. Die Planer der Bahn hat es nur minimal zu interessieren, was links und rechts vom Gleis los ist. Sie müssen die Stadt nur am Rande berücksichtigen. Lärmschutz muss sein, der ist exakt vorgeschrieben, und wenn es etwas mehr sein muss, werden halt höhere Mauern gebaut. Aber Stadtplanung? Was geht das die Bahn an. Hochwasserschutz? Eine ganz andere Baustelle. Verkehrsbeziehungen? Straßenplanung machen andere. So kann das nichts werden.

Aber es waren doch die höheren Kosten, die der Realisierung der Dorfener Wünschen im Weg standen, oder nicht? Ob sich der Dorfener Planer Vieregg oder die Bahnplanern verrechnet haben, darauf kommt es letztlich gar nicht an. Gesamtprojektleiter Zellmer hat es deutlich gemacht. Das Bundesverkehrsministerium hat keinen Anlass seinen Zahlen zu misstrauen. Ende der Diskussion.

© SZ vom 13.11.2020
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