Klinikum Erding:Tief in der Verlustzone

Klinikum Erding: Ob das Klinikum Erding jemals wieder ins Plus kommen wird, wagt derzeit niemand vorherzusagen.

Ob das Klinikum Erding jemals wieder ins Plus kommen wird, wagt derzeit niemand vorherzusagen.

(Foto: Renate Schmidt)

Das Krankenhaus schließt das Wirtschaftsjahr 2020 mit einem Defizit von 5,7 Millionen Euro ab. Das ist eine Million weniger als erwartet. Doch eine Überprüfung für 2019 ergibt einen weiteren Fehlbetrag von 1,2 Millionen

Von Florian Tempel, Erding

Es ist schon lange her, dass das Klinikum Erding letztmals im Plus war. Seit 2010 muss der Landkreis Jahr für Jahr millionenschwere Defizite mit Steuergeld ausgleichen. Dass sich daran nicht ausgerechnet in den Zeiten der Corona-Pandemie etwas ändern würde, dürfte jedem klar sein. Die Jahresrechnung für 2020 weist ein Defizit von 5,7 Millionen Euro aus. Auf den zweiten Blick ist das sogar erfreulich, weil man mit einer Million mehr Verlust gerechnet hatte. Auf dem dritten Blick ist diese Verminderung des Defizits nicht so richtig reell. Sie resultiert vor allem daraus, dass Instandhaltungsmaßnahmen in Höhe von 1,3 Millionen Euro verschoben wurden. Auf den vierten Blick wird die unerwartete Einsparung aber sowieso durch unerwartete Mehrausgaben aufgefressen: Die Überprüfung des Jahresergebnisses 2019 hat ergeben, dass das Defizit des Klinikums vor zwei Jahren nicht drei Millionen Euro betragen hat, sondern 4,2 Millionen. In diesem Jahr sehen die wirtschaftlichen Zahlen erneut nicht gut aus.

Ob das Klinikum Erding wirtschaftlich jemals wieder auf einen grünen Zweig kommen wird? Dazu war in der Sitzung des Krankenhausausschusses kein Wort zu hören. Krankenhausdirektor Dirk Last und Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) versuchten gar nicht erst, mit optimistischen Aussagen eine bessere Zukunft zu beschwören. Die Ausschussmitglieder hielten sich ebenfalls zurück. Es gab kaum Nachfragen und keine Diskussion.

Krankenhausdirektor Dirk Last berichtete zum Einstieg über die aktuelle Situation. Die ersten acht Monate des Jahres hätten sich insgesamt negativ im Vergleich zum Vorjahr entwickelt - natürlich vor allem wegen Corona. 2021 verlief bislang noch ein Stück schlechter als das erste Pandemie-Jahr. Da erneut viele Behandlungen nicht möglich waren oder verschoben werden mussten, liege das Krankenhaus um 17 Prozent hinter den im Wirtschaftsplan anvisierten Zahlen.

Immerhin sei das Klinikum nach dem Ende des Katastrophenfalls "seit Juli wieder handlungsfähig" und bemühe sich nun, einiges nachzuholen. Aktuell sind zwölf Covid-19-Patienten im Haus, davon drei auf der Intensivstation. Das sei zu verkraften, sagte Last, "noch ist es so, dass diese zwölf Fälle unseren Tagesablauf nicht beeinträchtigen".

Mehrere Monate war die Arbeit im Klinikum durch Corona stark blockiert. Dafür gibt es zwar Ausgleichszahlungen, sagte Last, "aber was das letztlich in Heller und Pfennig bedeutet, lässt sich heute noch nicht sicher sagen." Auf alle Fälle sei mit geringeren Kompensationszahlungen als im vergangenen Jahr zu rechnen. Die Ausgleichszahlungen hätten "sehr geholfen", sagte Last, 2020 wirtschaftlich einigermaßen gut abzuschließen. Denn der mit 5,7 Millionen Euro recht hohe Jahresfehlbetrag lässt sich bei genauerem Hinsehen durchaus besser darstellen. Zieht man die im Landkreis Erding freiwillig bezahlten Ballungsraumzulage ab, sowie alle Instandhaltungsmaßnahmen und sogenannten nicht-geförderte Abschreibungen, bleibt unter dem Strich das "operative Ergebnis", das einen Fehlbetrag von zwei Millionen Euro ausweist. Anders ausgedrückt: die eigentliche Arbeit des Krankenhauses, seine Leistung als medizinisches Behandlungszentrum, verursacht nur etwa ein Drittel des Verlustes, ein Großteil entsteht durch Faktoren, die nicht direkt etwas mit dem Auftrag des Klinikums zu tun haben. Auch für den um 1,2 Millionen Euro höheren Jahresverlust 2019 waren "nicht vorhersehbare und somit nicht eingeplante Sondereffekte" verantwortlich, hieß es in der Sitzungsvorlage. Auch hier schlugen die Ballungsraumzulage und höhere Instandhaltungskosten zu Buche. Krankenhausdirektor Last sagte auf eine Nachfrage von Ursula Frank-Mayer (Grüne), dass man auf der Kostenseite kaum einsparen könne. 70 Prozent der Ausgaben seien Personalkosten. Wenn "wir beim Personal runter schrauben würden", so Last, wäre das, als ob man den sprichwörtlichen "Ast absägen würden, auf dem wir sitzen".

© SZ vom 21.09.2021
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