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Klinik Dorfen wird erweitert:Landkreis investiert 16 Millionen

Das Klinikum Dorfen soll um eine Bruttobaufläche von 4570 Quadratmetern erweitert werden, gab Landrat Bayerstorfer überraschend bekannt.

(Foto: Renate Schmidt)

Vier neue Nutzungen sind in vier Bauteilen geplant: der Neubau der Rettungswache, ein Personalwohngebäude, eine psychiatrische Tagesklinik und ein Bereich Geriatrie

Von Thomas Daller, Dorfen

Der Krankenhausausschuss hat in seiner Strategieklausur beschlossen, das Klinikum Dorfen erheblich auszubauen und so für die Zukunft zu sichern. Geplant sind vier Bauteile nördlich des Bestandsgebäudes und des Medizinischen Versorgungszentrums mit vier Nutzungen sowie einer Tiefgarage mit rund hundert Stellplätzen. Es handelt sich um 4570 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Die reinen Baukosten werden laut Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) auf 16,1 Millionen Euro veranschlagt. Wie beim Bildungszentrum für Gesundheitsberufe in Erding soll auch die Erweiterung in Dorfen als ÖPP-Projekt errichtet werden: Ein Investor errichtet das Gebäude schlüsselfertig, und der Landkreis zahlt 25 Jahre Raten, bis er es danach dann übernimmt. Wie in Erding will man wieder mit dem Investor Rheform zusammen arbeiten, mit dem man gute Erfahrungen gemacht habe.

Landrat Bayerstorfer gab die Nachricht am Freitag Nachmittag überraschend bei einem Pressetermin im Klinikum Dorfen bekannt. Ursprünglich sollte nur die neue Pflegedienstleiterin Brigitte Hohenadl vorgestellt werden. Von dem Projekt wisse bislang nur der Krankenhausausschuss, sogar der Kreistag sei davon noch nicht unterrichtet, sagte Bayerstorfer.

Geplant ist, dass in einem der vier Bereiche die neue Rettungswache entstehen soll. Sie soll künftig auch für den westlichen Landkreis Mühldorf zuständig sein und wäre an der Buchbacher Straße verkehrsgünstiger gelegen als in der Isener Siedlung. Der Bau einer neuen Rettungswache ist bereits seit 2012 beim Roten Kreuz im Gespräch. Außerdem sollen dort auch Fahrzeuge des Katastrophenschutzes untergebracht werden, kündigte Bayerstorfer an.

Der zweite Bereich umfasst 24 Appartements für Pflegekräfte beziehungsweise Auszubildende des Bildungszentrums für Gesundheitsberufe. Bayerstorfer erläuterte, die Auszubildenden hätten Probleme, eine bezahlbare Wohnung in der Region zu finden. Mit diesen 24 kleinen Wohnungen mit je 25 Quadratmetern könne man ein Angebot schaffen.

Ein weiterer Bereich soll in Zusammenarbeit mit dem kbo-Klinikum in Taufkirchen entstehen. Geplant ist eine psychiatrische Tagesklinik mit einer gerontopsychiatrischen Institutsambulanz. Das kbo-Klinikum wolle sowohl in Erding als auch in Dorfen so ein Angebot bieten und ursprünglich mit Erding beginnen. Im Rahmen dieser Erweiterung biete es sich jedoch an, den Standort Dorfen vorzuziehen, sagte der Landrat.

Der vierte Bereich soll einer Kooperation mit der Klinik Wartenberg dienen und den Bereich Geriatrie abdecken. Damit wolle man sich spezialisieren und einen weiteren Schwerpunkt setzen, erläuterte der Dorfener Chefarzt und stellvertretende Dorfener Bürgermeister, Ludwig Rudolf. Altersmedizin werde in der Zukunft aufgrund der demografischen Entwicklung eine noch größere Bedeutung erfahren, und Dorfen sei als Standort dafür sehr gut geeignet.

Landrat Bayerstorfer betonte auch die Vorzüge, die der Landkreis durch das ÖPP-Modell habe. Es handele sich um ein sogenanntes Lebenszyklusmodell: "Der Investor baut schlüsselfertig und wir zahlen 25 Jahre Raten. Zinsänderungen oder Bauherrenrisiko sind für uns kein Thema." Das Lebenszyklusmodell sei aus seiner Sicht das beste, weil der Investor hochwertige Materialien verbaue, denn für vorzeitigen Verschleiß müsste er haften. Er sei auch zuständig für Wartung und Unterhalt, was beim Bildungszentrum Erding dazu geführt habe, dass zwei Drittel der Handwerker aus dem Landkreis Erding kommen. Mit dem Generalunternehmer Rheform habe man beim Bau des Bildungszentrums in Erding gute Erfahrungen gemacht, "wir wollen auch den gleichen Partner wieder haben". Bayerstorfer sagte, er gehe davon aus, dass die Erweiterung des Klinikums spätestens in fünf Jahren in Betrieb gehen werde. Denn er wolle dies noch in dieser Amtszeit vollenden: "Wer weiß, ob ich noch für eine weitere Amtszeit wiedergewählt werde. Es war schon das letzte Mal knapp."

Der Dorfener Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) betonte dann allerdings, dass die Stadt Dorfen Landrat Bayerstorfer sehr dankbar sei, dass er so ein "klarer Verfechter des Klinikstandorts Dorfen" sei. Es habe bereits 2002 von verschiedenen politischen Seiten Vorstöße gegeben, die zu einer Veränderung der Nutzung geführt hätten. Die Stadt Dorfen sei froh, dass der Landkreis nicht nur die flächendeckende Versorgung im Landkreis Erding beibehalte, sondern mit der Erweiterung auch noch ausbaue. Dorfen habe als Mittelzentrum eine zentralörtliche Versorgungsfunktion, für den Klinikstandort sei damit eine Zukunftsperspektive gegeben.

© SZ vom 17.04.2021
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